Der wachsende Tabakkonsum von Frauen lässt auch die Zahl weiblicher Lungenkrebs-Patienten ansteigen. «Wenn Frauen rauchen wie Männer, dann sterben sie auch wie Männer», teilt das Krebsforschungszentrum Heidelberg mit.
Hat Lungenkrebs lange als typische Männerkrankheit gegolten, steigt die Zahl erkrankter Frauen seit etwa zehn Jahren kontinuierlich an. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, führt den zunehmenden Tabakkonsum junger Frauen auch auf soziale Ursachen zurück.
Nach Angaben der Krebsforscher verlieren Raucher durchschnittlich zehn Lebensjahre. Der neue Report des Zentrums zu diesem Thema verdeutliche im Übrigen, dass Frauen empfindlicher auf die Schadstoffbelastungen durch Rauchen und Passivrauchen reagierten als Männer. «Rauchende Frauen haben nicht nur ein höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und Osteoporose. Rauchen beeinflusst auch den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit», heißt es in der Erklärung.
Rauchen in der Schwangerschaft erhöhe zudem das Risiko für Gesundheitsschäden bereits bei Ungeborenen. «Kinder rauchender Mütter und Väter leiden vermehrt an Atemwegserkrankungen, Asthma und Mittelohrentzündungen», schrieben die Autoren der Studie weiter.
Die Mediziner bezeichneten den Anstieg der Zahl an Lungenkrebs erkrankter Frauen als besorgniserregend. In Deutschland ist er den Angaben zufolge die häufigste Krebstodesursache bei Männern und die dritthäufigste Krebstodesursache nach Brust- und Darmkrebs bei Frauen mit jährlich über 12.000 Todesfällen. «Da 80 bis 90 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs auf das Rauchen zurückzuführen sind, ist dieser Krebs vermeidbar», heißt es weiter.
So müssten Maßnahmen ergriffen werden, die nachgewiesenermaßen zu einem dauerhaften Rückgang des Tabakkonsums führten. Das Krebsforschungszentrum nannte vor allem drastische Tabaksteuererhöhungen, Schutz vor Passivrauchen, umfassende Tabakwerbeverbote, Hilfen für Raucher zur Entwöhnung sowie große bildliche Warnhinweise auf allen Tabakprodukten.
Die Bundesdrogenbeauftragte sagte im Fernsehsender N24, dass immer mehr junge Frauen rauchten, hänge auch mit dem sozialen Hintergrund und der Bildung zusammen. «Wir wissen wirklich, dass die aus den bildungsfernen Schichten doppelt so häufig rauchen wie zum Beispiel Frauen mit Abitur», sagte die SPD-Politikerin. Ein schwieriges soziales Umfeld erhöht die Raucherquote nochmals.
Nach Angaben Bätzings rauchen 52 Prozent der alleinerziehenden Mütter. «Und es hat auch etwas mit Lifestyle zu tun, mit der Angst vor Gewichtszunahme», fügte die Drogenbeauftragte hinzu. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, erstelle sie in diesem Jahr ein nationales Aktionsprogramm zur Tabakprävention. Dabei gehe es unter anderem um das Thema Tabakwerbung, aber auch um Lifestyle und Image.
«Dort werden wir uns auch ganz gezielt an die Frauen richten», kündigte Bätzing an. Auch bei den bildgestützten Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln sollten frauenspezifische Lebenssituationen aufgegriffen werden. Vorgesehen sei zudem die Schulung von Gynäkologen und Hebammen, um auch bei ihnen eine stärkere Sensibilisierung zu schaffen.