15.09.2008, 07.12 Uhr

Von Rot nach Weiß: So bleiben die Zähne gesund

Zähne malmen sich täglich durch harte Brocken wie Körnermüslis, Karottenschnitze und Karamellbonbons. Damit einem diese Genüsse bis ins hohe Alter vergönnt bleiben, muss man sein Gebiss regelmäßig pflegen. Dabei kommt es auf die passenden Hilfsmittel und auf die richtige Putztechnik an.

Auch Kinder sollten regelmäßig Zähne putzen. Bild: dpa

Die Regel «Nach dem Essen: Zähne putzen nicht vergessen!» gilt heute als veraltet. «Die Beläge auf den Zähnen bilden sich nicht nur im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Die Bakterien sind im Mundraum vorhanden, und im Laufe des Tages bilden sie Beläge an den Zähnen», sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin. Erst nach einer Ruhezeit von 24 Stunden fingen diese Beläge an, Säuren zu produzieren, welche die Zähne schädigten und Karies erzeugten. «Entscheidend ist daher, dass man sich zwei Mal täglich die Zähne gründlich putzt und ein Mal täglich die Zahnzwischenräume reinigt. Ob man das morgens, abends oder mitten in der Nacht tut, ist fast egal», sagt Oesterreich.

Auch die kreisförmigen Putzbewegungen, die viele noch im Kindergarten fleißig geübt haben, werden heute von Zahnärzten nicht mehr propagiert. «Die ideale Putzbewegung verläuft vertikal von Rot nach Weiß, also vom Zahnfleisch in Richtung Zahn», sagt Matthias Lehr vom Verein für Zahnhygiene in Darmstadt. Dazu setze man die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel an der Stelle an, an der das Zahnfleisch den Zahn überlappt, führe mit den Borsten eine leicht rüttelnde Bewegung durch und wische den Zahn dann nach unten aus.

«Durch das Rütteln werden Bakterien und Speisereste, die sich an der Zahnfleischschwelle gesammelt haben, gelöst und lassen sich leichter aussäubern», sagt der Zahnarzt. Die alte Kreismethode hingegen führe dazu, dass Bakterien vom Zahn immer wieder in die Zahnfleischtaschen geschoben würden, wo sie Entzündungen verursachen könnten. «Auf den Kauflächen putzt man mit der Bürste einfach hin und her, hier ist die Richtung nicht entscheidend.»

Lesen Sie auf Seite 2, worauf man bei den Bürsten achten muss

Elektrische Zahnbürsten führen die Rot-Weiß-Bewegungen automatisch durch. Untalentierte Putzer greifen daher gern auf die vibrierenden Hilfsmittel zurück. «Elektrische Zahnbürsten erzielen heutzutage sehr gute Ergebnisse. Man muss aber auch hier auf ein systematisches Vorgehen achten, so dass man die Bürste an jedem Zahnbogen entlangführt und keine Stelle auslässt», sagt Dietmar Oesterreich. Wenn man die Putztechnik beherrsche, könne man allerdings mit einer manuellen Zahnbürste die gleiche Reinigungswirkung erzielen.

«Viele Leute meinen, die Zähne durch heftiges Schrubben mit viel Druck besonders gründlich zu reinigen. Dabei lassen sich die Bakterienbeläge auf den Zähnen ganz leicht von den Zähnen fegen», sagt Oesterreich. Eine zu rabiate Reinigungsmethode könne hingegen dazu führen, dass der Zahnschmelz und das Zahnfleisch beschädigt würden. Für eine schonende Zahnpflege ist es daher auch wichtig, dass die Zahnbürste nicht zu hart ist. «Ich empfehle immer Bürsten mit weichen Borsten, und der Druck sollte nicht stärker sein als das Gewicht eines Briefes.»

Beim Zahnpastakauf lohnt sich ein genauer Blick auf die Verpackung. «Zahnpasta sollte grundsätzlich Fluorid enthalten, da es die Zahnsubstanz widerstandsfähiger macht», empfiehlt Oesterreich. Zudem rät der Zahnarzt davon ab, regelmäßig sogenannte Weißmacher- oder Zahnsteinzahncremes zu verwenden: «Diese Cremes enthalten einen hohen Anteil an Putzkörpern, die den Zahnschmelz auf Dauer schädigen.«

Um die Zahnzwischenräume zu reinigen, eignen sich für Erwachsene Interdentalbürstchen. «Nur bei Jugendlichen stehen die Zähne noch so eng, dass man mit Zahnseide arbeiten muss. Im Laufe des Lebens zieht sich das Zahnfleisch zurück, so dass man die Zwischenräume gut mit den winzigen Bürstchen erreicht», sagt Oesterreich. Da der Zahn im Wurzelbereich eine eingezogene, konkave Form habe, sei hier die Reinigung mit Bürstchen zudem effektiver.

Lesen Sie auf Seite 3, wie lange man putzen sollte

Wer seine Zahnzwischenräume länger nicht gereinigt hat, muss am Anfang mit Zahnfleischbluten rechnen. «Das Bluten ist ein Zeichen für eine Zahnfleischentzündung, die durch die Bakterienbeläge entstanden ist. Es verschwindet meist nach ein bis zwei Wochen, da das Zahnfleisch dann abheilt», sagt Oesterreich. Auf keinen Fall sollte man sich also durch diese Begleiterscheinung gleich wieder von der Zahnzwischenraumpflege abhalten lassen.

Wie lange man seine Zähne jeweils putzen sollte, lässt sich nicht eindeutig festlegen. «Durchschnittlich geht man von einer Putzdauer von drei Minuten aus. Aber je nach Anzahl und Größe der Zähne kann es auch länger oder kürzer dauern, bis die Zähne richtig sauber sind», sagt Oesterreich.

Laut Matthias Lehr entstehen Putzdefizite oft dadurch, dass Stellen ausgelassen würden. «Hinter den Backenzähnen mangelt es beispielsweise oft an Hygiene.» Er empfiehlt daher, den Putzerfolg ab und zu zu kontrollieren. «Durch spezielle Tabletten, die die Bakterienbeläge auf den Zähnen mit Lebensmittelfarbe rot färben, kann man nach der Reinigung übrig gebliebenes Plaque sichtbar machen», sagt Lehr.

Als krönenden Abschluss für die umfassende Zahnhygiene sollte man auch der Zunge eine Reinigung verpassen. «Zwischen den feinen Unebenheiten auf der Zungenoberfläche können sich ebenfalls Bakterien und Speisereste festsetzen, die von dort an die frisch geputzten Zähne gelangen», sagt Lehr. Mit einem speziellen Zungenschaber kann man diese Rückstände von der Zunge entfernen.

Und um den Erfolg der fleißigen Putzorgien überprüfen zu lassen, sollte man seinem Zahnarzt zwei Mal jährlich einen Besuch abstatten. «Außerdem empfehle ich eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung, bei der harte Beläge entfernt und die Zähne anschließend glatt poliert werden, so dass die Neuansiedelung von Plaque erschwert wird», sagt Lehr.

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