Von Mara Schneider
Die Schmuddelwettersaison hat begonnen. Niedrige Temperaturen, Nebel und Regen vermiesen nicht nur die Stimmung. Immer öfter läuft die Nase, der Hals kratzt und man fühlt sich schlapp. Dabei sind harmlose Erkältungen ein gutes Training fürs Immunsystem.
Mit dem Beginn der dritten Jahreszeit häufen sich in diesen Tagen auch wieder die Erkältungskrankheiten. Drei bis vier Mal im Jahr leiden Erwachsene unter der lästigen, aber harmlosen Infektion, die durch Rhinoviren hervorgerufen wird. Doch es ist nicht das Wetter, das uns krank werden lässt. «Vielmehr macht der Wetterwechsel dem Körper zu schaffen», sagt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda).
«Vor ein paar Wochen war es noch relativ warm. Jetzt sinken die Temperaturen plötzlich ab. Wir kommen aber besser zurecht, wenn es längere Zeit gleichmäßig kalt bleibt», erklärt die Apothekerin. Anfälliger für eine Erkältung ist auch, wer sich aufgrund der niedrigeren Temperaturen verstärkt in Räumen aufhält, womöglich noch viel heizt. Die trockene Luft reizt die Schleimhäute, diese werden schlechter durchblutet und Viren können sich schneller festsetzen.
Haben die Erreger ihr Ziel erreicht, treten die typischen Symptome auf: Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Der sofortige Griff zum Medikamentenschrank ist aber nicht nötig, zumal gerade Antibiotika bei einer reinen Erkältung wirkungslos sind. «Eine Erkältung heilt innerhalb von einer Woche von allein», erklärt Sellerberg. Was der Körper braucht, sind Ruhe und viel Wärme. «Ein Erkältungsbad tut immer gut. Oder man kann eine heiße Zitrone trinken. Da ist zwar nicht wie vielleicht vermutet viel Vitamin C drin, aber heiße Flüssigkeiten helfen generell, den Körper aufzuheizen.» Nicht umsonst ist die Hühnerbrühe im Winter eines der beliebtesten Rezepte aus Omas Kochbuch.
Auch scharfe Speisen können dafür sorgen, dass die Krankheitsverursacher buchstäblich ausgeschwitzt werden. «Eine Prise ordentlich scharfer Gewürze ist zwar keine Garantie, kann aber helfen», sagt die Apothekerin. Regelmäßiges Lüften ist ebenfalls Pflicht, damit die Luft nicht austrocknet. Um den Schleimhäuten zusätzlich Linderung zu verschaffen, können im Raum Tassen mit Wasser und einigen Tropfen Minz-, Eukalyptus- oder Kamillenöl aufgestellt werden.
Wem die Hausmittelchen nicht genügen, der sollte nur das jeweils am stärksten auftretende Symptom medikamentös behandeln. Heißt, wenn der Hals unerträglich kratzt, darf es auch mal ein Hustensirup sein. Es muss aber nicht gleichzeitig noch das Spray für die laufende Nase oder die Aspirin für die Kopfschmerzen sein. Und für die Zeit der Erkältung heißt es: Finger weg vom Sport! «Das kann den Herzmuskel schädigen», erklärt Sellerberg. Wenn sich dieser entzündet, kann das akut lebensbedrohlich werden und vor allem auch Folgeschäden hinterlassen. Zudem kann bei körperlicher Anstrengung aus einem grippalen Infekt schnell eine Lungenentzündung werden.
Richtig auskuriert, ist und bleibt ein grippaler Infekt also eine harmlose Angelegenheit und das Sprichwort «Eine Erkältung dauert mit Medikamenten eine Woche und ohne sieben Tage» hat durchaus seine Gültigkeit. Halten die Symptome allerdings länger an oder kommt gar Fieber hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Außerdem darf ein grippaler Infekt nicht mit einer Grippe verwechselt werden. «Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun», macht Sellerberg deutlich. Während eine Erkältung schleichend auftritt und häufig mit Husten verbunden ist, setzt eine Grippe den Organismus quasi über Nacht außer Gefecht. «Sie kommt von heute auf morgen und man fühlt sich richtig schlecht, hat häufig auch starke Kopfschmerzen. Schnupfen kommt eher seltener vor, dafür ist hohes Fieber ein deutliches Zeichen», sagt die Apothekerin. Ab einer Körpertemperatur von 38,5 Grad Celcius sollte man zum Arzt. Auch wenn beim Naseputzen grüner Schleim im Taschentuch auftaucht, ist Vorsicht geboten.
Die beste Schutzmaßnahme vor der Grippe ist weiterhin die Impfung. «Es ist sinnvoll, sich Anfang Oktober gegen Influenza impfen zu lassen, denn der Impfschutz braucht zwei bis drei Wochen, bis er sich aufgebaut hat», sagt die Arbeitsmedizinerin Marie-Luise Schrömer vom Klinikum Augsburg. Vor allem ältere Menschen, Patienten mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder mit chronischen Leiden wie Diabetes sollten sich impfen lassen. «Wir wollen aber möglichst viele Menschen dazu motivieren», sagt Schrömer. Im Normalfall sei eine Grippeschutzimpfung gut verträglich. Vorab sollte aber geklärt werden, ob eine Allergie gegen Hühnereiweiß vorliege, da der kombinierte Impfstoff aus Hühner-Embryonen gewonnen wird.
Erfahrungsgemäß erreichen die Grippeerkrankungen ihren Höhepunkt in den Monaten Dezember bis Februar. Niemand könne Schrömer zufolge aber vorhersagen, wie stark sich eine mögliche Infektionswelle ausbreitet. «Experten erwarten für die nächsten Jahre eine Grippe-Epidemie größten Ausmaßes, aber niemand weiß, wann das passieren wird», sagt die Medizinerin. Die letzten größeren Grippewellen in Deutschland habe es in den Jahren 2005 und 2006 gegeben.
Gegen eine Erkältung hingegen helfen nach wie vor in erster Linie gute Abwehrkräfte. Die erledigen die Erreger, bevor sie überhaupt Schaden anrichten können. Wichtig sind ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und genügend Trinken. ABDA-Mitarbeiterin Ursula Sellerberg schwört außerdem auf Kneippkuren oder Wechselduschen. Die bringen nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern der Körper kann sich generell besser auf Temperaturschwankungen einstellen.