Ein leichter Husten, etwas erhöhte Temperatur oder ein Anflug von Halskratzen: Nicht jedes Wehwehchen muss vom Arzt behandelt werden. Viele Menschen schwören in solchen Fällen auf Heilmittel aus der Küche. Wir zeigen die gängigsten Erfolgsschlager.
Der große Vorteil der Heilmittel aus Kühlschrank und Vorratskammer: Sie sind schnell zur Hand. So finden sich etwa Quark und Zwiebeln in fast jedem Haushalt. «Sie sind einfach, preiswert und in der Regel völlig nebenwirkungsfrei», sagt Helmut Haala, Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren (ZAEN). Richtig angewendet, wirken diese altbekannten Hausmittel als Wickel oder Säfte zuverlässig. Verbessert sich der Zustand dadurch nicht oder verschlechtert er sich gar, sollten Betroffene aber dennoch unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Kalte Auflagen: «Früher hat man bei einer Beule einen Löffel aus der Schublade geholt und drauf gedrückt - schon war sie weg», sagt Franz Dieter Schmidt vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH). Heute leisten sogenannte Coolpacks oder in Stoff geschlagene Eiswürfel ähnliche Dienste. Oft reichen dem FDH-Vizepräsidenten zufolge aber auch schon kalte, feuchte Tücher, um Schwellungen und Stauchungen zu behandeln. Der Stoff sollte bei Wickeln - auch bei warmen - immer aus Leinen sein, damit die Wirkung direkt auf die Haut geht. «Bei Baumwolle bleibt sie im Material hängen.» Zum Abdecken kann ein einfaches Wolltuch verwendet werden.
Bei leichtem Fieber verschafft ein feucht-kalter Lappen auf der Stirn Linderung. Auch kalte Wadenwickel - sofern die Füße warm sind - gelten als Hausmittel bei erhöhter Temperatur. Dafür werden Tücher mit kühlem (Essig-) Wasser getränkt und um Wade und Oberschenkel gelegt, rät die Stiftung Warentest in Berlin. Nach 20 bis 30 Minuten werden sie wieder abgenommen.
Haala weist allerdings daraufhin, dass Mediziner mittlerweile grundsätzlich davon abraten, Wadenwickel bei Fieber zu verwenden. Ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius könnten sie mehr schaden als nutzen. Denn durch das Herunterkühlen müsse sich der Körper noch mehr anstrengen, um seine Kerntemperatur zu erhalten - mit der Folge, dass die Temperatur noch weiter steigt, erläutert der Arzt.
Auch Quark ist ein bewährtes Mittel für kalte Umschläge bei entzündeten Nebenhöhlen oder Gelenken. «Als Eiweißträger zieht er Wärme zum Beispiel aus einem geschwollenen Knie», sagt Haala. Das Milchprodukt kommt direkt auf die Haut und wird gut auf der erkrankten Stelle verteilt. Umwickelt etwa mit Frischhaltefolie bleibt der Quark dort, bis er trocken und krümelig ist. Heilpraktiker Schmidt rät, den Quark vorher zu salzen, um auch Wasser aus dem Gewebe zu ziehen. Stiftung Warentest empfiehlt Quarkumschläge darüber hinaus bei Halsschmerzen.
Warme Umschläge: Die einfachste Variante sind Körnerkissen. «Bei Verspannungen oder Sehnenzerrungen nach dem Joggen wärmt man sie einfach in der Mikrowelle und legt sie auf die schmerzende Stelle», sagt Schmidt. Feucht-warme Tücher dagegen lassen sich bei Erkältungen nutzen, zum Beispiel als Wickel um den schmerzenden Hals.
Bei Mandelentzündungen oder einem Husten helfen warme Kartoffelauflagen: Um den Kartoffelumschlag herzustellen, wird ein halbes Pfund Knollen geschält, gekocht und zu einem heißen Brei gestampft, rät das Naturheilmagazin. Der Brei kommt dick auf ein trockenes Leinentuch und bleibt auf Brust oder Hals, bis er abgekühlt ist. Aber aufpassen: Man kann sich schnell verbrennen.
Heißer Trank: Bei einer Erkältung empfiehlt Haala zur Stärkung der Abwehrkräfte heißen Holundersaft. Außerdem reinigt Zitronensaft «die Schleimstraßen» und dampfende Milch mit Honig beruhigt trockenen Husten. Bei Halsschmerzen haben sich laut Stiftung Warentest Salbei-, Kamillen- und Lindenblütentee als Getränk bewährt, zum Gurgeln bieten sich Salz- oder Zitronenwasser sowie Salbei- und Kamillentee an. Übrigens: Wer bei Erkältung auf Dampfbäder schwört, sollte das Wasser nicht kochend heiß über die Kräuter gießen. Damit Kamille, Heublumen, Salbei oder Thymian bei Kopfdampfbädern richtig wirken, sollte das Wasser eine Temperatur von 50 Grad nicht übersteigen
Kalter Saft: Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken laut Naturheilmagazin.de stark antibakteriell und desinfizierend. Bei Erkältungen ist zum Beispiel die mehrmals tägliche Einnahme von einem Esslöffel Zwiebelsirup hilfreich. Dazu werden zwei große Zwiebeln in dünne Scheiben geschnitten und mit drei Esslöffeln Honig vermischt. Diese Kombination muss 24 Stunden ziehen, mehrfach umgerührt und gekühlt aufbewahrt werden.
Weiterführende Links:
Naturheilkunde: Holunder vertreibt Schniefnasen
Erkältung: Heilpflanzen und Honig sind Hustenkiller
Hausmittelchen: Scharfe Küche gegen den Schnupfen
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