Jeder Mensch verliert täglich bis zu 100 Haare. Werden es mehr, spricht man von Haarausfall. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass sowohl Mütter als auch Väter jenes Gen vererben können, dass zum berühmten Glatzkopf führt.
Aristoteles sah in der Glatze des Mannes noch ein Zeichen der männlichen Potenz. Cäsar zweifelte bereits an dieser Theorie, begnügte sich jedoch mit dem einfachen Lorbeerkranz, um seinen schütteren Haarwuchs zu verbergen. Heutzutage versucht vor allem Mann mit allen möglichen (Wunder-)Mitteln, einer Platte entgegenzuwirken - mit mehr oder weniger Erfolg. Dabei sind fehlende Haare oft genetisch bedingt.
Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf haben nun ein weiteres Haarausfall-Gen entdeckt. Dieses könne sowohl von der Mutter als auch vom Vater weitervererbt werden, berichtete die Universität Bonn. Damit lassen sich Ähnlichkeiten beim Haarwuchs von Vätern und Söhnen erklären.
Vor drei Jahren hatten die Wissenschaftler ein erstes Haarausfall-Gen identifiziert, das aber nur über die Mutter vererbt wird - und den Haarwuchs eines Mannes oft nach dem seines Großvaters mütterlicherseits geraten lässt. Das nun entdeckte Gen erklärt dagegen ähnliche Behaarungen bei Vater und Sohn. Parallel zu den deutschen Forschern waren auch britische Wissenschaftler auf die Erbgut-Region gestoßen. Die Ergebnisse beider Gruppen wurden im britischen Fachmagazin Nature Genetics veröffentlicht.
Die Bonner Forscher um Axel Hillmer hatten den Angaben nach mehr als 500.000 Stellen im menschlichen Erbgut untersucht. Dabei stießen sie auf eine Genvariante, die bei kahlköpfigen Männern deutlich häufiger vorkommt. Es ist nach Darstellung der Forscher erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann. Sie wollen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt. Erst dann lasse sich abschätzen, ob sich neue Möglichkeiten für Therapien ergeben. Die Wissenschaftler vermuten, dass für die frühe Glatze noch weitere Gene verantwortlich sind.