Von Manuel Schwarz und Hanns-Jochen Kaffsack
Nach dem Unglück der «Costa Concordia» geht die Suche nach Vermissten weiter. Mittlerweile wurde ein 16. Opfer gefunden. Ungeklärt ist noch immer, wer Schuld an dem Unglück hat. News.de liefert die Antworten auf die aktuellsten Fragen.
Wie läuft die Suche nach den Vermissten konkret ab?
Die «Costa Concordia» wird systematisch abgesucht: unter Wasser bei Tageslicht von Tauchern der Feuerwehr, Küstenwache und Polizei, im trockenen Teil rund um die Uhr von Spezialkletterern der Feuerwehr. Marine-Taucher sprengen zudem Hindernisse unter Wasser aus dem Weg. Für jedes der 1500 Zimmer, in dem Menschen vermutet werden, müssen die Einsatzkräfte 40 bis 45 Minuten Zeit einrechnen. Unter Wasser sei die Sicht so schlecht, berichten Taucher, dass man die Hand vor Augen nicht sehe. Wegen der Eisenwände gibt es keinen Funkkontakt.
Besteht noch Hoffnung auf Überlebende?
Niemand sagt dies gern offen, aber so lange nach der Havarie gibt es praktisch keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden. Nach Vermissten soll aber in den nächsten Wochen weiter gesucht werden. Doch um diese schwierige Aufgabe der Taucher abschließen zu können, muss das auf der Seite liegende Schiff erst voll inspiziert werden. Warum, erläuterte Einsatzleiter Gabrielli so: Möglicherweise zwischen Rumpf und Felsengrund eingeklemmte Opfer könnten erst dann geborgen werden, wenn das 290 Meter lange Schiff wieder aufgerichtet worden sei. Dafür soll die Reederei nun einen Bergungsplan vorlegen.
Wie viele Opfer wurden bereits gefunden und werden noch vermutet?
16 Tote wurden aus dem Schiff geborgen und 9 von ihnen sind bereits identifiziert. Nach offiziellen Listen galten davor noch 23 Menschen als vermisst. Abzüglich der sieben noch nicht identifizierten Toten ergaben sich rein mathematisch daraus 17 noch zu suchende Leichen an Bord des Schiffes und am Meeresgrund um die «Concordia». Gabrielli kann jedoch nicht ausschließen, dass im Schiff noch Opfer sind, die nicht auf den Listen standen.
Ist wegen des Treibstoffs an Bord die Umwelt bedroht?
Eine Bergungsfirma will am Wochenende mit dem Abpumpen der rund 2300 Tonnen Treibstoff beginnen. Die Tanks der «Concordia» sind unbeschädigt. Wenn bei der Entleerung - die rund vier Wochen dauern dürfte - Öl austritt, sollen eine doppelte schwimmende Barriere und ein Spezialschiff dieses wieder einsammeln. Der Schaden durch einen dünnen Ölfilm - entstanden bei der Suche nach Vermissten - soll sich in Grenzen halten und die Natur um die Insel nicht gefährden.
Droht das Schiff unterzugehen oder liegt es stabil?
Die «Costa Concordia» hat sich in den Tagen nach der Havarie am 13. Januar immer wieder leicht bewegt. Diese Bewegungen werden von den Experten unter anderem per Satellit genau registriert. Zunächst wurde befürchtet, das gekenterte Schiff könnte bei einem schweren Sturm bis auf eine Tiefe von etwa 90 Metern absinken. Der Leiter des Krisenstabes, Franco Gabrielli, gab am Montag aber Entwarnung. Das Schiff sei stabil, das hätten umfangreiche Messungen erwiesen: «Die Gefahr besteht nicht mehr, dass es absinkt», beruhigte er.
Wie geht es mit dem Kapitän weiter?
In der Woche nach der Havarie stand der schwer beschuldigte Kapitän Francesco Schettino im Fokus. Der 52-Jährige steht unter Hausarrest, die Ergebnisse eines Drogentests müssen erst noch bekannt werden. Ihm werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Aber auch gegen den Vizekommandanten Ciro Ambrosio wird ermittelt. Und der Generalstaatsanwalt der Toskana, Beniamino Deidda, zeigt mit dem Finger auf die Reederei Costa Crociere und deren Entscheidungen: Der Arbeitgeber sei verantwortlich, er wähle auch den Kapitän aus.
roj/beu/news.de/dpa