Von Hanns-Jochen Kaffsack
«Geh' an Bord zurück, verdammt!»: Mit diesen Worten versuchte Gregorio De Falco, den Kapitän der «Costa Concordia» zurück aufs Schiff zu bewegen. Nun feiert Italien den Seemann aus dem Hafenamt Livorno, der seit dem Unglück die Rettung koordiniert.
Die dramatischen Bilder der gekenterten «Costa Concordia» gehen um die Welt. Während Katastrophen-Kapitän Francesco Schettino am Pranger steht, weil er vorzeitig von Bord des 290-Meter-Schiffes gegangen ist, hat Italien aber auch einen neuen Helden gefunden: Fregattenkapitän Gregorio De Falco. Der 46-Jährige hatte im Hafenamt in Livorno Dienst, als die «Costa Concordia» vor der toskanischen Insel Giglio kenterte. Entrüstet redete er in der Unglücksnacht auf den Kapitän ein: «Geh' an Bord zurück, verdammt!»
Seine eindringlichen Forderungen finden sich in allen Medien - mitsamt den merkwürdigen Antworten Schettinos wie etwa: «Nein, ich bin nicht an Bord, weil das Schiff untergeht.» Vor allem das Internet ist voller Lobeshymnen auf De Falco, der seit dem Unglück nonstop die Rettungsarbeiten koordiniert. Selbst seine beiden kleinen Töchter Maria Rosaria und Carla riefen besorgt bei ihm an. Sie wollten wissen, ob er überhaupt noch lebe und wo er sich aufhalte.
De Falco wird im Netz gefeiert
«Er hat vor Wut geweint», wird ein Vorgesetzter De Falcos in der römischen Tageszeitung La Repubblica zitiert. Demnach sagte De Falco: «Ja, ich weine, aber ich denke nicht, dass das eine Schwäche ist, Menschlichkeit ist keine Schwäche.»
Im nächtlichen Funkgespräch mit dem Kapitän konnte De Falco seine Wut nicht verbergen: «Gehen Sie an Bord und sagen Sie mir, wie viele Menschen an Bord sind - ob Frauen, Kinder und Hilfsbedürftige dort sind.» Fluchend und drohend redete der Chef der operativen Sektion des Hafenamtes auf Francesco Schettino ein.
Noch während De Falco die Rettungsarbeiten koordiniert, feiert ihn die Internetgemeinde. «De Falco for President» und «Santo subito» hieß es bei Twitter. De Falco sei das Gesicht des besseren Italien und ein Symbol, an das man glauben könne. Er stehe für ein Land, das sich an Regeln halte - «gegen das des Bunga-Bunga», hieß es ebenfalls bei Twitter in Anspielung an die Affären des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi. Doch sei das Land auch noch «voller Schettinos».
De Falco: «Es ist meine Aufgabe zu retten»
Der schlanke Hafenamts-Kommandant mit dem gelichteten Haarschopf kommt - wie Schettino - aus der Region Kampanien. Er wuchs auf der Insel Ischia auf und zog später zum Berufsstart nach Norditalien. Er arbeitete in Ligurien, leitete drei Jahre lang das Hafenamt von Santa Margherita Ligure. Danach ging es nach Livorno.
De Falcos Frau wundert sich über das viele Lob für ihren Mann. Sie finde es besorgniserregend, «dass Menschen, die einfach nur jeden Tag ihre Pflicht tun, in diesem Land plötzlich Idole werden, Persönlichkeiten, Helden», wird sie in Medien zitiert. Auch De Falco selbst macht nicht viel Aufhebens um sich. «Hört auf, von mir zu reden, bitte», zitieren ihn italienische Medien. «Es ist meine Aufgabe zu retten.»
Trotz «Costa Concordia»: Kreuzfahrtboom hält an
Trotz des tragischen Unglücks vor der Insel Giglio hält der Kreuzfahrtboom weiter an. Das teilte das Reisebuchungsportal ab-in-den-urlaub.de mit, das ebenso wie news.de zur Leipziger Unister-Gruppe gehört. Über ab-in-den-urlaub.de werden jährlich Tausende Kreuzfahrten vermittelt. Die vom Unglück betroffene Reederei Costa Crociere sei, wie andere Reedereien auch, auf ab-in-den-urlaub.de von umfangreichen Stornierungen nicht betroffen. «Da die Reisen, mit Ausnahme auf der ‹Costa Concordia›, wie geplant stattfinden, ist von einer vorschnellen Stornierung abzuraten», so Ralph Michaelsen, Tourismus-Chef von Unister. Wer dennoch storniert, müsse mit Kosten in Höhe von 20 bis 95 Prozent des Reisepreises rechnen. Je später man storniere, desto höher sei die Gebühr.
Wer bereits eine Kreuzfahrt gebucht hat und nun unsicher ist, solle am besten Kontakt mit der jeweiligen Reederei aufnehmen, raten die Experten von ab-in-den-urlaub.de. Grundsätzlich seien Urlaube auf Kreuzfahrtschiffen aber nach wie vor sehr sicher.
jag/phs/news.de/dpa
Schettino hat keine Ehre. Er gehört mit Recht an den Pranger. Ein Schiff hat einen Kapitän. Und der ist nun mal für alles an Bord verantwortlich. Und das bis zum Schluß. Da gibt es überhaupt nix zu diskutieren. Schon gar nicht wenn dieser sein Schiff an Land setzt. Ein Witz das überhaupt jemand bei so groben Navigationsfehlern noch die Frage nach der Verantwortlichkeit stellt.
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