Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig oder gar krankhaft fett. Schuld sind Fastfood, Süßigkeiten und Bewegungsmangel. Die gesundheitlichen Folgen sind alarmierend: Bluthochdruck, Diabetes und Gelenkschäden schon in jungen Jahren.
Anstelle von Spinat, Salat und Steak stehen Hamburger, Hähnchen-Nuggets und Softeis auf dem Mittagstisch. Statt zu Wasser greifen Mädchen und Jungen lieber zu Limonade oder Cola. Und nach den Hausaufgaben sitzt der Sprössling vor dem Computer statt an der frischen Luft mit Freunden Fußball zu spielen. Kein Wunder, dass die Waage von Mal zu Mal ein paar Kilo mehr anzeigt.
Deutsche Kinder und Jugendliche sind zu dick und bewegen sich zu wenig. Darauf weisen Experten seit Jahren hin und warnen regelmäßig vor den gesundheitlichen Risiken. So wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Nach Angaben der Ernährungskommission der DGKJ sind 15 Prozent (1,9 Millionen) der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland übergewichtig. Unter Adipositas (Fettleibigkeit oder das Wort «Adipositas» mit einem Erklärungstest verlinken) leiden 6,3 Prozent (800.000). Damit haben sich die Zahlen im Vergleich zu früheren Studien verdoppelt.
Die DGKJ führt dies vor allem auf den übermäßigen Konsum von zuckerhaltigen Getränken zurück. Kinder und Jugendliche, die zu viel Softdrinks mit Zuckerzusätzen oder Fruchtsäfte trinken, hätten ein höheres Risiko, an Adipositas, Diabetes und Karies zu erkranken, warnt die DGKJ. Gezuckerte Getränke wirkten weniger sättigend als feste Nahrung mit dem gleichen Kaloriengehalt. Wegen des geringeren Sättigungsgefühls fehle das Signal des Körpers, Nahrung aufgenommen zu haben. Zucker aus zuckerhaltigen Getränken trage so zu einem Energieüberschuss und in der Folge zur Gewichtszunahme bei.
Schon bei Kindern im Vorschulalter sind immer häufiger Erkrankungen als Folge von Übergewicht zu beobachten, wie zum Beispiel zu hohe Cholesterinwerte oder zu hoher Blutdruck. Auch Herzprobleme, Gelenk- und Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter sind keine Seltenheit. Neben hohem Fernsehkonsum und stundenlangem Sitzen vor dem Computer spielen erbliche oder psychische Faktoren wie Stress, Einsamkeit und Frust eine Rolle. Mit unkontrolliertem Essen kompensieren Kinder nicht selten schulische oder familiäre Probleme.
Hinzu kommt, dass dicke Kinder oft gehänselt werden und weniger Selbstbewusstsein entwickeln. Zudem haben übergewichtige Jugendliche häufig eine schlechtere Ausbildung und weniger Chancen auf gut bezahlte Jobs.Dass ein dickes Problem auf die Deutschen zukommt, hat auch die Bundesregierung erkannt, die kürzlich einen bundesweiten Aktionsplan mit dem Titel «In Form» auf den Weg gebracht hat.
Der Bund stellt 30 Millionen Euro bis 2010 bereit, um die Bundesbürger in Form zu bringen. Ziel ist vor allem eine bessere Aufklärung mit Hilfe von Kampagnen in Schulen, Kindergärten, Betriebskantinen, Sportvereinen und Seniorenheimen. Damit sollen auch milliardenschwere Krankheitskosten vermieden werden. Bis zu 70 Milliarden Euro, ein Drittel der Gesundheitskosten, würden durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung ausgelöst, sagt Bundesverbraucherminister Horst Seehofer. Der CSU-Politiker muss sich allerdings auch Kritik gefallen lassen. So kritisieren etwa die Verbraucherzentralen, der Aktionsplan sei zu wenig konkret und die Finanzierung reiche nicht aus.
Die DGKJ rät, Kinder und Jugendliche sollten vorwiegend energiefreie oder energiearme Getränke wie Wasser, ungezuckerte Tees oder stark verdünnte Saftschorlen zu sich nehmen und öfter mal zu Früchten statt zu Fruchtsäften zu greifen.
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