Virtuelles Kaffeekränzchen
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Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer
Der schönste Tag im Leben wird oft genauso akribisch geplant, wie eine Militärparade. Deshalb findet auch im Internet ein reger Austausch statt: In Hochzeitsforen.
«Um 7 Uhr waren wir wach und fit. Und schon aufgeregt. Schatzi mehr als ich. Ich bin es erst im Auto zum Standesamt geworden! Nach Kaffee zum restlichen Munterwerden sind wir Duschen gegangen, haben uns angezogen und schick gemacht und sind dann um kurz nach halb 10 zum Floristen gefahren. Dort haben wir meinen Brautstrauß und unser Blumenringkissen abgeholt. Wirklich wunderschön, so habe ich mir das vorgestellt!»
Das ist ein Auszug aus dem Hochzeitstagebuch von Simone und Danny. Die beiden haben das gemacht, was allein im vergangenen Jahr 368.922 Menschen in Deutschland getan haben: geheiratet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Heiratswütigen haben sie alles rund um diese Veranstaltung ins Internet gestellt. Simone plaudert über die gesamte Planung, die Durchführung der Trauung, die Wunschliste für die Geschenke und stellt natürlich die Fotos ins Netz. Psychologin Felicitas Heyne kennt das Phänomen, dass gerade Frauen gerne über ihren großen Tag plauschen. «Drüber reden wollen Frauen natürlich vor allem deshalb, weil es ein wahnsinnig wichtiges, once-in-a-lifetime-Event für sie ist. Je mehr sie sich damit beschäftigen - und viele Frauen tun das nun gerne mal gerne im Austausch miteinander - desto mehr haben sie davon, desto mehr genießen sie es.»
Hochzeit.de, forum.weddix.de oder hochzeitsforum24.de sind Internetseiten, auf denen es ausschließlich ums Heiraten geht. Hier tauschen sich Frauen über alles aus, was mit dem Thema Hochzeit zu tun hat. Statt die beste Freundin zu fragen, werden die Leserinnen des Forums befragt. Diese extreme Begeisterung fürs Heiraten kommt laut Felicitas Heyne nicht von ungefähr: «In den meisten Kulturen werden Mädchen von klein auf mit Geschichten über den schönsten Tag im Leben vollgestopft. Oder was glauben Sie, warum die ganzen Märchen immer damit enden, dass der Prinz die Prinzessin heiratet und das dann der Auftakt zu ‹sie lebten glücklich und in Freuden bis an ihr seliges Ende› istω Es gibt sogar eine Hochzeits-Barbie. Ich nehme mal an, den Hochzeits-Batman werden Sie vergeblich in den Spielwarenläden suchen.»
Auch die 26-jährige Kia aus Bremen hat ein Problem: Sie kann sich einfach nicht entscheiden. «Ich war gestern mit meiner besten Freundin im Einkaufscenter. Ganz versteckt in der Ecke war ein Braut- und Abendmodengeschäft. Und da war es - voll glitzernd und schön: MEIN Kleid. Ich wollte es gar nicht wieder ausziehen. Ich muss überlegen: Kaufe ich jetzt mein Kleid oder gebe ich mich später mit einem anderen zufrieden, welches dieses Kleid nie toppen könnte.» Gleich sieben weitere heiratswillige Damen geben Kia den Ratschlag, das Kleid zu kaufen. Psychologin Heyne weiß, warum sich Kia an ihre Internetbekanntschaften richtet: «Die Internetforen sind nur eine logische Verlängerung des üblichen Kaffeekränzchens und eröffnen einfach eine größere Bandbreite an möglichen Gesprächspartnerinnen. Nach der fünfhundertsten Wiederholung der Frage ‹vanille- oder champagnerfarbenω› flüchtet vielleicht die ein oder andere Freundin, vor allem, wenn sie selber eigentlich gerade massiven Liebeskummer hat und frisch verlassen wurde. Im Internetforum ist dagegen klar: Hier kann und soll ich sogar speziell über dieses Thema reden.»
Auffällig in den Foren ist die hohe weibliche Beteiligung. Männer verirren sich nur selten in die Welt der Streukörbchen, Gästelisten und Schleier. Was nicht bedeutet, dass der Männerwelt die Hochzeit nicht wichtig ist. Laut Felicitas Heyne gehen sie nur einfach anders damit um: «Für Männer ist das Thema meist nicht so emotional aufgeladen wie für Frauen. Sie bringen es eher hinter sich und sind froh, wenn es überstanden ist. Im Übrigen merken die Männer ziemlich schnell: Hoppla, die Dame meines Herzens hat das komplette Drehbuch schon im Kopf! Da kann ich ja eigentlich nur was falsch machen, wenn ich mich einmische.»
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