Do., 23.05.13

Benachteiligte Singles Wer sparen will, sucht sich einen Partner

Singles leben teurer als Paare. Doch das hat nichts mit ihrem gewählten Lebensstil zu tun. (Foto)
Singles leben teurer als Paare. Doch das hat nichts mit ihrem gewählten Lebensstil zu tun. Bild: dapd

Von Berrit Gräber
Millionen Singles scheinen auf den ersten Blick eher auf der Sonnenseite zu sein: Sie haben ihr Einkommen nur für sich, können sich also alles leisten. Anders als bei Paaren redet ihnen keiner dazwischen. Doch ausgerechnet das Single-Dasein ist verflixt teuer.

Vergeben Banken Baukredite, gehen sie davon aus, dass Alleinstehende im Schnitt Lebenshaltungskosten von etwa 600 bis 650 Euro netto im Monat zu schultern haben. Ehepaare kommen demnach schon mit etwa 800 Euro aus, die Ausgaben für ein Kind sind mit circa 200 Euro veranschlagt. Tatsache ist: Singles werden in vielen Bereichen kräftiger zur Kasse gebeten als Lebensgemeinschaften, selbst vom Staat. Einige Beispiele:

Wohnen

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts leben zwei Bundesbürger auf durchschnittlich 90 Quadratmetern. Die meisten Wohn- oder Lebensgemeinschaften teilen sich die Miet- und Nebenkosten, wie Barbara Schmid vom Online-Portal Immowelt erläutert. Singles wohnen dagegen gerade mal auf bis zu 40 Quadratmetern, müssen sämtliche Ausgaben aber ganz allein bestreiten. Das kann richtig ins Geld gehen, vor allem in Ballungsräumen. «Je kleiner das Appartement, desto teurer der Quadratmeterpreis», sagt Schmid. In München mussten Alleinlebende im Jahr 2011 gut 14 Euro pro Quadratmeter ausgeben, in Freiburg und Frankfurt am Main zwischen 11,40 und 12,80 Euro, in Karlsruhe 7,80 Euro. Wer mit jemandem zusammenzieht, könne allein in Karlsruhe seine Wohnkosten um stolze 32 Prozent reduzieren, sagt Schmid.

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Energie

Weniger brauchen, aber überproportional mehr dafür hinblättern müssen - dieses Los trifft Singles auch bei Strom und Gas. In Euro und Cent fällt etwa die Stromrechnung von Alleinlebenden zwar niedriger aus als bei Kunden, die ordentlich viel Saft aus der Steckdose zapfen. Aber im Vergleich zahlen Haushalte mit niedrigem Verbrauch bis zu 22 Prozent mehr für die Kilowattstunde (kWh), wie eine Analyse des Online-Vergleichsportals Verivox ergab. Das liegt daran, dass der Strompreis aus dem Fixposten Grundgebühr und dem Arbeitspreis pro kWh besteht, also dem tatsächlichen Verbrauch. Pech für Singles: Die feste Grundgebühr fällt umso mehr ins Gewicht, je weniger Kilowattstunden verbraucht werden, wie Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erläutert. Ähnlich kann es auch beim Gas aussehen.

Einkaufen

Kein Pardon auch beim Gang in den Supermarkt: Singles mit Hang zu Fertigessen, Vakuumverpacktem oder praktischen Kleinportionen haben meist deutlich mehr an den Preisen zu knabbern als Großverbraucher, wie die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, Daniela Krehl, berichtet. Ihre Erfahrung: «Kleinere Gebinde, die nicht so schnell verderben, sind so gut wie immer spürbar teurer.» Das fängt bei Schokoriegel-Happen, Backwaren, Keksen, Joghurt, Marmelade und Mini-Käse-Laibchen an und hört bei Piccolo-Sekt auf. Ein Liter Frischmilch ist etwa für 1,09 Euro zu haben, die halbe Menge kostet aber gut und gern 69 Cent. Anders sieht es bei loser Ware aus. Wer Gemüse, Obst, Wurst oder Fleisch nach Kilopreis kauft, fährt besser.

Reise

Von wegen Urlaubsschnäppchen für Alleinreisende: Wer ein Einzelzimmer braucht, muss meist bis zu 40 Prozent Zuschlag und mehr zahlen. Für eine Woche TUI-Pauschalreise an die türkische Riviera bei Antalya muss ein Paar beispielsweise 804 Euro pro Person hinblättern. Der Alleinstehende zahlt für die gleiche Leistung 1.072 Euro, also über 30 Prozent mehr. Manche Hotels verlangen sogar das Doppelte für die Einzelzimmerbelegung. Singles, die gern auf Kreuzfahrt gehen, müssen in jedem Fall richtig viel Geld locker machen. Bis auf wenige Ausnahmen sei in der «Kreuzfahrtbranche ein Aufschlag zwischen 70 und 90 Prozent für eine Einzelkabine üblich», erläutert der Direktor des Münchner Anbieters FTI-Cruises, Thomas Kusch.

Steuer

Auch der Staat profitiert von den Millionen Singles. Zumindest im Vergleich mit Verheirateten bei ähnlich hohem Einkommen. «Wer das Ehegatten-Splitting und die doppelten Freibeträge nutzen kann, ist einfach klar im Vorteil», erläutert Martina Bruse vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Der Blick auf die Steuertabellen zeigt: Bei einem zu versteuernden Jahresverdienst von 36.000 Euro kassiert der Fiskus vom Single in Steuerklasse eins 7.599 Euro Einkommensteuer plus 417,95 Euro Solidaritätszuschlag. Ist der Steuerzahler verheiratet und das Paar hat zusammen 36.000 Euro, liegt die Steuerlast dagegen bei 4.342 Euro plus 231,81 Euro Solidaritätszuschlag. «Allein wegen der Steuer heiraten, ist aber auch keine Lösung», sagt Bruse und schmunzelt.

sca/loc/news.de/dapd

Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • zombie1969
  • Kommentar 3
  • 25.09.2012 18:02
 

Teurer wird es aber nur für Einheimische und integrierte Zuwanderer. Die Anderen erhalten nach wie vor Sozialleistungen, Gratis-ÖV, Zuschüsse etc.

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  • Moorfrau
  • Kommentar 2
  • 14.07.2012 20:03
 

Ja, ich fühle mich wohl. Wenn es mir emotional mal schlecht geht, ist es das Umfeld, was dieses Gefühl bei mir auslöst. Das versuche ich durch eine andere Sichtweise zu vermeiden, gelingt jedoch nicht immer. Ansonsten spüre ich die im Artikel aufgeführten Nachteile nicht, außer der Einzelzimmerzuschlag, darüber ärgere ich mich!

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  • Norbert
  • Kommentar 1
  • 14.07.2012 18:40
 

In jeder Ehe verdienen nicht 2 . Also muß derjenige ,der Verdiener ist teilen . Na ,da lebe ich doch liueber alleine .

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