Francesco Schettino sitzt vorerst weiterhin in seinem Haus an der Amalfi-Küste. Der Kapitän der «Costa Concordia» muss nicht zurück in den Knast, entschied ein Gericht in Florenz. Sollte Schettino jedoch verurteilt werden, droht ihm laut italienischen Medien eine Rekordstrafe.
Der Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia», Francesco Schettino, muss nicht zurück ins Gefängnis. Ein Florentiner Gericht bestätigte heute den Hausarrest für den beschuldigten Schettino. Es lehnte damit Anträge der Staatsanwaltschaft wie der Verteidigung ab, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.
Das Beschwerdegericht hatte sich am Montag dreieinhalb Stunden lang mit beiden Anträgen befasst. Die Ermittlungsrichterin Valeria Montesarchio hatte in den Tagen nach der Havarie vom 13. Januar die Haft für Schettino überraschend in einen Hausarrest umgewandelt. Die Staatsanwaltschaft hält wegen drohender Fluchtgefahr und der Schwere der Vorwürfe eine Haft jedoch für erforderlich.
Schettino-Verteidiger forderten Freilassung
Dem Kapitän werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen des Kreuzfahrtschiffes während der nächtlichen Evakuierung vorgeworfen. Seine Verteidiger wollten den Hausarrest aufheben und forderten seine Freilassung. Schettino hatte ausgesagt, die gefährliche Route nahe an die Insel Giglio heran sei von ihm erwartet worden. Die Costa-Reederei hatte dies zurückgewiesen.
Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs vor der toskanischen Insel Giglio wurden bislang 17 Leichen geborgen. 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sechs Deutsche. Die Vorbereitungen für ein Abpumpen der 2300 Tonnen Treibstoff - überwiegend Schweröl - aus den Tanks der «Costa Concordia» sind wegen schlechten Wetters noch unterbrochen.
Medienbericht: Schettino drohen 2697 Jahre Haft
Im Falle einer Verurteilung droht Schettino jedoch eine lange Haftstrafe. Laut der Zeitung Il Messaggero könnte er sogar die Rekordstrafe von 2697 Jahren Haft aufgebrummt bekommen. 15 Jahre für jedes der bisherigen 17 Todesopfer und der noch 15 Vermissten im Falle einer Bergung. Hinzu kämen zehn Jahre für den Schiffbruch und weitere etliche Jahre für die zahlreichen Passagiere, die Schettino feige im Stich ließ.
phs/ruk/news.de/dpa