So., 26.05.13

Epilepsie am Steuer Todesfahrer von Hamburg muss hinter Gitter

Wegen eines epileptischen Anfalls am Steuer fuhr der Angeklagte vier Menschen tot. (Foto)
Wegen eines epileptischen Anfalls am Steuer fuhr der Angeklagte vier Menschen tot. Bild: dapd

Er erlitt einen epileptischen Anfall und raste mit Tempo 100 über eine rote Ampel in Hamburg-Eppendorf. Im März 2011 fuhr ein 40-Jähriger dabei vier Menschen tot, darunter den Schauspieler Diemar Mues. Das Gericht hat entschieden: Der Epileptiker muss dreieinhalb Jahre in Haft.

Der Todesfahrer von Hamburg-Eppendorf ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Mehr als ein Jahr nach dem Horror-Unfall mit vier Toten sprach das Hamburger Landgericht den 40-Jährigen der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Der Angeklagte war am 12. März 2011 nach einem epileptischen Anfall über eine rote Ampel gerast. Sein Wagen schleuderte in mehrere Fußgänger und Radler. Vier Menschen kamen ums Leben, darunter der Sozialwissenschaftler Günter Amendt und der Schauspieler Dietmar Mues mit seiner Frau.

Zuvor hatte sich der Angeklagte in seinem Schlusswort tief betroffen gezeigt. «Jeder Tag und jede Stunde ist eine Last», sagte der 40-Jährige, der sich für den Unfall mit vier Toten vor dem Hamburger Landgericht verantworten muss. Er beschäftige sich täglich mit dem Unfall.

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«Ich bin kein unverbesserlicher Totraser», sagte der Mann, der laut Anklage am 12. März 2011 nach einem Krampfanfall mit mindestens Tempo 100 über eine rote Ampel gerast war. Vier Menschen kamen damals ums Leben, darunter der Sozialwissenschaftler Günter Amendt und der Schauspieler Dietmar Mues. Drei weitere Opfer erlitten Verletzungen.

Verteidigung forderte Freispruch

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Es gehe in dem Prozess und mit dem Urteil nicht darum, die Stimme des Volkes zu bedienen, sagte der Anwalt des Beschuldigten, Ralph-Dieter Briel. Der Angeklagte habe bis zu dem Unfall 2011 keinerlei Zweifel an seiner Fahrtüchtigkeit haben müssen.

Nach Aussagen von Arbeitskollegen erlitt er jedoch häufig Krämpfe im Büro. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet hatte sein Chef ihm nach drei Unfällen alle Dienstfahrten verboten. Der Verteidiger sagte in seinem Plädoyer, diese Aussagen seien unsicher und nicht ausreichend, um als Beweis angeführt zu werden.

War er sich bewusst, dass er Epileptiker ist?

Die Richter entsprachen mit ihrem Strafmaß in etwa der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten sowie den lebenslangen Entzug der Fahrerlaubnis gefordert hatte. «Ich kann mir kaum ein höheres Maß an Pflichtverletzung vorstellen», sagte die Staatsanwältin Sinja Sternsdorff in ihrem Plädoyer. Der 39-Jährige sei sich bewusst gewesen, welcher Gefahr er sich und anderen mit der Entscheidung, Auto zu fahren, aussetze.

Diesen Vorwurf wies Ralph-Dieter Briel entschieden zurück. Der Angeklagte habe sich aus eigener Entscheidung heraus in dauerhafte ärztliche Behandlung begeben und ab 2005 Medikamente eingenommen, um neuen Anfällen vorzubeugen. Daher könne nicht von einem rücksichts- und verantwortungslosen Handeln die Rede sein. Der Beschuldigte habe selbstkritisch immer wieder den Rat der Ärzte gesucht, um eventuelle Risiken - auch beim Autofahren - auszuschließen.

Dietmar Mues' Söhne wiesen Entschuldigung zurück

Nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft hatten sich zwei Söhne des verstorbenen Schauspielerehepaars Mues vor Gericht geäußert. Die Anfang Mai von dem Todesfahrer an sie gerichtete Entschuldigung wiesen sie zurück. Beide hätten laut eigener Aussage auf einen Grund zur Vergebung gehofft. Aber jemand, der seine eigenen Fehler nicht einsehe, könne sich auch nicht aufrichtig entschuldigen, sagte Woody Mues, der jüngste der insgesamt drei Söhne des Ehepaares.

«Ich bedaure außerordentlich, dass meine Bitte um Verzeihung als Beleidigung angekommen ist», sagte der Angeklagte heute in seinem Schlusswort. Er werde sich nie wieder an das Steuer eines Autos setzen und habe seine Fahrerlaubnis für immer abgegeben, erklärte der Angeklagte weiter. «Ich bitte um ein gerechtes Urteil.»

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • teddysusi
  • Kommentar 1
  • 05.06.2012 13:08
 

Auf gar keinen Fall. Meiner Meinung nach sind 3 Jahre und 9 Monate Freiheitsentzug viel zu wenig. 4 Menschen sind gestorben, weil dieser Mensch ignorant und unverbesserlich ist. Der Veteidiger sollte seinen Job an den Nagel hängen. Welchen Prozess hat der denn verfolgt? Hat der sich die Ohren zugestopft als div. Zeugen aussagten, die Krampfanfälle seines Mandanten mitbekommen zu haben? Der sollte mindestens 10 Jahre Freiheitsentzug bekommen. Dann hat er Zeit zum Nachdenken und kann keinen weiteren Schaden anrichten. Denn der setzt sich ganz bestimmt wieder hinters Steuer.

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