In der Hitze der Nacht
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Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Artikel vom 19.08.2009
Brütende Hitze. Und auch nachts kühlt es nicht richtig ab. Statt sich schwitzend im Bett hin und her zu wälzen und doch keinen Schlaf zu finden, hier zehn einfache Expertentipps, wie auch an den heißesten Sommertagen seliges Schlummern möglich ist.
Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa raubt die Sommerhitze jedem dritten Deutschen den Schlaf. Anfällig sind besonders Frauen. Sind sie auch noch unter 35 Jahre alt, dann gehören sie zu den besonders Gebeutelten. Denn in dieser Altersgruppe klagt gleich jeder Zweite über zu warme Nachttemperaturen.
Der Grund für die hitzige Quälerei ist, dass der Körperkern in der Nacht abgekühlt werden muss, um einen erholsamen Schlaf zu haben. «Das ist ein ganz normaler und notwendiger Prozess», sagt Schlafforscher Professor Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg. Die Wärme wird dann über das Blut und Haut, die als Kühlsystem wirken, abgegeben. «Dazu muss aber die Zimmertemperatur stimmen, sonst funktioniert das nicht», so Zulley. Und die sollte nach individueller Präferenz bei 18 Grad oder darunter liegen. Damit das auch klappt, muss man heiße Nächte gut planen und tagsüber schon vorarbeiten. Und so geht`s:
Im Dunkeln ist gut schlummern
Wer am Tag schon vorsorgt, muss nachts nicht so schwitzen. Am besten zieht man bei sonnigem Wetter den ganzen Tag über die idealerweise schweren dunklen Vorhänge zu, damit das Zimmer schön dunkel bleibt und sich nicht in einen Glutofen verwandelt. Heruntergelassene Jalousien helfen ebenso. Das gilt auch für Räume, die nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. «Auch Licht birgt Wärme», warnt Zulley.
Adamskostüm und dünnes Laken
Abhilfe schafft, wie auch tagsüber, sich zu entblättern. So wird die Bettdecke durch ein dünnes Bettlacken oder eine ganz leichte Decke ersetzt. Und statt dem molligen Pyjama, der im Winter so schön warm hält, fällt die Nachtbekleidung etwas dünner aus. Wer sich jedoch fürs Eva- oder Adamskostüm entscheidet, muss vorsichtig sein, um sich nicht zu erkälten. Auch Schlafen ohne Decke ist nicht empfehlenswert. «Das Einkuscheln in der Decke hat einen psychologischen Effekt auf unser Wohlbefinden im Schlaf», so Zulley. Der Schlafexperte würde übrigens immer zu einem Pyjama raten. Schließlich schwitze man in der Nacht etwa einen halben Liter aus.
Vorsicht Durchzug
Frischluft ist zwar prima und so ein laues Lüftchen macht das Einschlafen angenehmer. Doch weht es wegen weit aufgerissener Fenster oder etwa eines zu stark eingestellten Ventilators durchs Schlafgemach, dann entsteht Zugluft. Dann droht eine Sommererkältung oder ein steifer Nacken. Apropos Ventilatoren: Während die Verbraucherzentrale explizit den Tipp gibt, einen Ventilator neben dem Bett aufzustellen, winkt Hademar Bankhofer, der ehemalige Gesundheitsexperte des ARD-Frühstücksfernsehens, auf seiner eigenen Ratgeberwebseite vehement ab. Denn, so schreibt er: «Dieser ständige Wind macht krank.»
Eiswasser oder heißer Tee
Das Missverständnis, dass eiskalt servierte Getränke, am besten mit Eiswürfeln garniert, die erhoffte Kühlung bringen, sorgt schon tagsüber für klitschnasse T-Shirts. Kalte Getränke regen den Kreislauf an und dann springt die körpereigene Heizung an. Fatal, wenn man eigentlich das Kühlsystem aktivieren wollte. Aber auch heißer Tee kurz vor dem Einschlafen ist nicht ratsam, weil er zum Schwitzen anregt. Am besten sei Mineralwasser mit ein bisschen Apfelsaft bei Zimmertemperatur, rät Zulley. Allgemein gilt: Tagsüber viel, abends wenig und nachts möglichst nichts trinken. «Sonst muss man ständig auf die Toilette und kommt auch nicht zur Ruhe», sagt der Schlafexperte.
Lauwarmduscher
Besonders entspannend wirkt in einer heißen Nacht eine abkühlende Dusche. Allerdings: Wie bei den Getränken heißt lauwarm die Devise. Wer eiskalt duscht, kühlt sich zwar kurzzeitig ab, regt den Kreislauf aber so an, dass er ordentlich nachheizt. Außerdem weckt das eisige Wasser zu sehr auf, um anschließend friedlich zu schlummern. Kleiner Tipp: Nach dem Duschen nachlässig oder gar nicht abtrocknen. Das verdunstende Wasser kühlt ganz prima.
Verschwitzt nochmal
Wer nachts völlig verschwitzt aufwacht, sodass der Pyjama klamm am Rücken klebt, sollte dringend die Klamotten wechseln. Sonst droht am nächsten Morgen ein Schnupfen. Auch fühlt man sich natürlich in trockener Kleidung viel wohler.
Falsch gewickelt
Wer glaubt, sich mit nassen Tüchern um die Waden einen Gefallen zu tun, der ist falsch gewickelt. «Das ist im Winter gut, um warme Füße zu bekommen», sagt Zulley. «Aber die wollen wir im Sommer ja gerade nicht haben. Auch bergen nasse Tücher am Körper eine zusätzliche Erkältungsgefahr. «Davon werden Sie genauso krank wie von Zugluft», warnt Bankhofer.
Leicht schlemmen, gut schlummern
Damit der Körper auch wirklich im Schlaf zur Ruhe kommen kann, sollten die Mahlzeiten, besonders am Abend, ganz leicht und gutverdaulich ausfallen. Also Hände weg von grüner Rohkost wie Salaten und Äpfeln oder einem fettigen Schweinebraten. Aber: «Auch hungrig sollte man nicht ins Bett gehen», rät Zulley. Denn sinkt der Blutzuckerspiegel zu sehr ab, dann macht sich Unruhe breit. Deshalb sind ein kleines Stück Schokolade oder eine Banane erlaubt und sinnvoll, so der Schlafexperte. Alkohol ist als Schlummertrunk übrigens nur in ganz kleinen Maßen geeignet, weil er beruhigt. Aber geht der Absacker über ein Gläschen hinaus, dann muss der Körper eine Nachtschicht einlegen und den Alkohol mühevoll wieder abbauen.
Das eiskalte Deckchen
Ein Tipp, der durch viele Ratgeber geistert, ist Laken, Decke und Kissen vor der Nachtruhe ein Weilchen in die Tiefkühltruhe zu stopfen. «Wenig sinnvoll», sagt Zulley. Denn: Die wärmen sich auch schnell wieder auf. Und in der Zwischenzeit droht im schlimmsten Fall Unterkühlung.
Gib mir Gelassenheit
Der größte Fehler, den hitzegeplagte Schlaflose laut Zulley machen: «Sie ärgern sich.» Und wer sich zu so später Stunde über fehlenden Schlaf aufregt oder grübelt, der wird auch nicht wohlig eingekuschelt den erholsamen Schlaf finden. Stattdessen: Wer sich wälzt, sollte einfach wieder aufstehen und sich die Fotos aus dem letzten Urlaub ansehen oder ein gutes Buch lesen. «Das sollte man in heißen Nächten vorbereiten und einplanen», so Zulley. Denn hat man keinen Plan B, dann fällte einem in der Nacht auch nichts Gescheites mehr ein. Grund: Zur sogenannten psychischen Geisterstunde, zwischen 3 und 4 Uhr morgens - ist die Stimmung hormonell bedingt auf einem Tiefpunkt. Wer das weiß, kann dies gelassener hinnehmen. Beruhigend ist, dass der Mensch im Sommer durch das viele Licht etwa eine Stunde weniger Schlaf braucht. Wer also nicht so schnell einschlafen kann, der soll sich nicht ärgern. Es geht auch mit weniger.
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