Deutsche überschätzen die Früherkennung
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 12.08.2009Je eher ein Brust- oder Prostatakrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen, heißt es. Doch Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts warnen vor überzogenen Hoffnungen und fordern stattdessen bessere Aufklärung.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 436.000 Menschen neu an Krebs, etwa 211.000 sterben jährlich daran. An Krebs werden schon bald mehr Menschen sterben als an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Auf diese Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Politik kürzlich reagiert: Mit mehr Früherkennungs-Untersuchungen und qualitätsgesicherter Therapie sollen Ärzte ihre Patienten in Deutschland in Zukunft besser helfen können.
Das ist jedenfalls der Willen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die dies Vorhaben Ende Juni bei der Nationalen Krebskonferenz ankündigte. Schmidt zufolge sollen die Screening-Programme ausgeweitet werden. Das heißt, noch mehr Mammographie-Untersuchungen, um Krebszellen in der weiblichen Brust möglichst frühzeitig zu erkennen. Und noch mehr PSA-Tests, die Prostatakrebs ausfindig machen sollen.
Doch nicht alle Ärzte sind von dem Nutzen der Screening-Programme überzeugt. Die Deutschen setzen zu übertriebene Erwartungen in die Untersuchungen zur Früherkennung von Brust- und Prostatakrebs, teilen jetzt Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Berlin mit. Die Zahlen liefern sie gleich mit: Neun von zehn Deutschen überschätzen den Nutzen von Mammographie und PSA-Test, wie eine aktuelle Studie vom privat finanzierten Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) zeigt.
Für die Studie hat das Harding-Zentrum gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rund 10.000 Menschen in neun Ländern, darunter 2000 Deutsche, zu ihrem Wissen über den Nutzen von Krebs-Früherkennung befragen lassen. Die Interviewer stellten zum Beispiel die Frage, wie viele von 1000 Frauen weniger an Brustkrebs sterben, wenn sie an einem Screening teilnehmen.
Demnach erwiesen sich die Europäer als mangelhaft informierte Optimisten in Sachen Früherkennung. Allen voran die Deutschen. Fast 14 Prozent der befragten Frauen waren der Meinung, dass die Mammograhpie dazu führe, dass rund 200 Frauen weniger an Brustkrebs sterben. Weniger als ein Prozent der Interviewten glaubte, dass nur eine Frau weniger stirbt.
Dieses Ergebnis hat Studienleiter Gerd Gigerenzer, Professor für Psychologie, alarmiert. Denn nach seinen Quellen, zu denen zum Beispiel eine große Mammografie-Untersuchung aus dem Jahr 2006 zählt, sterben ohne Screening 5 von 1000 Frauen über 50 Jahren an Brustkrebs. Mit Screening - mit 10 Untersuchungen in 10 Jahren - sterben aber immer noch 4 von 1000 Frauen an Brust-Tumoren. Somit profitiert nach Gigerenzers Aussage nur eine von 1000 Frauen von der Vorsorge.
Diese Zahl werde in Deutschland weder von Ärzten noch von Medien ausreichend vermittelt, kritisiert der Wissenschaftler. Oft sei von 20-Prozent-Raten die Rede, die vom Screening profitierten. Daraus folgerten Frauen dann fälschlicherweise, dass 200 von 1000 Frauen das Screening nutze. Ohne korrekte Informationen könne es keine mündige Patienten geben. «Wir sind weit weg von einer Gesellschaft, die auf Risiken intelligent reagiert», folgert Gigerenzer. Fraglich sei zum Beispiel, wie sinnvoll es bei knappen Gesundheitsbudgets ist, ein teures Screening mit «kleinem Nutzen» aufrecht zu erhalten. Im Jahr 2008 lagen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Früherkennungs-Untersuchungen bei 1,21 Milliarden Euro. In Zukunft werden sie vermutlich deutlich höher liegen.
Ähnlich schlecht informiert sind auch Männer über den PSA-Test. Die Untersuchungsmethode sucht nach dem sogenannten Prostata-spezifischen Antigen und könnte ein Karzinom im Frühstadium aufspüren - sehr zuverlässig ist sie allerdings nicht. Ein erhöhter PSA-Wert liefert lediglich einen Verdacht. Dennoch versprechen sich der aktuellen Analyse zufolge 89 Prozent aller Männer zu viel vom PSA-Test im Hinblick auf die Reduktion des Risikos einer tödlich verlaufenden Prostatakrebserkrankung - oder bekennen ihr Unwissen zu diesem Thema.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die meisten Befragten informieren sich anhand von Broschüren von Gesundheitsorganisationen. Gut aufgeklärt sind sie deswegen noch lange nicht. Denn viele Broschüren informieren laut Gigerenzter verwirrend und häufig würden relative Risiken dargestellt, nicht aber die absoluten Zahlen.
Gigerenzer glaubt, dass auch Ärzte und Apotheker oft nicht in der Lage sind, besser aufzuklären. «Wenn wir mündige Patienten und kein paternalistisches Gesundheitswesen wollen, dann müssen wir genau hier ansetzen», fordert der Psychologe. «Wir müssen die Menschen umfassend und präzise informieren und sie so in die Lage versetzen, notwendige Entscheidungen kompetent zu treffen.»
Die Deutsche Krebsgesellschaft hält das Urteil über die Screening-Programme für verfrüht. Die Datenbasis der großen Mammografie-Studie von 2006 ist unter Wissenschaftlern umstritten, sagt Gynäkologe und Vorstandsmitglied Matthias Beckmann. Ob und wie die Brustkrebs-Sterblichkeit durch ein Screening gesenkt werde, könne sich erst nach 10 bis 15 Jahren zeigen. Entscheidend sei dann auch, wie viel Prozent aller Frauen in einem Land daran teilgenommen hätten.
In Deutschland gibt es das Mammografie-Screening erst seit Jahresbeginn 2009 flächendeckend für gesetzlich versicherte Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die alle zwei Jahren schriftlich eingeladen und dann mit Röntgenstrahlen auf Brustkrebs untersucht werden. So überrascht es Beckmann nicht, dass sie über Nutzen und Risiken - zum Beispiel falsch-positive Befunde - noch nicht umfassend informiert sind.
Für Beckmann gibt es bei Brustkrebs, der häufigsten Tumorart bei Frauen in Deutschland mit rund 17.000 Todesfällen pro Jahr, eine andere wichtige absolute Zahl. «Eine von zehn Frauen bis 75 Jahre erkrankt an Brustkrebs», berichtet er. Für ihn sei das Screening derzeit die einzige Möglichkeit, Frühformen der Krankheit zu entdecken und dadurch bessere Heilungschancen zu erreichen.
Beim Nutzen vom PSA-Bluttest als Vorsorge gegen Prostatakrebs bei Männern liegen Gigerenzer und die Krebsgesellschaft dagegen nicht so weit auseinander. Ökonomisch sei ein flächendeckendes Screening bei Männern wegen der geringen Effekte auf die Todesraten nicht zu rechtfertigen, entschied die Krebsgesellschaft bereits im März.
Die Studie über das Wissen der EU-Bevölkerung beim Thema Krebsvorsorge soll Anfang September im Journal of the National Cancer Institute erscheinen.
Weiterführende Links:
Brustkrebsvorsorge: Mit den Pfunden steigt die Scheu
Studie: Fettes Essen begünstigt Brustkrebs
Prostatakrebs: Vom Sinn und Unsinn des PSA-Tests
Früherkennung: Vorsorge kann Leben retten
Früherkennungs-Fahrplan: Diese Untersuchungen sollten Sie nicht verpassen
Sehr geehrte Damen u. Herren, sollten Sie an der "Alternative" zum Mammographie- Screening interessiert sein,stehe ich Ihnen gerne zu Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Friedel Brück Telef. 0234/3338451 mobil: 0175 472 88 16
jetzt antwortenKommentar meldenDen Ärzten sind doch die Hände gebunden, schon lange bestimmen die Krankenkassen was ein Arzt verordnen darf. Pro Patient bekommt ein praktischer Arzt noch nicht mal 32,00€ pro Quartal, was soll er da noch groß verschreiben???? Die Fachärzte bekommen noch viel weniger. Die Untersuchung beim Frauenarzt ist als Kassenpatient ein Witz, da wundert es mich nicht, das Frauen Brustkrebs bekommen.Ich war 15 Jahre Privatpatientin, jetzt Kasse,es ist schockierend der Unterschied.Die Kassen zahlen lieber Amputationen und KH als statt genügend Geld in die Vorsorge zu stecken!!!
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist leider eine Tatsache, daß in der heutigen Zeit immer mehr Untersuchungstests nicht nur in der Krebsvorsorge eingesetzt werden, deren Nutzen sehr fragwürdig ist, den größten Nutzen daraus haben die Pharmaunternehmen. Unsere Ärzte sind derart Maschinen und Testabhängig geworden und sind kaum noch in der Lage ohne diese Hilfsmittel korrekte Diagnosen zu stellen so wie es der leider ausgestorbene Hausarzt konnte. Dieser stellte seine Diagnosen durch genaues Ansehen, Befragen, Untersuchen des Patienten und seine Erfahrung und stellte die richtige Diagnose ohne teure Maschinen.
jetzt antwortenKommentar meldenEs gibt schon lange keine Ärzte mehr an der Gesundheit des Menschen interessiert sind. Die werden einen Teufel teufel tun und ihre Geldesel zu vergraulen/verhindern. 150000 Deutsche sterben im Krankenhaus jedes Jahr auch durch infektionen im KrkHs. Mehr als auf Deutschlands Straßen, durch Alkohol oder Drogen. Da will uns doch wirklich keiner erzählen, dass Vorsorgeuntersuchungen das einzig heilende Moment ist. Vorbeugen ist Gut, Kontrolle ist besser. Mfg b GR-von Zeysing
jetzt antwortenKommentar meldendie besten geschäfte lassen sich durch verbreitung von angst und schrecken erreichen. das weiß auch ulla schmidt, deshalb werden solche untersuchungen vorangetrieben. LEUTE HALTET EUCH FEST ! wenn ärzte regional (ausgenommen unfallärzte)streiken sind in dieser zeit 50% weniger tote zu beklagen!!! wird die arbeit wieder aufgenommen,steigen die toten um 50% wieder an. das ist WELTWEIT so .... also VORSICHT mit über- triebenen untersuchungen !!!
jetzt antwortenKommentar meldenÄrzte sind für die meisten Menschen immer noch Halbgötter in weiss, und diese wollen auch als solche gesehen werden. Der Patient ist unwissend, ausserdem verwirrt ihn zuviel Information nur. Das ist immer noch die überwiegende Meinung von niedergelassenen Ärzten. Kaum einer behandelt Patienten als mündig. Man bekommt ein Rezept in die Hand gedückt - und ab damit. Ärzte werden wohl so schlecht bezahlt, dass sie keine Zeit haben, den patienten auch nur ansatzweise aufzuklären. die Broschüren, die man in die Hand bekommt, sind in den allermeisten Fällen Flyer von Arneimittelkonzernen über ihre Pr
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