Die scharfe Sünde
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 15.08.2009
Wer Currywurst einmal gegessen hat, kommt nicht mehr davon weg. Behaupten jedenfalls Liebhaber des Pappschalen-Snacks. Der Genuss bleibt jedoch nicht ohne Folgen für die Figur. Egal, sagt Currywurst-Fan Marc Reisner, ab und zu darf man ruhig mal zubeißen.
Ein Leben ohne Currywurst? Das kann sich Marc Reisner nicht vorstellen. Für den Journalisten und Buchautor gehört das gelegentliche Schlemmen der Melange aus Tomatensoße, Curry und Wurst einfach dazu. «Wer nicht ab und zu Lust auf den deftigen Snack und ein Bier dazu bekommt, der ist entweder verbissener Vegetarier oder er hat keine Ahnung, was wirklich gut ist», lautet das Credo des gebürtigen Berliners, der abwechselnd in Lüneburg und Zürich lebt.
Reisner, der gerade ein ganzes Buch über die Currywurst geschrieben hat, ist nicht der einzige Fan der süßlich-scharfen Leckerei. Auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder befällt «manchmal der Heißhunger auf Currywurst», wie er einmal bekannte. Und die Berliner verschlingen Jahr für Jahr mehr als 20 Stück pro Kopf. Rund 70 Millionen Currywürste gehen in der Hauptstadt, wo die Currywurst 1949 geboren wurde, jährlich über die mehr als 200 Imbisstresen. In ganz Deutschland sinkt der Schnitt aufgrund regionaler Verweigerungshaltung vor allem im Süden auf etwa zehn Würste pro Kopf, insgesamt sind das aber immer noch beachtliche 800 Millionen.
Und das, obwohl auf jeder Currywurst-Pappschale eigentlich ein Warnhinweis gedruckt sein müsste: «Der Verzehr dieser Speise gefährdet Ihre Gesundheit». Warum es dennoch so viele regelmäßig an die Wurstbuden zieht? Forscher der Universität von Princeton liefern einen Erklärungsversuch: Sie haben Labormäuse erst mit Fast Food gemästet und dann auf normale Kost umgestellt. Auf den Entzug des im Futter enthaltenen Zuckers reagierten sie wie auf Drogenentzug. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass der hohe Fettanteil im Gehirn die Ausschüttung von Glückshormonen anregte. «Wer einmal Currywurst gegessen hat, kommt nicht mehr davon weg», bestätigt Reisner.
Was steckt denn nun drin in der Currywurst? «Schweine- und Rindfleisch sowie ein Gewürzmischung, die unter anderem Kümmel, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Koriander und Muskatblüte enthält», zählt Reisner auf. Die Wurst wird in reichlich Öl (etwa Erdnuss- oder Kokosöl) zehn Minuten in der Pfanne gebraten und dabei immer wieder umgedreht. Fertig ist sie, «wenn sie schön braun und leicht aufgeplatzt ist».
Um die Soße machen die Currywurst-Köche ein großes Geheimnis. Mal ist Koriander drin, mal Paprika, mal Essig. Mal werden eingekochte Tomaten, mal Tomatenmark oder ordinärer Ketchup dazu gegeben. Einige Köche schwören gar auf Cola, auf Ananas- oder Mangosaft, wie Reisner während seiner Buchrecherchen erfahren hat. Auf jeden Fall dabei ist aber die Worcestershire-Soße, die wiederum unter anderem Wein, Sardellen, Champignonextrakt, Zitrone und Chili enthält. Und schließlich wird auf Wurst und Soße eine Prise gelbes Currypulver gestäubt. Hauptbestandteil des Pulvers ist Kurkuma, auch Gelbwurz genannt. Ursprünglich ist dies eine Heilpflanze, die sich wohltuend auf Galle und Magen auswirkt.
Das Kurkuma kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Currywurst eine kleine Ernährungssünde ist. Reisner beißt dennoch herzhaft zu und kann der Wurst viel Positives abgewinnen. Zum Beispiel die enthaltenen Mineralstoffe. Sie sorgen dafür, dass der Stoffwechsel in Schwung bleibt. Außerdem findet sich Eisen in der Wurst, das für den Sauerstofftransport im Körper bedeutend ist.
In den meisten Würsten steckt jedoch auch Nitrit. Das geht beim Erhitzen Verbindungen mit dem fleischlichen Eiweiß ein, wobei Nitrosamine entstehen, die als stark krebserregend gelten. Aber schon in kalten Würsten, besonders bei gepökelten Stücken, findet sich der Stoff. Und das aus guten Grund: Nitrit tötet nämlich die gefährlichen Botulismus-Bakterien ab, die sich in verdorbenem Fleisch bilden und den menschlichen Organismus vergiften. Der Einsatz von Nitrit bei der Herstellung der Wurst ist daher von Amts wegen vorgeschrieben. «Das klingt nach Teufel mit dem Beelzebub austreiben», scherzt Reisner. Sein Rat: Zu jedem Stück Wurst drei Tomaten essen. Das enthaltene Lycopin – ein natürlicher roter Farbstoff – verhindert, dass sich das Pökelsalz im Körper in krebserregende Stoffe umwandelt.
Ein anderer Problembereich ist das Fett: Eine Portion Currywurst schlägt mit rund 50 Gramm Fett und etwa 500 Kilokalorien zu Buche. Das ist deutlich mehr als die Hälfte des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tagesbedarfs von 60 bis 80 Gramm.
Damit nicht genug: Das in der Wurst oft besonders reichhaltig vorhandene Phosphat entzieht dem Körper Kalzium. «Ein übermäßiger Verzehr von Wurst und Fleisch kann den Knochenbau angreifen, das Osteoporose-Risiko steigt», erklärt Reisner.
Immerhin können sich Currywurst-Fans dank des Kurkuma schlau essen. Es verhindert nämlich, dass sich Eiweißklumpen im Gehirn bilden, haben Forscher aus Singapur festgestellt. Solche Plaques verursachen langfristig Alzheimer und ähnliche Krankheiten. Bereits ein Currygericht in einem Zeitabstand von einem halben Jahr bewirkt solche positiven Veränderungen, so die Forscher.
Und dann ist da noch die Mukoviszidose, eine Erbkrankheit. Dabei verdicken sich körpereigene Sekrete, die dadurch nicht abfließen können und zu Entzündungen führen. Forscher der Yale-Universität haben in Tierversuchen viele Symptome dieser Stoffwechselkrankheit einfach verschwinden lassen – mit Kurkuma-Wirkstoffen.
Reisners Currywurst-Leidenschaft liegt in der Schärfe der Speise begründet. «Ich bin wild auf scharfes Essen, weil es schlicht glücklich macht», sagt der Autor. Im Körper werden Endorphine, auch bekannt als Glückshormone, ausgeschüttet. «Man fühlt sich nach dem Genuss einer Currywurst dösig und entspannt», wirbt Reisner für den herzhaften Imbiss.
Lesehinweis: Marc Reisner: Currywurst - alles, was man wissen muss. Norderstedt 2009, 152 Seiten, 19,90 Euro.
kat/news.de
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Anmerkung zu Nr. 1 Lieber Ali, aus Ihrem Namen und der Angabe, dass Sie eine Bratwurst heimlich gegessen haben, schließe ich, dass Sie Moslem sind. Stimmt's? Warum ist den Moslems (und auch den Juden) der Verzehr von Schweinefleisch aus religiösen Gründen verboten? Viele Moslems wissen den tätsächlichen, historischen Grund gar nicht. Es ist jedoch ganz einfach: Schweinefleisch hat die dumme Eigenschaft, bei höheren Temperaturen und unter der Einwirkung der Botulinus-Bakterien sehr schnell zu verderben, dabei wird ein sehr starkes, oft sogar tödliches Gift produziert - das so genannte Leichengift. Hätten Moses und auch Mohammed damals schon einen Kühlschrank gehabt, dann gäbe es dieses Verbot wahrscheinlich nicht. Ich kenne eine ganze Reihe von Moslems, die sich nicht 100%ig an dieses Verbot halten. Ich denke aber, das muß jeder mit sich und seinem Gott ausmachen. Weiterhin guten Appetit!
jetzt antwortenKommentar meldenich war in den 70er jahren in NRW. ich hatte immer heimlicn curry ynd bratwurst gegessen. 1998 war ich mal geschaeftlich in der BRD und habe in köln vor dem dom von einer Pommesbude 3-4 portion wurst gegessenn. den geschmack kann man wirklich nicht vergessen.
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