Von Bettina Levecke
Schüchterne Kinder haben es schwer. Durch ihr leises Auftreten gehen sie im Kindergarten oder in der Schule schnell unter. Sie leiden unter ihrer Unsicherheit und Versagensängsten. News.de gibt Tipps, wie Eltern sie aus dem Schneckenhaus locken können.
Bei manchen Kindern geht nichts ohne Mama und Papa. Im Kindergarten gibt es Geschrei, sobald die Mutter gehen will, beim Sportkurs muss der Vater die ganze Zeit zusehen. Und ist das Kind größer, fragen sich Eltern besorgt, warum es keine Freunde hat, mit denen es sich zum Spielen verabredet.
Doch Eltern sollten sich besser zurückhalten. Warum Kinder sich nicht verabreden, kann viele Gründe haben: «Manche Kinder sind sich selbst genug», erklärt Jan-Uwe Rogge, Erziehungsexperte aus Bargteheide bei Hamburg.
«Solange das Kind einen zufriedenen Eindruck macht und nicht den Wunsch nach Spielfreunden äußert, sollten Eltern sich keine Sorgen machen.» Denn in der Angst, ihr Kind könne zum Einzelgänger werden, träfen viele Eltern in Eigenregie Verabredungen: «Wenn Mama und Papa aber ständig potenzielle Freunde anschleppen, kann sich das Kind überfordert fühlen», warnt Rogge.
«Wichtig ist, die Bedürfnisse des Kindes richtig einzuschätzen», rät auch Andreas Engel, Diplom-Psychologe bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Mädchen und Jungen, die sich schon im Kindergarten ausgetobt haben, wollen am Nachmittag vielleicht einfach ihre Ruhe haben oder Zeit mit den Eltern und Geschwistern verbringen.
Von zentraler Bedeutung ist laut Engel die Frage: «Kann das Kind überhaupt freundschaftliche Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen?» Wenn Kinder im Kindergarten oder in der Schule nicht in die Gemeinschaft eingebunden sind und als Außenseiter gelten, sollten Eltern genau hinschauen: «Überlegen Sie, was Ihr Kind von anderen unterscheidet», rät Engel.
Manche Kinder sind schüchterne und stille Beobachter, andere wiederum große Rabauken, die ständig den Bestimmer spielen wollen: «Beides kann den Kontakt zu Gleichaltrigen erschweren», erklärt Rogge. Seine Empfehlung: «Reden Sie mit Ihrem Kind!» Um Veränderungen zu bewirken, sei es wichtig, dass das Kind selbst die Gründe für sein Alleinsein erkennt. «Was meinst du, warum keiner anruft?», sei eine wichtige Frage.
Karin Hauffe rät Eltern, Vorbild zu spielen. «Kinder sind immer ein Spiegel der Eltern», erklärt die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus Bremen. Besonders nach traumatischen Situationen wie einer Trennung leiden Kinder unter einem angekratzten Selbstwertgefühl: «Und strahlen das dann natürlich auch aus.» Hier helfe nur viel Rücksicht und Zeit, fügt Rogge hinzu: «Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck.»
Damit Kinder bei Gleichaltrigen nicht nur bestehen, sondern von ihnen auch gemocht werden, müssen sie bestimmte soziale Fähigkeiten mitbringen: «Hier können Eltern viel dazu beitragen, dass Ihre Kinder fit für Freunde sind», sagt Hauffe. Aufeinander Rücksicht nehmen, teilen können, Konflikte fair lösen, einander zuhören und Geheimnisse wahren: «Diese sozialen Fähigkeiten sind das Handwerkszeug für Freundschaften.»
Wenn Mama und Papa dem Sprössling aber jeden Wunsch von den Augen ablesen und beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel freiwillig verlieren, nur damit es keinen Knatsch gibt, müssen sie sich nicht wundern, wenn der Nachwuchs gegenüber Gleichaltrigen Star-Allüren zeigt: «Kleine Egoisten haben es immer schwerer», sagt Hauffe.
Man könne Kinder nicht zwingen, alleine etwas zu machen, aber man könne sie ermutigen. Eltern sollten ihrem Kind nicht alles abnehmen, nur um es nicht in Stress zu versetzen. In harmlosen Alltagssituationen kann sich der Nachwuchs erproben. Beim Bäcker die Bestellung abgeben oder auf dem Spielplatz einem fremden Kind einen Keks anbieten. Hauffes Rat: «Je öfter schüchterne Kinder über ihren Schatten springen können, desto mehr Mut bekommen sie.»
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