Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Analogkäse, Schinken mit ohne Fleisch und Vanilleeis ohne Vanille. Je glänzender die Verpackungen werden, desto weniger halten sie, was draufsteht. Die Verbraucherzentrale ist verärgert und warnt vor der Plagiat-Falle.
An das sogenannte Krebsfleischimitat haben wir uns ja schon gewöhnt. Unter dem Decknamen Surimi liegt es seit Jahren prominent in Kühl- und Eisfächern der Supermärkte aus, fest in fingerdicke Stäbchen gepresst. Surimi allerdings auch noch in Garnelenform zu formen und damit Echtheit vorzutäuschen, das ist frech. Es passiert aber inzwischen auch; die Surimi-Garnele entlarvt sich selbst in einigen Produkten nicht einmal mehr ordnungsgemäß als das Imitat aus Fischmuskeleiweiß, das sie eigentlich ist.
Nur eins von elf «Plagiaten», die die Verbraucherzentrale in Hamburg nerven und die sie deshalb auf einer Liste gesammelt hat, um den Einkäufer im Supermarkt vor dem falschen Schein zu warnen. Denn die Zentrale befürchtet, dass durch das Absenken der Standards die Qualität allgemein sinken wird. Denn Ersatzstoffe sind billiger, und wer auf hochwertige Zutaten setzt, unterliegt letztlich im Preiskampf.
In den elf Produkten vermisst die Zentrale exakt das Element, das die Qualität der Leckerei ausmachen sollte. Den japanischen Meerrettich Wasabi von Lorenz-Bahlsen zum Beispiel im Knabberspaß namens Wasabi, der stattdessen vor Algenkonzentrat und Aromen strotzt. Oder die Schokolade in den Keksen mit «Schoko»-Füllung von Delacre. Kakaocreme mit billigem Schokoladenimitat aus Zucker, Pflanzenfett und 3,7 Prozent fettarmem Kakaopulver. Lecker?
Schafskäse ohne Milch und Schaf, Putensalat mit Fleischresten gestreckt, Schmelzkäsezubereitung in Schnittkäseform, Vanilleeis aus Kokosfett und synthetischem Vanillin oder das Pesto, bei dem die Qualitätszutaten nur in Spuren vorhanden sind - die «Plagiat-Falle», von der die Verbraucherzentrale spricht, lauert in einem Großteil der Supermarkt-Produkte, für die die elf ausgewählten nur stellvertretend stehen.
Denn wohlklingende Adjektive, die in peppigen Lettern die Verpackungen zieren, können so ziemlich alles versprechen. Was wirklich dahinter steckt, lässt sich relativ leicht in der klein gedruckten Zutatenliste auf der Rückseite entlarven. Doch bei vielen Käufern siegt dennoch der schöne Schein über die tristen Bestandteilslisten.
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car/ivb/news.de