Von Julia Becker
Laut Ermittlern wurde Carsten S. bei sadomasochistischen Sexpraktiken ermordet. Er hatte sich mit einem Mann zum Sex verabredet. In dessen Berliner Wohnung entdeckten die Beamten die zerstückelte Leiche. Der Kopf brodelte im Kochtopf - die Tat eines Kannibalen?
Dem in Mariendorf tot aufgefundenen Carsten S. sind offenbar außergewöhnliche sexuelle Vorlieben zum Verhängnis geworden. «Der Mord an dem Mann ist im Zuge von sadomasochistischen Sexualpraktiken begangen worden», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die zerstückelte Leiche des 37-Jährigen war am Montag in einer Wohnung in der Markgrafenstraße in Mariendorf gefunden worden.
Dringend tatverdächtig ist ein 43-Jähriger, der in dieser Wohnung lebte. Er wurde zusammen mit der Leiche am Tatort gefunden und festgenommen. Zuvor hatte der Mann offenbar versucht, sich das Leben zu nehmen und sich tiefe Schnittwunden zugefügt, wie die Polizei mitteilte. Beamte hatten dem Mann ihr Kommen angekündigt. Wegen der schweren Verletzungen wurde der Mann zunächst in ein Krankenhaus eingeliefert. Am Dienstag erging gegen ihn Haftbefehl wegen Mordes, wie Steltner sagte.
Abgetrennter Kopf lag gekocht in einem Topf
Der Mann soll die Leiche nach der Tat geschändet haben. Nach Informationen der Zeitungen Bild und B.Z. entdeckten Polizeibeamte den abgetrennten Kopf des Bankangestellten gekocht in einem Topf. Weitere Gliedmaßen seien separat verstaut worden, manche auch entsorgt, hieß es weiter. Die genaue Todesursache wird derzeit noch geklärt. «Die Tatsache, dass die Leiche seit Wochen in der Wohnung gelegen hat, erschwert die Ermittlungen in dieser Sache», erläuterte Steltner. Hinweise auf Kannibalismus gebe es aber keine.
Dennoch geht die Staatsanwaltschaft aufgrund der Beweis- und Indizienlage von einer vorsätzlichen Tötung aus. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft hatten sich die beiden Männer vor der Tat zum Sex verabredet. Bereits am 1. Januar 2012 war Carsten S. verschwunden. Der Kreuzberger hatte gegen 23.30 Uhr noch einen höheren Geldbetrag an einem Bankautomaten am Mehringdamm abgehoben, wie die Polizei mitteilte. Ab dem 2. Januar war dann das Handy abgeschaltet, und es fehlte jede Spur von ihm.
Der Lebenspartner des Mannes gab schließlich eine Vermisstenanzeige auf. In einem öffentlichen Aufruf bat die Polizei bei der Suche um Mithilfe. Im Zuge der Ermittlungen entstand dann der Verdacht auf ein Tötungsdelikt.
Mehrere zerstückelte Leichen an und um Neujahr
Zu Silvester und Neujahr, dem Zeitpunkt des Verschwindens von Carsten S., wurden in Leipzig und Neubrandenburg ähnlich grausame Fälle bekannt. So entdeckte ein Spaziergänger am Silvestertag am Elsterflutbecken in Leipzig einen menschlichen Knochen. Die menschlichen Überreste, bei denen es sich Medienberichten zufolge um einen Beinknochen handelt, wurde in die Rechtsmedizin gebracht. Dort sollte geklärt werden, ob es einen Zusammenhang mit einem Fund von Leichenteilen im November 2011 an dieser Stelle gibt. Damals waren der Torso und die Arme eines 23-Jährigen entdeckt worden. Die Beine und der Kopf des Toten blieben trotz intensiver Suchmaßnahmen bislang unauffindbar.
Einen Tag später wurde eine zerstückelte, unbekannte Frau im Alter zwischen 25 und 55 Jahren im Neubrandenburger Tollensesee entdeckt. Inzwischen hat die Polizei in dem Fall 2500 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist die Tote noch nicht identifiziert, da auch nach tagelanger Suche an den Uferbereichen Körperteile fehlten. Auch ein Abgleich mit bundesweiten Vermisstenlisten und mit ähnlichen Fällen brachte die Polizei bisher nicht weiter. Der Täter hatte die zerstückelte Leiche nach Weihnachten vermutlich in Plastiktüten zum See getragen und dort ins Wasser geworfen.
Deutschlandweit für Aussehen sorgte auch der Fall des «Kannibalen von Rotenburg». Im Frühjahr 2001 hatte der Täter Armin Meiwes in seinem Haus im hessischen Rotenburg einen 43-jährigen Mann aus Berlin mit dessen Einwilligung entmannt, getötet, die Leiche zerlegt und später teilweise verspeist. Ein Video, das Meiwes während der Tat drehte, belegte diese. Zunächst wurde der heute 50-Jährige nur wegen Totschlags zu knapp neun Jahren, später wegen Mordes in Tateinheit mit Störung der Totenruhe zu lebenslanger Haft verurteilt.
jag/krc/news.de/dapd