Sa., 26.05.12

Chantal, Kevin und Co. 08.02.2012 Das Schicksal der Junkiekids

Methadon-Vergiftung fuehrt offenbar zum Tod einer Elfjaehrigen (Foto)
Starb an der Ersatzdroge Methadon: Die elfjährige Chantal lebte bei Pflegeeltern, die heroinsüchtig waren. Bild: dapd

Von news.de-Volontärin Annika Einsle

In Deutschland leben 50.000 Kinder in Familien mit drogenabhängigen Eltern, schätzen Suchtforscher. Der Methadontod von Chantal aus Hamburg zeigt, dass das Jugendamt grobe Fehler begangen hat. Selbst neue Gesetze können solchen Katastrophen nicht vorbeugen.

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Im Jahr 2006 war es der zweijährige Kevin, den die Beamten des Jugendamtes tot im Gefrierfach seines Ziehvaters in Bremen fanden. Mitte Januar 2012 starb die elfjährige Chantal aus Hamburg den Methadontod. Nur zwei Beispiele, die stellvertretend für Tausende Kinder drogenabhängiger Eltern stehen. Schätzungen gehen von deutschlandweit 40.000 bis 50.000 sogenannter «Junkiekids» aus. Genau wissen könne das aber niemand, schließlich bewege man sich im illegalen Bereich, sagt der Kölner Suchtforscher Michael Klein.

Nur hin und wieder wird öffentlich, was diese Kinder zu Hause durchmachen. Meist dann, wenn es bereits zu spät ist. So wie im Fall der kleinen Chantal, die am 16. Januar an der Ersatzdroge Methadon starb, die die Pflegeeltern gegen ihre Heroinsucht nahmen. Wie konnte ein Kind unter den Augen des Jugendamtes sterben? Wer trägt die Verantwortung, was muss sich ändern? Fragen wie diese werden laut, Forderungen nach mehr Kontrolle und einem besseren Schutz der Kinder folgen.

Doch da liegt nicht allein das Problem: «Die Gesetze sind klar», sagt Suchtforscher Klein. Nach dem Todesfall Kevin wurde Paragraph 8a ins Kinderhilfegesetz eingeführt, der die Aufsichtspflicht des Jugendamtes und den Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung betont. Seit 1. Januar 2012 gilt das Bundeskinderschutzgesetz und im Sommer soll das reformierte Vormundschaftsrecht in Kraft treten, das die Jugendämter stärker in die Pflicht nehmen soll. «Aber die konsequente Umsetzung in Politik und Behörden sowie die Qualifikation der Mitarbeiter in den Jugendämtern lassen stark zu wünschen übrig», mahnt der Experte an.

Sozialarbeit geht an der Realität vorbei

Im Fall Chantal wurde das einmal mehr deutlich. Denn die Pflegeeltern waren bereits als Drogenjunkies bekannt, nahmen an einem Substitutionsprogramm teil, das ihnen helfen sollte, mit der Ersatzdroge Methadon ihre Heroinsucht zu bekämpfen. Statt sich um Chantal zu kümmern, gaben sie ihr Methadon - vermutlich, um sie ruhigzustellen. Bis ihr Herz zu schlagen aufhörte. Die Aufsicht eines Pflegekindes hätten sie nie bekommen dürfen. Da ist sich Klein sicher. «Wenn es Indikatoren gibt, dass Pflegeeltern-Bewerber drogenabhängig sind, dann muss das ein Sozialarbeiter erkennen», sagt er.

Auch das Prinzip der «milieunahen Unterbringung» von Pflegekindern verurteilt er stark. «Kinder brauchen ein stabiles, gesundes und verlässliches Milieu, um sich gut entwickeln zu können.» Sie aus einer gestörten Familie herauszuholen und in eine andere mit ebenfalls gestörten Verhältnissen zu stecken, sei absolut unverantwortlich.

Gerade für die Psyche eines Menschen müssten Mitarbeiter von Jugendämtern und anderen Behörden viel mehr sensibilisiert werden. «Das Studium der Sozialarbeiter ist viel zu sehr auf andere Themen fixiert - Migration, interkultureller Dialog, Sprechen mit Delfinen und weitere, oft sehr theoretische, weltfremde Themen» beklagt Klein. Werden sie dann in der Realität mit psychischen Störungen, Drogen, Sucht und den Risiken in Familien konfrontiert, überfordert sie das.

Fehlverhalten mit Struktur?

Hinzu kommt: Mehr als 600 Jugendämter gibt es in Deutschland. Einheitliche Fachstandards haben sie aber nicht. «Jugendhilfe, Kinderärzte, Gesundheitsdienste, Erzieher in Kitas und Schulen arbeiten nicht wirklich gut zusammen, und der Informationsfluss funktioniert ebenfalls kaum», sagt Rolf Stöckel von der Deutschen Kinderhilfe.

Fehlverhalten also, das Struktur hat? Das Familienministerium weist in einer Stellungnahme jegliche Schuld von sich, beim Fall Chantal handle es sich um «das Versagen einer konkreten Behörde in einem konkreten Fall». Eine Garantie, dass solche Fehler außer in Hamburg sonst nirgendwo passieren, kann das Ministerium nicht geben. Schließlich gibt es keine einheitlichen Standards und Kontrollmechanismen.

Klein fordert deshalb eine «Kultur der vorwegnehmenden Verantwortung für Kinder, die nicht für sich selbst sprechen können». Die Amtsleitungen müssten mehr Courage zeigen, Missstände vor der Politik offenlegen und Veränderungen einfordern. Hausbesuche dürften vorher nicht angekündigt und drogenabhängige Familien nicht nur einmal monatlich besucht werden. Denn das Verhalten von Süchtigen könne sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verändern.

«Selbst das beste Gesetz wird nicht zu 100 Prozent verhindern können, dass Kinder misshandelt oder vernachlässigt werden», schreibt das Familienministerium weiter in seiner Stellungnahme. Eine Aussage, die durchaus ihre Berechtigung hat. Zumindest aber die Zahl der zerstörten Kindheiten könnte reduziert werden - wenn Bund und Länder künftig nur etwas mehr auf die Umsetzung der Vorgaben achten würden, die es heute bereits gibt.

jag/news.de
Leserkommentare (14) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • pierre
  • Kommentar 14
  • 09.02.2012 19:48
 Antwort auf Kommentar 11

Hallo "gemd", wenn diese Behandlung so ein "Schwachsinn" (Ihr Zitat) ist oder sein soll und "einen Haufen Geld kostet", frage ich Sie, mit welchen praktischen Erfahrungen, Sie solche Behauptungen aufstellen? Und, woher wissen Sie den was was kostet? Beschreiben Sie doch mal diese Kosten genauer...

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  • pierre
  • Kommentar 13
  • 09.02.2012 18:01
 

Ich möchte doch hier -trotz der tragischen Ereignisse- anmerken, dass es auch viele Eltern gibt, die einen positiven Verlauf mit Opiat-Substituten gibt. Es wird in Deutschland immer sofort ein Generalverdacht gegen ein gesamtes Klientel ausgesprochen. DAs ist nicht richtig und schadet den Menschen, die erfolgreich in einer Methadon-Behandlung sich befinden und gute Eltern sind. Was ich sehr bedenklich finde, ist, dass man wohl sehr leicht zu Pflege-Eltern, hier in Deutschland, werden kann. Es scheint ja keine großen Prüfungen zu geben? Das sollte doch eigentlich so nicht ablaufen.

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  • pierre
  • Kommentar 12
  • 09.02.2012 18:00
 

Ich möchte doch hier -trotz der tragischen Ereignisse- anmerken, dass es auch viele Eltern gibt, die einen positiven Verlauf mit Opiat-Substituten gibt. Es wird in Deutschland immer sofort ein Generalverdacht gegen ein gesamtes Klientel ausgesprochen. DAs ist nicht richtig und schadet den Menschen, die erfolgreich in einer Methadon-Behandlung sich befinden und gute Eltern sind. Was ich sehr bedenklich finde, ist, dass man wohl sehr leicht zu Pflege-Eltern, hier in Deutschland, werden kann. Es scheint ja keine großen Prüfungen zu geben? Das sollte doch eigentlich so nicht ablaufen.

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  • gemd
  • Kommentar 11
  • 09.02.2012 14:04
 Antwort auf Kommentar 10

Der Schwachseinn fängt ja schon weit vorher an, denn eine Drogenabhängigkeit mit einer anderen Droge "heilen" zu wollen, ist natürlich nichts anderes als den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Da müßte erstmal der Körper gereinigt werden und dann müßten mal die geistigen Ursachen bereinigt werden. Das Methadonprogramm ist lediglich Aktionismus - kostet einen Haufen Geld - beruhigt aber die verantwortlichen Politiker.

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  • Die Redaktion
  • Kommentar 10
  • 09.02.2012 11:31
 

Der Kommentar von Augustus wurde wegen Verstoßes gegen die Netiquette gelöscht.

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  • Jan Meves
  • Kommentar 9
  • 09.02.2012 10:32
 

Wurde jemals ein Mitarbeiter von einem Jugendamt für die Scheiße, die er verzapft hat eingesperrt ? Solange die mit ein paar Ausreden und Entschuldigungen davon kommen ändert sich gar nix.

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  • Glückspilz
  • Kommentar 8
  • 08.02.2012 21:41
 

zu Kommentar 4,5,6 Sehr geehrte Frau Mönkemeyer, leider weiß ich nicht in welcher Sprache Sie Ihre Bücher geschrieben haben sollen. Ich gebe Ihnen einen guten Tipp: Bevor Sie den deutschen Staat bzw. das deutsche Jugendamt an den Pranger stellen, rate ich Ihnen dringend, zunächst einen Deutsch-Kurs für Anfänger zu belegen. In anderen Ländern verhungern täglich Kinder und werden gefoltert. Wer schützt diese Kinder? Was wird mit den verbrecherischen Eltern? Uups. Ich vermute, das Sie aus einem Land kommen, wo man noch nicht einmal weiß, wie Jugendamt geschrieben wird.

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  • marthacharly
  • Kommentar 7
  • 08.02.2012 15:11
 

Vor etlichen Jahren hatte ein Mitarbeiter eines Jugendamtes die Verantwortung für das von ihm betreute Klientel ganz allein, und er war verdammt darauf bedacht, dass ja nichts schiefgeht.Heute bestimmt ein Team (wir besprechen `mal den Fall), d.h. man verlagert die Verantwortung auf viele Schultern. "Wir waren der Meinung, ist leichter gesagt als ich war der Meinung." Verantwortung übernimmt dann das Team - wenn etwas schiefgeht - nicht der Einzelne.Der oder die Dumme ist dann immer der besserbezahlte Chef der Truppe.So wie es z.Zt. gehandhabt wird, wird es immer wieder solche o.ä. Fälle geben

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  • Mimoza Mönkemeyer
  • Kommentar 6
  • 08.02.2012 14:33
 

Ich bin Jornalistin und autorin von 3 buchen , wie die Jungendamt in Holzminden die Frau Stille, diese Mafiozi frau hat die machkt in diese korrupte Stad, hat die Machkt bei der Richter, die dirigiert Alles, richter, plegedienst,die direktor von Jungendamt, diese Dorf Trodell, wo hat eine Bad wie Osambiladen, wie eine terrorist und Magasychtig, alle Jungendamter in diese kreis sollen weg, da sind so korrupt und mit beschtechung,korrupsion mit mafia, mit droge, und alles, diese Psychopat Social arbeiter Jungendamt braucht die Stad nicht mehr...raus diese leute gehoren in Gefenes... Mein Buch .

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  • Mimoza Mönkemeyer
  • Kommentar 5
  • 08.02.2012 14:27
 

Ib BRD....... da sind nur Social pedagogen fast nicht 6oo Jungendamter aber noch Mehr.....diese sistem....wo lest so Psychopat Jungendamte wie Mager sychtig, nicht so gut geflegt, verbrecher,korrupsion,beschtequn...und die haben keine kinder,nor psychopat Leute,burokratisch in Landkreis Holzminden, wie Frau Stille...die Mafiosin von eine Grosse Bande...wo die klaun die kinder von Gute Familie, und schicken in Heime, wahl da sin bez.und Beschequng,und die familie mit droge sind 10 familie, ind diese Landreis Holzminden, diese Frau Stille soll in Gefendnes,mein Buch ist vertig,und die ganze BRD.

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  • Mimoza Mönkemeyer
  • Kommentar 4
  • 08.02.2012 14:21
 

Die Jungendemter hier in Deuschland, sind der Groste Verbrecher, diese sistem Jungendamt soll weg, die Jungendamt in Holzminden, die Stad Der Droge und Korrupsion, da sind 2 Jungendamter Frau Stille, und Herr Kosmann und in Plege noch eine Psychopat, die haben keine kinder, und kummert ganikz die Familie mit droge, 3, sind in Stadolendorf, 2 in Lenne...und sehr viele in Holzminden, Ich bin beruf Jornalistin, und ich kann fur diese korrupte beamtin frau Stille sehr viele beweisen geben....diese Stad hier, soll die Jungendemter Wechsen, da sind nur Verbrecher......wen sie wollen mehr informacion

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  • Mike Charles
  • Kommentar 3
  • 08.02.2012 14:07
 

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Ein trauriges Kinderleben, In diesem Falle wäre es besser, nicht geboren worden zu sein, für die Eltern und für Mary-Jane. Mary-Jane ist erlöst und ihr geht es jetzt einhunderttausendfach besser.

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  • carlos47
  • Kommentar 2
  • 08.02.2012 13:43
 Antwort auf Kommentar 1

Aproposer@ Genau richtig. Verträumt und nur theorisierend den Tag verbringen.Man sollte für solche Aufgaben z.B. auch nur Menschen mit Kinder einsetzen.Die denken dann vielleicht mal ein bisschen an die Kinder und nicht nur an Feierabend.

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  • Aproposer
  • Kommentar 1
  • 08.02.2012 12:41
 

Wer macht den Job denn vielerlei dort in den Sozialbehörden? Systeminfizierte Sozialarbeiter, geübt im Wegsehen und in Konfliktminimierung. Ein Kiffer hackt dem anderen doch nicht die Augen aus, hauptsächlich es gibt Kohle! So denken viele und dann geht schon mal was schief.

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