Mo., 20.05.13

Der Umwelt zuliebe Chinesen vereiteln Industrieprojekt

Chinesische Bürger versammeln sich um ein Auto, das Demonstranten während der Proteste umgekippt hatten. (Foto)
Chinesische Bürger versammeln sich um ein Auto, das Demonstranten während der Proteste umgekippt hatten. Bild: dapd

Von Eugene Hoshiko
Bei einer Demonstration an Chinas Küste kippten Protestler nicht nur ein Polizeiauto, sondern auch ein Industrieprojekt. Dabei sollten Abwässer ungefiltert ins Meer geleitet werden. Die Macht der Straße hat das verhindert - nicht zum ersten Mal.

Behörden im Osten Chinas haben sich dem Druck der Straße gebeugt und ein Industrieprojekt gestoppt. Tausende hatten in der Küstenstadt Qidong in der Provinz Jiangsu wegen Umweltbedenken gegen den Plan protestiert, Abwässer aus einer Papierfabrik ins Meer zu leiten.

Es war nicht das erste Mal, dass chinesische Bürger mit Protesten Großprojekte dieser Art vereitelten. Erst vor wenigen Wochen war der Bau einer Kupferfabrik gestrichen worden, nachdem wütende Anwohner sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatten.

Auch bei den Protesten am Samstag kam es zu Zusammenstößen zwischen Beamten und Demonstranten, ein Polizeiauto wurde dabei umgestoßen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, löste sich die Massendemonstration erst auf, nachdem die Regierung Qidongs auf ihrer Website mitgeteilt hatte, dass das Abwasserprojekt gestoppt worden sei. Hunderte Bereitschaftspolizisten wurden abgestellt, um Regierungsgebäude in Qidong zu schützen.

Über die Zukunft des Papierwerks des japanischen Unternehmens Oji Paper wurde zunächst nichts bekannt. Oji hatte am Freitag mitgeteilt, nur entsprechend örtlicher Umweltschutznormen geklärtes Wasser würde ins Meer geleitet. «Umweltschutz hat für unser Unternehmen eine hohe Priorität», hieß es in einer Erklärung.

Drei Jahrzehnte rasanter Wirtschaftsaufschwung sind in China auf Kosten der Umwelt gegangen. Doch mittlerweile gehen chinesische Bürger immer häufiger auf die Straße, um gegen umweltbedrohende Industrieprojekte der Regierung zu protestieren.

zij/news.de/dapd

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