Sa., 26.05.12

Diabetes 21.10.2008 Deutsches Fußnetz kämpft gegen Amputationen

Fuß (Foto)
Diabetikerfüße brauchen regelmäßige Kontrolle. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mara Schneider

Jedes Jahr verlieren allein in Deutschland schätzungsweise 15.000 Diabetiker ein Bein. Bisherige Versuche der Weltgesundheitsorganisation, die Zahl der durch das Diabetische Fußsyndrom verursachten Amputationen zu senken, blieben erfolglos.

Kribbelt oder brennt es in den Fußsohlen eines Diabetikers, kann das auf einen Nervenschaden deuten. Spätestens dann ist es besonders wichtig, dass der Betroffene seine Füße täglich - auch von unten - kontrolliert.

Denn je länger die Krankheit andauert, desto größer sei die Gefahr, an einem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) zu erkranken, erklärt Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Bei der täglichen Kontrolle ist vor allem auf Verletzungen, Wunden, Hautverfärbungen und Hornhaut zu achten, erläutert Ziegler in der Zeitschrift Neue Apotheken Illustrierte. Auch rissige Haut, Schwielen, Blasen, Fußpilz und eingewachsene Nägel können Hinweise sein.

Das diabetische Fußsyndrom tritt nach Angaben des Onlineportals GesundheitPro.de vor allem bei einer langjährigen, schlecht eingestellten Diabetes auf. Dabei sind meist die Nerven und Blutgefäße in den Füßen angegriffen, die Durchblutung sowie die Abwehrkräfte gestört. Kleine Wunden bleiben dadurch oft unbemerkt. Sie können sich aber rasch zu tiefen Geschwüren entwickeln, die sich entzünden. Im schlimmsten Fall muss der Fuß amputiert werden.

In Deutschland leben schätzungsweise rund sechs Millionen Diabetiker. Jeder Siebte erkrankt irgendwann am DFS. Jedes Jahr verlieren 15.000 Diabetiker ein Bein, fast genau so vielen muss ein Fuß abgetrennt werden. Dem Apothekenmagazin Diabetiker Ratgeber zufolge geschehen hierzulande sieben von zehn Amputationen aufgrund von Diabetes-Komplikationen.

Bereits 1989 nahmen sich alle europäischen Staaten, unterstützt von der Weltgesundheitsorganisation, vor, die Amputationen innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte zu verringern. 20 Jahre später zeigt sich, dass das Ziel nicht ansatzweise erreicht wurde - nicht wegen der medizinischen Probleme, sondern weil es an koordinierter Therapie fehlt.

Weil sie diesen Zustand nicht mehr hinnehmen wollten, haben im Raum Köln 45 Fußexperten 2002 das Netzwerk Diabetischer Fuß Köln und Umgebung gegründet. Kern des Projektes ist die verbindliche Zusammenarbeit der verschiedenen Experten. Dazu gehören Diabetes-Spezialisten, Gefäß- und Wundchirurgen, plastische Chirurgen, Radiologen und Fußpfleger ebenso wie Orthopädie-Schuhmacher oder Pflegekräfte.

«Das Amputationsrisiko von Patienten, die in unserem Netzwerk behandelt werden, ist deutlich geringer. Die Menschen leben länger und die Kosten sind niedriger», berichtet Gerald Engels, Vorsitzender des Netzwerkes Diabetischer Fuß. Von 71 innerhalb eines Jahres zu erwartenden Fällen verloren 13 Patienten am Ende auch tatsächlich ein Bein. Insgesamt musste nur bei 2,5 Prozent aller wegen DFS behandelten Diabetiker amputiert werden. Bundesweit liegt die Rate bei über fünf Prozent.

Lesen Sie auf Seite 2, worauf Diabetiker achten müssen

Die Gründe, warum andernorts häufiger zur Säge gegriffen wird, sind vielseitig. «Oft werden die vorhandenen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft», bedauert Engels. Nur, wenn wirklich keine andere Alternative mehr besteht, kommt ein Patient im Netzwerk unters Messer. Denn ist das Bein erst mal ab, wird die Hälfte aller Betroffenen akut pflegebedürftig, kann nicht mehr allein gehen. Dadurch entstehen jährlich Kosten von mehr als 2,5 Millionen Euro.

Engels und seine Kollegen planen mittlerweile noch einen Schritt weiter. Die derzeit entstehende Initiative Köln und Rheinland gegen Amputationen fordert, dass künftig vor jeder geplanten Amputation die Meinung mehrerer Gefäßchirurgen und Diabetologen eingeholt werden muss. Das geschehe heute nur selten.

Generell plädiert Engels dafür, dass ähnlich wie im Raum Köln bereits geschehen alle Hausärzte für das Problem Diabetisches Fußsyndrom geschult werden. «Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Hausarzt Ihrer Füße annimmt», rät der Mediziner Diabetikern. Wenn diese Risikogruppe bekannt ist, sei schon viel erreicht.

Doch es gibt auch etwas, was Diabetiker selbst tun können, um Komplikationen zu vermeiden. So sollten Füße regelmäßig auf kleine Wunden untersucht werden. Auch Druckstellen, Nagelprobleme oder Blasen müssen ernst genommen werden. «Bei jeder noch so kleinen Blessur sollte ein Arzt aufgesucht werden», rät Engels. «Diabetiker spüren oft nicht, wenn der Fuß weh tut, weil die Nerven geschädigt sind.»

Und selbst dann, wenn von ärztlicher Seite eine Amputation empfohlen wird, muss diese nicht unbedingt notwendig sein. «Manchmal reicht es schon, wenn man etwas für eine bessere Durchblutung macht», erklärt Engels. Mittlerweile gibt es bundesweite Netzwerke für Diabetische Füße, die Betroffene in die richtigen Hände von Experten vermitteln.

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