Männerfreundschaften Ohne Worte vertraut

Frauen beäugen Männerfreundschaften gerne etwas skeptisch, weil ihnen ziemlich schleierhaft ist, wie sie funktionieren. Männer sitzen vor dem Fernseher, schauen Fußball und trinken Bier. Aber reden sie auch miteinander?

Wir sind Showbiz-Freunde, wir sind keine wirklichen Freunde, sagen Brad Pitt und George Clooney. (Foto)
Wir sind Showbiz-Freunde, wir sind keine wirklichen Freunde, sagen Brad Pitt und George Clooney. Bild: dpa

Männerfreundschaften gelten als etwas ganz Besonderes – und sind für viele Frauen ein Mysterium. Warum? Wahrscheinlich weil es keine andere Beziehung aushalten würde, wenn man nur einmal im Jahr miteinander redet. Denn weil Männer Freundschaften bevorzugen, die anspruchsvoll sind, aber keine Ansprüche stellen, geht Mann gerne getrennte Wege, um den alten Freund alljährlich einmal zum Bier zu treffen.

Mit dem Telefon, mit dem Frauen gerne solche lange Trennungsperioden überbrücken, hat der Mann wenig im Sinn. Es mag zwar angeblich von ihm erfunden worden sein, aber sicherlich nicht für ihn. Echte Männerfreunde brauchen wenig Worte, konzentrieren sich beim ersten Anruf seit Jahren statt der weichen weiblichen eher auf die männlich-harten Fakten: «Bin in der Stadt, habe nur heute Abend Zeit. Wo treffen wir uns? Bis später.»

Männerfreundschaften: Auch Promis brauchen wahre Kumpel

Was danach passiert, verrät uns eine Studie des Instituts für Rationelle Psychologie in München: Die Zeit, die gute Kumpels gemeinsam verbringen, wird demnach zu 54 Prozent gemeinsamen Unternehmungen gewidmet, zu 24 Prozent Gesprächen über Arbeit, Karriere und Politik und nur zu 19 Prozent dem Austausch über sich selbst.

Das war schon bei Asterix und Obelix so, das haben Winnetou und Old Shatterhand nicht anders gemacht, und selbst bei modernen Männerfreunden nach dem Typus Schröder/Putin, Pitt/Clooney und Poldi/Schweini ist der Austausch von Persönlichem («Mein Haus, mein Auto, mein Boot») weniger als Gespräch als vielmehr als archaisches Imponiergehabe zu verstehen.

Eine Ausnahme bilden Dieter Bohlen und Thomas Anders, die sich bekanntlich oft gezofft und auf immer und ewig verkracht haben. Oder Ernie und Bert, die die männliche Kunst des gemeinsamen Schweigens in der Sesamstraße nur selten demonstrieren. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Das klingt, als würden Männer untereinander nur oberflächlichen Smalltalk absondern. Aber da liegt ein Irrtum vor, meint Volker Hepp, der in Inning am Ammersee als Coach für Männer arbeitet. Die Gespräche zwischen Männern könnten sehr wohl sehr persönlich und intim sein - genauso wie Beziehungsgespräche unter Frauen nicht immer Tiefgang hätten. Voraussetzung sei allerdings, dass gegenseitiges Vertrauen und Verschwiegenheit vorherrschen. Nähe und Vertrautheit könnten dabei sehr individuell erlebt werden, erklärt Hepp. Etwa beim gemeinsamen Werkeln am Auto. Oder beim gemeinsamen Treckingurlaub.

Dass die Angst, für schwul gehalten zu werden, Männer davon abhalte, zu Freunden zu große Nähe und zu innige Gefühle zu entwickeln, hält Hepp für nicht ganz abwegig. Doch seien tiefe Männerfreundschaften ohnehin äußerst selten. Männer neigten eher dazu, mehrere lockere Bündnisse zu schließen, und stünden «side by side», während Frauen «face to face» bevorzugten und in Freundschaften schneller intim würden. Eine Freundschaft sei eine Kumpelbeziehung allerdings nur dann, wenn die Beteiligten damit rechnen können, in Notlagen und persönlichen Krisen Rat und Beistand zu bekommen, sagt Hepp.

Laut der Münchner Studie rechnen nur wenige damit: Nur 14 Prozent der befragten Männer gaben an, einen Freund zu besitzen, auf den sie sich wirklich verlassen können. Frauen dagegen scheinen sich ein Leben lang ununterbrochen zu befreunden, zu entfreunden und neu zu befreunden. Aber: «Wenn es bei Frauen einmal kracht, dann oft dauerhaft», sagt Hepp.

Die Aggressionen, die sich dagegen in Kumpelbeziehungen aufbauen, seien in der Regel nur von kurzer Dauer. «Denn nachtragend sind echte Männerfreunde nicht», ist Hepp überzeugt.

Kein Wunder: In den zwölf Monaten bis zum nächsten Treffen bleibt reichlich Zeit, den Ärger wieder abzubauen. Selbst zukünftige Männer wollen angesichts solcher Vorteile nicht auf echte Freunde warten, weiß die Fachzeitschrift für Männerfreundschaften Men’s Health: Zwei von drei kleinen Jungen erfinden sich deshalb ihren imaginären besten Freund einfach selbst. Kein Problem: Man will ja ohnehin nicht mit ihm reden.

 

Weiterführende Links: Videoblog: Ein kompliziertes Beziehungsgeflecht Männermodetrends: Feminin und versnobt intellektuell Sex-Appeal: Wann ist ein Mann ein attraktiver Mann? Machos haben ausgedient: «In jedem Mann steckt eine Memme» Promi-Freundschaften: In guten wie in schlechten ZeitenUmfrage: Mann und Frau können Freunde sein

kat/news.de

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 8
  • 18.08.2009 22:17

Liebe ist eine zeitweise Erkrankung des Gehirns. Das was man allgemein Liebe nennt, ist nichts weiter als auf jemanden Geil sein...eben auch körperlich. Aber auch das legt sich nach spätestens 4 Jahren, weil man die Ferromone des anderen nicht mehr wahrnimmt. Das ist im Übrigen Wissenschaftlich. Was danach eintritt...sofern sich beide immer noch gut verstehen und mögen...ist eine tiefe Zuneigung und Wertschätzung. Ich nehme an, das hast Du von Anfang an vermisst. Sorry, aber seitdem ich die Menschen kenne, kommt bei mir das Wort Liebe nicht mehr über die Lippen. Wenn ich mich erinnere, habe ich so etwas wie Liebe zuletzt für meinen Kater und die Katze empfunden. Tiere können sowas auch tatsächlich zurückgeben... und ohne Berechnung ! Und ich muss dafür auch keine "Frauenbücher" lesen um das zu fühlen. Ich bin mir auch nicht sicher ob du überhaupt verstanden hast was ich dir mit Kommentar 6 übermitteln wollte. Poppen war nur das Vehikel. Es geht um das was du Liebe nennst. Hat das ganze vielleicht auch etwas mit deinem alter zu tun ?

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  • Kommentar 7
  • 18.08.2009 14:17

Vom Poppen war eben nicht die Rede bei mir - sondern vom Lieben - lies' Barry Long, dann weißt Du, wovon ich spreche. Grüße

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  • Kommentar 6
  • 18.08.2009 13:59

Das tut mir echt leid für dich. Die von Dir genannten "Rammler" habe ich auch immer verachtet. Ich kann Dir aber auch jede Menge Gegenbeispiele aufzählen. Ich nehme nur mal eins. Ein guter Bekannter von mir, wirklich sehr gut aussehend,(Gas u. Wasserinstallateur-Geselle) war unsterblich verliebt in eine Frau. Er hat sie auf Händen getragen. Nach fast 2 Jahren verliess sie ihn und zog zu ihrem kleinen, dicken, viel älteren Zahnarzt mit Villa und Ferrari. Könnte wie geschrieben noch zig ähnliche Beispiele aus meinem Bekanntenkreis der letzten 20 Jahre aufzählen. Um es mit Mario Barth zu sagen: Männer sind Schweine...Frauen aber auch. Und was mir an Frauen auch noch aufgefallen ist... Sie legen sich schnell auf die Matratze wenn ihnen Männer Typ George Clooney, Brad Pitt oder Jackman an die Wäsche gehen. Ich höre sie heute noch aufstöhnen..."Oh sieht der geil aus...was für ein Mann" !! Da müssen sich Frauen nicht beschweren wenn sie von solcher Sorte Männer nur "benutzt" werden. Und ich sage es nochmal ganz knallhart: Frauen wollen reden...Männer wollen Poppen. (und das eben viel häufiger als Frauen) Ausnahmen bestätigen die Regel.

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