Sa., 26.05.12

Kindesmissbrauch 26.01.2012 Sechs Jahre Knast für den pädophilen Pfarrer

Sechs Jahre Haft für Priester wegen Missbrauchs (Foto)
Pfarrer vor Gericht: Der katholische Geistliche (r., mit seinem Anwalt) muss wegen sexuellen Missbrauchs von drei Jungen für sechs Jahre hinter Gitter. Bild: dpa

Von Marlene Petermann

Schnelles Urteil nach dem Geständnis von 280 Missbrauchstaten: Ein katholischer Pfarrer aus Braunschweig muss für sechs Jahre in den Knast. Über sieben Jahre hinweg hatte er drei Jungen «systematisch» missbraucht.

Ein wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagter Pfarrer ist vor dem Landgericht Braunschweig zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Manfred Teiwes sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in 214 Fällen schweren sexuellen Missbrauch an drei Jungen im Alter von 9 bis 15 Jahren begangen hat. In 36 weiteren Fällen handelte es sich um einfachen sexuellen Missbrauch.

Damit bewegte sich die Strafe für den Angeklagten an der Untergrenze des zuvor abgesprochenen Strafrahmens zwischen sechs bis sechseinhalb Jahren. Der Geistliche nahm das Urteil gefasst zur Kenntnis.

Das Urteil bezieht sich auf insgesamt 250 von ursprünglich 280 angeklagten Missbrauchstaten. Aus rechtlichen Gründen wurden einige Taten gestrichen, die zeitlich schwer einzuordnen waren. Damit wollte die Staatsanwaltschaft das Risiko einer erfolgreichen Revision minimieren. Auch der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an Jugendlichen wurde fallen gelassen. Ziel war es, dem betroffenen Jungen eine Aussage vor Gericht zu ersparen.

Pfarrer nutzte Vertrauen «systematisch» aus

Nach Ansicht des Gerichts hatte der Angeklagte über die 250 Missbrauchstaten ein «umfassendes und glaubhaftes Geständnis der Taten» abgelegt und deren Aufklärung erheblich beschleunigt, sagte Teiwes. Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Strafkammer hatten ihm wegen des Geständnisses ein Strafmaß von sechs bis sechseinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt.

Die Nähe zu den Kindern sei nach Überzeugung des Gerichts «nicht zufällig entstanden», betonte der Richter in der Urteilsbegründung. Vielmehr habe der katholische Geistliche das in ihn gesetzte Vertrauen «nachhaltig und systematisch ausgenutzt» und seine Taten über einen «besonders langen Zeitraum» von 2004 bis 2011 begangen. Wegen des freundschaftlichen Verhältnisses zu den beiden Familien, sei es für die Eltern «unvorstellbar» gewesen, dass der Priester ihre Söhne missbrauchen würde.

Der Pfarrer habe nach außen die Rolle eines «Ersatzvaters» und Freundes übernommen, erklärte Teiwes. Er habe beim Umzug, bei Feiern und Geburtstagen geholfen und die Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt. Auch unternahm er gemeinsam mit den Familien oder alleine mit den Kindern Urlaube nach Paris, Ägypten oder Usedom. Auf diesen Reisen und während der Wochenenden, als die Kinder regelmäßig bei ihm im Pfarrhaus übernachteten, schlief er mit ihnen in einem Bett und missbrauchte sie. Teilweise sei es zu drei Übergriffen pro Woche gekommen, sagte Teiwes. Auch machte der Angeklagte Nacktaufnahmen von einem seiner Opfer und fotografierte die Geschlechtsteile.

Ein psychologisches Gutachten über den Pfarrer bestätigte, dass dessen pädophile Neigung keine Krankheit und der Angeklagte «uneingeschränkt schuldfähig» ist, sagte der Richter. Der Verteidiger des Geistlichen stufte das Urteil angesichts der Taten als «angemessen» ein.

Entsetzen in der katholischen Kirche

Das katholische Bistum Hildesheim zeigte sich erleichtert darüber, «dass das Urteil so schnell gefallen» sei, sagte Michael Lukas vom Bistum Hildesheim. Der Fall habe für sehr viel Entsetzen gesorgt. Die Kirche hoffe aber, dass das Strafmaß den Opfern helfe, über das Geschehen hinwegzukommen.

Mit dem Urteil und Prozessende ist auch die Voruntersuchung für das kirchenrechtliche Verfahren in Rom beendet, wie Lukas erklärte. Es werde vermutet, dass der Angeklagte dort vom Priesteramt ausgeschlossen werde und auch seine Pensionsansprüche verliere.

eia/phs/news.de/dapd
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Anonymous
  • Kommentar 1
  • 27.01.2012 12:29
 

6 Jahre??????????? Für sowas? Eier abhacken und mit Betonfüßen in Fluss rein.

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