Von news.de-Redakteurin Mara Schneider - 01.08.2009, 10.30 Uhr

Achtung, Überbelastung: So verhalten Sie sich bei Knochenhautentzündung

Ob überreizte Sehnen oder durch Ermüdung angeknackste Knochen: Die Ursachen für eine Knochenhautentzündung sind vielfältig. News.de erklärt, wie man den äußerst schmerzhaften Überlastungsschäden vorbeugen kann.

Auch Fußballspieler sind vor einer Knochenhautenzündung nicht gefeit. Bild: Istockphoto

Der Schmerz kam schleichend. Am Anfang taten Maria Schreiber (Name von der Redaktion geändert) nach dem Fußball ab und zu die Schienbeine weh. So ein bisschen wie Muskelkater fühlte sich das an. Nach ein paar Stunden war zunächst alles wieder in Ordnung. Doch von Spiel zu Spiel, mit jeder Trainingseinheit, nahm der Schmerz zu. Er wurde heftiger und dauerte immer länger an. Irgendwann wurde jeder Schritt zur Qual. Maria Schreiber musste das Training abbrechen, weil sie kaum noch laufen konnte. In die Hocke gehen oder Treppensteigen – fast undenkbar.

Ein Besuch beim Sportmediziner ergab die Diagnose: Knochenhautentzündung. Hervorgerufen durch eine extreme Überbelastung. Die 28-Jährige bekam eine Salbe verschrieben, wurde zur Massage geschickt und bekam den Rat: Schonen Sie sich. Schrauben Sie Ihr Belastungsniveau herunter. Dennoch dauerte es beinahe zwei Monate, bis die Schienbeine schmerzfrei waren.

«Die Knochenhautentzündung spielt eine große Rolle in der Sportorthopädie», sagt Hans-Joachim Siebert. Dabei sei der Name allerdings irreführend, denn in erster Linie sind die Knochen selbst oder anliegende Sehnen betroffen, erklärt der Hamburger Facharzt für Sportmedizin und Orthopädie. In beiden Fällen handelt es sich um eine Überbelastung. Je nach Art der Schädigung spricht man von einer Stressfraktur, sogenannten Ermüdungsbrüchen, oder von einer Überbelastung der Sehnen wie es beispielsweise beim Tennisarm der Fall ist.

Bei der Stressfraktur ist der gesamte Bewegungsapparat überlastet. Ähnlich wie bei einem Draht, den man unermüdlich immer wieder hin und her biegt, bricht auch der Knochen irgendwann. Der Schmerz tritt meist nach der Belastung auf. Dann hilft Kühlen, das hemmt die Entzündung und fördert die Durchblutung. «So kann der Knochen schneller heilen», erklärt Siebert. Ermüdungsbrüche lassen sich nur durch eine Kernspintomografie diagnostizieren. Anschließend ist Ruhigstellen angesagt, damit die betroffenen Stellen nicht weiter belastet werden.

Komplizierter wird es, wenn nicht der Knochen selbst, sondern die Sehnen angegriffen sind. Vor allem die Sehnenansätze an den Knochen sind einer starken Belastung ausgesetzt. Das Gewebe ist schlecht durchblutet, weil es regelmäßig hohe Lasten tragen muss. Dadurch wird es bei Überbelastung schnell anfällig für Entzündungen. Diese Entzündung überträgt sich auch auf die Haut, die die Knochen bedeckt. Der Schmerz tritt eher punktuell und während der Belastung auf.

«Der Körper schüttet verstärkt Schmerzenzyme aus, damit man sich schont», erklärt Siebert. «In Ruhe spürt man meistens nichts.» Ob die Sehnen tatsächlich entzündet sind, erkannt man im Ultraschall. Wer länger als eine Woche Schmerzen hat, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, rät der Sportmediziner. Dieser kann Salbenverbände, Massagen oder Cortisonspritzen verschreiben.

Wie anfällig jemand ist, bestimmen vor allem die Gene. «Je älter wir werden, desto mehr nimmt die Durchblutung der Sehnen ab, weil sich das Gewebe verändert. Es kann sich dann nicht mehr so schnell regenerieren.» Und wie gut das Bindegewebe generell funktioniere, sei genetisch bedingt. «Irgendwann macht der Körper dicht», sagt Siebert. Auch, wer jahrelang Sport auf einem gleichbleibend hohen Niveau betreibt, kann betroffen sein.

Bei wem eine solche Überbelastung diagnostiziert wurde, sollte die jeweilige Belastung so lange vermeiden, bis der Schmerz weg ist. Statt zu joggen also lieber mal Radfahren oder schwimmen gehen. «Auf keinen Fall sollte man seine inviduelle Toleranzgrenze überschreiten», warnt Siebert. Wenn alles nichts hilft, wird das tote Sehnengewebe operativ entfernt. Dadurch erhält das verbliebene Gewebe die Chance, sich zu regenieren.


Weiterführende Links:

Schmerzen im Gelenk: Wenn das Knie knackt

car/news.de

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