Von Elke Silberer
Kinder schreien. Eltern versuchen verzweifelt, sie zu retten. Flammen schlagen ihnen entgegen. Von einem Moment auf dem anderen ist eine Familie zerstört. Drei kleine Kinder kommen bei einem Brand in Aachen um. Die Eltern überleben.
Es ist dieser Moment, den die Feuerwehrleute gefürchtet haben: Einen kleinen Körper nach dem anderen holen sie aus dem noch rauchenden Haus. Drei Stunden haben sie das Feuer in dem Einfamilienhäuschen bekämpft. Jeder von ihnen wusste: Da sind noch kleine Kinder drin. Für diese kleinen Jungs ist alles zu spät. Über einen Hubwagen ziehen die Wehrleute die leblosen Körper der zwei, vier und fünf Jahre alten Brüder über das Dach heraus. Sie lagen alle zusammen, unter dem Fenster des Kinderzimmers im ersten Stock.
Einige Helfer haben selbst Kinder in dem Alter, sagt Pater Georg, der Feuerwehrseelsorger. Direkt nachdem die Wehrleute die Kinder geborgen haben, wird er sie auf der Wache betreuen. Es ist das Ende eines unendlich traurigen Einsatzes, der mittags begann. Eltern haben bei dem Unglück auf grausame Weise drei kleine Kinder verloren. Sie selbst überlebten, körperlich beinahe unverletzt, aber seelisch tief schockiert, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.
Ursache für Feuer ist unklar
Stunden später gibt es nicht mal den Hauch einer Vermutung, was zu dem Unglück führte: technischer Defekt, Spiel mit dem Feuer, eine andere Unachtsamkeit - niemand weiß es, wahrscheinlich nicht mal die Eltern. Ein krimineller Akt wird jedenfalls ausgeschlossen.
Albert Wehren steht in der Kälte und erzählt sich die Eindrücke von der Seele. Wehren ist Eigentümer des Unglückshauses. Er hat es im August an die Familie vermietet, wie er sagt. Die Familie sei aus Süddeutschland gekommen, im August eingezogen. Mit seiner Frau räumte Wehren gerade den Mittagstisch ab, als er beim Blick aus dem Fenster den Rauch sah: «Da schlugen auch schon die Flammen aus dem Fenster.» Sein eigenes Haus steht direkt hinter dem Brandhaus. Seine Frau rief die Feuerwehr. Er packte den Feuerlöscher und rannte rüber.
Verzweifelte Löschversuche
«Der Vater kam mir entgegen und rief: ‹Feuer, Feuer. Die Kinder, die Kinder›.» Die Frau und das kleinste Kind hätten draußen gestanden. Verzweifelt habe sich der Mann den Feuerlöscher gepackt, sei wieder ins Haus und die Treppen hoch. Die Flammen hätten ihn zurückgedrängt. Dann war der Feuerlöscher leer. Verzweifelter Rückzug. Drei Kinder sind im oberen Stockwerk, eingeschlossen von den Flammen, die Eltern unten in Sicherheit, hilflos. Dann ist die Feuerwehr mit einem Großaufgebot da.
Im Erdgeschoss waren das Schlafzimmer der Eltern und des kleinsten Sohns, Küche und Esszimmer, erzählt der Eigentümer. Auf der ersten Etage und im ausgebauten Speicher waren weitere Kinderzimmer.
Drei endlos lange Stunden braucht die Feuerwehr, um die Flammen in der Doppelhaushälfte aus den 1960er Jahren zu löschen. Immer wieder lodern die Flammen auf. Am Ende liegt ein Teil des verkohlten Dachstuhls frei, dem äußerlich am schlimmsten zerstörten Teil des Hauses. Das Dach droht einzustürzen. Niemand von den Helfern betritt es. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, alles Jungen. Zwei von ihnen in der Schule, als ihre drei Brüder in den Flammen starben.
cvd/news.de/dpa