Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Hitler, Hitler über alles: Wir Deutschen sind fasziniert vom Dritten Reich. In lustvoller Angst wird der Führer in TV und Zeitschriften seziert, mit Bunkersong oder rollendem R veralbert. Experte Daniel Erk warnt: Durch die Hitler-Manie wird der Nazi-Horror banalisiert.
«Adolf Hitler, dem sein Bart, ist von ganz besondrer Art. Kinder, da ist etwas faul, so ein kleiner Bart, und so ein großes Maul», spottete Berthold Brecht bereits 1934. Hitler-Witze waren schon zu Lebzeiten des Diktators in Mode.
Doch inzwischen sei aus der Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich eine regelrechte Hitler-Manie geworden, findet der Journalist und Blogger Daniel Erk. Er geht in seinem Buch der Frage nach, ob so viel Hitler das Böse banalisieren kann - und erklärt im news.de-Interview, warum er nicht über den Diktator lachen will.
Was fasziniert uns Deutsche an Hitler?
Daniel Erk: Es ist nicht nur eine Faszination, es hat eine Funktion, das man alle Verbrechen des Dritten Reichs Hitler anhängt. Alle Schuld wird ihm gegeben, dadurch wird er grausamer und größer gemacht, als er historisch wohl war. Alle anderen Deutschen werden damit entschuldigt, sie können sich als Mitläufer bezeichnen. Dieser psychologische Effekt steckt wohl im Kern dieser Hitler-Manie.
Wie hat sich das Hitler-Bild in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Erk: Die meisten glauben, es sei lange gar nicht über Hitler gesprochen worden. Das stimmt nicht, bis zum Anfang der 1950er Jahre gab es Hitler-Humor. Etwa die Parodien von Charlie Chaplin (Der große Diktator) und Ernst Lubitsch (Sein oder Nichtsein) oder die Musical-Klamotte Ich war Hitlers Schnurrbart. Danach gab es wirklich eine Phase der Tabuisierung, die erst mit dem Mel Brooks-Film Frühling für Hitler 1968 endet.
Was passierte danach?
Erk: Die Hitler-Witzwelle in Deutschland setzte ab 1973 ein. In diesem Jahr hatte die Satirezeitschrift Pardon einen Hitler-Darsteller über die Frankfurter Buchmesse geschickt, der dort Neuerscheinungen über das Dritte Reich signierte, um die Hitler-Nostalgie zu persiflieren. Spätestens seit den 1990er Jahren ist der Humor, den die Titanic prägte, mehrheitsfähig. Auch Harald Schmidt hat daran einen großen Anteil. Diese Hitler-Witze sind meist aber keine Witze über Hitler, sondern darüber, wie wir mit ihm umgehen - etwa der bekannte Titanic-Titel, auf dem Hitler lächelt und drunter steht: ‹Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?›. Das spielt auf die Vorstellung an, dass alle Deutschen Mitläufer gewesen seien. Und es nimmt den einerseits dunkel-überzogenen und andererseits ängstlichen Umgang mit Hitler aufs Korn.
Ist Hitler ein Standard-Humorelement, das Quote garantiert?
Erk: Nicht nur im Humor hat sich der Umgang gewandelt. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Dritten Reichs wird immer banaler, und dabei spielt Guido Knopp (ZDF History) eine große Rolle. Die Qualität ist gering, wer will, kann sich jeden Tag irgendeine Doku über das Dritte Reich anschauen. Vieles ist oberflächlich, klischeehaft, da soll Quote oder Auflage gemacht werden. Ich will nicht mehr, sondern bessere Auseinandersetzungen über Hitler, Holocaust oder das Dritte Reich sehen oder lesen.
Ist das ein deutsches Phänomen? Gerade die Engländer sind ja sehr auf die grausamen, grotesken Hitler-Details versessen.
Erk: Das stimmt. England ist das extremste Beispiel. Dort war die Anti-Hitler-Kriegspropaganda sehr groß, dieses mythische Bild ist noch immer vorherrschend: Hitler ist dort seit 1940 eine Witzfigur. Zudem herrscht in England die Überzeugung, dass die Nation durch den Widerstand gegen Hitler ihre moralische Stärke gezeigt hat - obwohl gleichzeitig in den Kolonialgebieten moralisch fragwürdige Sachen passiert sind.
Was ist das derzeit populärste Beispiel für den Mythos Hitler?
Erk: Als die Zeitschrift Zeitungszeugen kommentierte Auszüge aus Mein Kampf drucken wollte, herrschte plötzlich eine nervöse Aufgeregtheit. Es wäre die Aufgabe der Bundeszentrale für politische Bildung, eine kommentierte Ausgabe herauszubringen. Das Dritte Reich sollte nicht mit der Hoffnung auf hohe Auflage aufgearbeitet werden.
Gibt es etwas, das Sie an Hitler fasziniert?
Erk: Mich interessiert nicht Hitler. Sondern, was die Menschen an ihm fasziniert.
Titel: So viel Hitler war selten: Die Banalisierung des Bösen oder Warum der Mann mit dem kleinen Bart nicht totzukriegen ist
Autor: Daniel Erk
Verlag: Heyne Verlag
Umfang: 240 Seiten
Preis: 9,99 Euro
bereits erschienen
Das ist normale Weg, Herr Erk. Nach dem Verdrängen kommt das Tabu, dann der Humor und seine befreiende Wirkung. Schließlich ist der Abstand auch emotional groß genug um eine neue ernsthafte rationale Auseinandersetzung mit dem Thema zu beginnen. Vor allem mit mehr Erkenntnisgewinn, darüber wie so etwas geschehen konnte. Neue ungeheure Verbrechen können in jedem Volk und in jedem Kulturkreis geschehen, weil der MENSCH dazu fähig ist. Immer muss der Mensch wachsam sein und den Anfängen wehren!! Warum schaut die Welt zu, während das syrische Volk hingeschlachtet wird?
jetzt antwortenKommentar meldenWird der Nazi-Horror durch Hitlerwitze banalisiert? Das ist doch Blödsinn. Jahrelang wurde Hitler tabuisiert! Und jetzt hat so ein bischen eine Befreiung stattgefunden. Immerhin in der dritten Nachkriegsgeneration! Das dabei der Humor eine notwendige Rolle spielt, ist ja wohl nicht zu beklagen. Das ist wie bei allen Tabus! Dieser Erk ist selber einer der auf einer HitlerWelle reitet und sein Geld damit macht. Die Deutschen sind durch Hitlers Nazis stigmatisiert wohl für alle Zeiten. Der Humor kann ein Ventil sein, sich endlich davon zu lösen, aber niemals wird die Kollektivschuld bestritten!
jetzt antwortenKommentar meldenHallo Julius Dubius, entweder hast Du meinen Betrag oder Sarazin nicht richtig verstanden. Beide haben die "Volksseele" getroffen und mit Polemik "Erfolg". Und damit den Hass auf "Andersartige" geschürt. Auch Sarazin hat indirekt am Erfolg von Rechtsextremen beigetragen. Wenn man pauschal Migranten als weniger inteligent und arbeitsscheu bezeichnet schürt man rechtes Gedankengut. Und das ist gefährlich. Weil dieser Bazillus immernoch lebt. Werner
jetzt antwortenKommentar meldenSarrazin hat nun mit Hitler absolut nichts gemeinsam oder gar im Sinn. Aber der große Führer hat nichts weiter vollbracht, als dass er Deutschland ganz klein gemacht. Außerdem, oh Graus, kam bei ihm nichts Gutes weiter noch heraus. Ob Nero, Napoleon, Hitler oder Stalin, sie nehmen sich alle nichts, waren Irre, Größenwahnsinnige und letztlich Unmenschen, Massenmörder, denen Verblendete folgten.
jetzt antwortenKommentar meldenSeit Sarazin wissen wir das der braune Bazillus immer noch lebt. Und viele Deutsche gegen diese nicht immun sind. Solange die Tolleranz gegen Andersdenkende nicht bei allen gegeben ist und für eigene Probleme ein Sündenbock gesucht wird ist diese Gefahr nicht vorbei. Arbeitslosigkeit und Armut ist der beste Nährboden für Nationalsozialismus. Und dieser auch teilweise gegen Asylanten, Migranten und andere Aussenseiter. Auch die Frage: Warum wir Deutschen für ärmere Länder zahlen sollen. Auch ob die Bayern für Bremen zahlen sollen. Sind doch die Armen selber Schuld (vorsicht Ironie) Werner
jetzt antwortenKommentar meldender Autor möge sich mal in anderne Ländern umhören wegen "Hitler Manie " da sind die wenigen Deutschen nicht allein!
jetzt antwortenKommentar meldenHitler aus dem Kontext seiner Zeit nehmen und mit den heutigem Demokratie- und Menschenrechts-Verständnis zu werten wird nie funktionieren, genauso wenig wie mit anderen historischen Despoten oder geachteten (heute!) Persönlichkeiten. Warum also nicht mit Witz, Hohn und Spott den Gernegroß behandeln, das mildert das Grauen, schafft Respektlosigkeit, wo keiner vonnöten ist und läßt einen angesichts der Ungeheuerlichkeit, der menschenverachtenden Kaltblütigkeit des Geschehenen auch mal wieder durchatmen. Deswegen lehnt mensch doch nicht Mitschuld ab oder banalisiert.
jetzt antwortenKommentar meldenwarum oder inwiefern ist das typisch deutsch?
jetzt antwortenKommentar meldenhitler, hitler, hitler, irgendwie sind alle, die diesen "kuenstlichen Namen" immer noch gebrauchen, auf "den hund" gekommen. warum halten menschen und instititutionen aus aller herren länder diesen namen und seine verachtungswürdige taten immer noch so hoch? warum wird hitler nicht gleichbedeutend mit stalin, mao, der englischen vormachtstellung, den ersten kz´s in sudafrica, die dum dum geschosse, welche die engländer gegen die buren einsetzten, die gewalt, die die engländer gegen die inder einsetzten, um deren willen zu brechen? shajahanabad und den palast dem erdboden gleich machten?
jetzt antwortenKommentar meldenwürde man einem solchen Menschen heute auf der Strasse begegnen, man würde ihn garnicht beachten, weil er so nichtssagend ist. Frustrierete Menschen würden nur animiert, dieser devoten Erscheinung in die Fresse zu schlagen. Es gibt mit Sicherheit noch viele die in den Ecken lauern. Ignorieren
jetzt antwortenKommentar meldenIst es nicht paradox? Einerseits gedenken wir der Millionen Toten der Nazidiktatur und andererseits bringen wir Zeitschriften von 193-1945 unter die Menschen.Kriegsverbrecher werden in Filmen in allen Variationen gezeigt und zu neuem Leben erweckt.Warum?Wir wundern uns, das die neuen " Nazis " wieder im kommen sind. Doch wundern brauchen wir uns wohl nicht mehr. Wer hätte das gedacht, das nach 70 jahren Hitler mit seinem Buch mein Kampf wieder Wellen schlägt.Nach meiner Überzeugung ist das alles ein Schlag ins Gesicht für die Millionen Opfer der Zeit.
jetzt antwortenKommentar meldenLieber Walter, klaere mich und das Forum bitte auf über die bei weitem größeren Verbrechen der USA. Falls du dabei auf die Indianer anspielst, musst mehr als 6 Mill. bieten können.
jetzt antwortenKommentar meldenalle haben mit gemacht! aber schuldigt kann nur einer sein! Typisch Deutsch!
jetzt antwortenKommentar meldenWir Deutschen haben keine Hitler-Manie.Diese leidvolle Zeit und das Geschehene hält man am brodeln. So schlimm das alles war, irgendwann sollten wir einen Schlußstrich ziehen, rückgängig machen können wir es ohnehin nicht. Die meisten der damaligen Verbrecher leben heute nicht mehr. Was können wir als Söhne, Enkel der vorausgegangenen Generation für deren Verfehlungen ? Auch von anderen Staaten wurde gemordet,davon hört man allerings nichts. Nur bei uns werden wir kollektiv beschuldigt, vielleicht noch nach weiteren 10 Generationen.
jetzt antwortenKommentar melden....ich finde alle die sich über hitler lustig machen und ihn humorvoll finden und verniedlichen,satire filme, comics etc, verfassen und veröffentlichen gehören sofort vor gericht und sind genauso wie holocaust leugner zu behandeln. sie sind nicht ein deut besser nur etwas vverpackter in der ansicht. eine schande für die millionen von ausschwitzopfern.
jetzt antwortenKommentar meldenWird der Nazi-Horror durch Hitlerwitze banalisiert? Diskutieren Sie mit!
jetzt antwortenKommentar meldenPolitische Witze gab es schon immer Häring so fett wie Göhring! Nicht alle haben die Augen verschlossen. Allerdings kam man für derartige Sprüche ins Gefängnis. Wer heute gegen StGB § 130 verstößt kommt ebenfalls ins Gefängnis. Trotz angeblicher Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Wer hat sich gegen die Abgabe der Grundrechte an die EU gewehrt? Wer kennt heute die Artikel des ESM? Entzug der nationalen Grund- und Fiskalrechte! Also beschuldigt nicht unsere Voreltern pauschal!
jetzt antwortenKommentar meldenWenn Redakteuren wie Jan Grundmann keine echten Themen und Probleme mehr einfallen, dann muß eben diese alte Suppe immer aufs Neue hochgekocht werden ! Nicht genug, daß Juden, Israelis, Engländer u.a. das ständig am Köcheln halten und uns Deutschen, die wir lange nach 1945 geboren sind, weiter Schuldgefühle und Zahlungsbereitschaft einbläuen wollen ! Ich fürchte, all die Selbstgerechten erreichen bei vielen leider eher das Gegenteil.
jetzt antwortenKommentar meldenWir Deutschen haben keine Hitler-Manie! Die wird uns leider ohne Unterbrechung von Außen doktriniert. So lange noch Gelder fließen werden Klagen in dieser Richtung auch nicht enden. Nach 66 Jahren sollte man mal das Thema wechseln und nicht täglich von ewiger Kollektivschuld predigen. Ausreißer wie das Diktatursystem im 3. Reich gab es in vielen Staaten der Erde. Unmittelbar nach dem Sieg 1945 haben sich die "Befreier" in Ost, West und Süd nicht gerade als solche benommen. Millionenfache Morde wurden verschwiegen. Derzeit wieder in Afghanistan.
jetzt antwortenKommentar meldenDa liegst Du aber so was von falsch, das tut ja schon weh. Und überhaupt, bla, bla bla.
jetzt antwortenKommentar meldenDa ich mich jedes Jahr in Brasilien und auch in anderen Suedamerikanischen Laendern aufhalte, wird dieses sogenante +NAZI+ Syndrom bei uns in Deutschland zu sehr in den Vordergrund gesetzt. Ueberral verbote, was mit diesem Artikel zu tun hat. Es wird Tag-Nacht in dieser Sache berichtet, ob es WAHR ist oder nicht, Hauptsache es hoert sich NEGATIV an. Das die Menschen in Deutschland sich auch auf anderem Wege Informationen holen, und das Offzielle von der +Regierung+ genemigte in Frage setzen. Das andere Laender, wie die +USA+ bei weitem groessere Verbrechen begangen haben, kommt hier ueberhaupt
jetzt antwortenKommentar meldenFür mich ist die Verherrlichung von Adolf Hitler kein Spaß mehr. Wenn sich der Innenminister der BRD an den Methoden des Naziregimes ergötzt,politisch anders Denkende bespitzeln und verfolgen lässt, ist das nicht mehr komisch.Nochdazu, wenn der Verfassungsschutz,eine Unterabteilung seines Ministeriums, Neonazis mit Geldleistungen unterstützt.Wenn er jetzt noch die Verhaftung politischer Gegner und deren dauerhafte Inhaftierung anordnet kann man nicht ausschließen das er eventuell auch die Errichtung von Konzentrationslagern fordert.Oder liege ich da falsch????
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist schon beängsigend, daß solche öffentlichen Aufführungen in Deutschland in einem solchen Ausmaß stattfinden und zugleich auch bezeichnend für diesen kapitalistischen Staat, wenn man sich vor Augen hält, wer denn den Hitler mitsamt seinem braunen Gesocks ins Amt verholfen hat. Hier hatte doch das Großkapital und deren vorderste Vertreter einen entscheidenden Anteil, mal abgesehen von den vielen kleinen, die da alle nichts gesehen haben, vielmehr nichts sehen wollten und anschließend über Jahrzehnte die Zähne nicht ausenander gekriegt haben.
jetzt antwortenKommentar meldenSoweit ich weiß, ist der Mensch, der ein Reprint von "Mein Kampf" herausbringen will, kein Deutscher - und er will Kohle machen. Ist DER jetzt von Hitler fasziniert oder die Deutschen...!?
jetzt antwortenKommentar meldenWenn man am wochende zu später stunde durch das tv-programm zappt,kommt man an der Hitler-berichterstattung nicht vorbei - pardon - spätestens bei den "Nachrichtensendern",die man über Kabel bekommt,(N24,N-TV,also Pro7Sat1 und RTL) wird man regelrecht zugeballert mit diesem Thema,unter dem Vorwand,aufklären und warnen zu wollen.Dabei wird auf lange Sicht genau das Gegenteil der Fall sein.
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