Sa., 26.05.12

Nazi-Leaks 06.01.2012 Auch Rechte haben Rechte

news.de-Redakteur Jan Grundmann (Foto)
news.de-Redakteur Jan Grundmann Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Seit einigen Tagen sind Adressen und Telefonnummern Hunderter Menschen im Netz, die für die NPD gespendet oder bei rechten Versandhäusern eingekauft haben sollen. Man kann die Gesinnung dieser Menschen blöd finden. Doch eine öffentliche Stigmatisierung rechtfertigt das noch lange nicht.

Die Hackergruppe Anonymous rühmt sich für ihren Scoop: Da wurden Kundendaten nationaler Versandhäuser abgesaugt und im Netz veröffentlicht. Mit vollständigem Namen, vollständiger Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Dazu kommen Datum, IP-Adresse des Seitenbesuchs und Bestellhinweise. Ebenfalls unter nazi-leaks.net (und einer wachsenden Zahl von Seiten, auf denen eine Kopie der Daten veröffentlicht wurde) stehen NPD-Spenderlisten, ebenfalls mit kompletten Namen und vollständiger Adresse.

Ist diese Aktion von Anonymous legitim? Es ist eine Gruppe, die sich durchaus politisch versteht, und Seiten von staatlichen Behörden, Kreditinstituten, Urheberrechtsgesellschaften wie die Gema attackiert.

Im Fall der Nazi-Leaks gilt: Natürlich kann man, sollte man die rechte Gesinnung verteufeln. Doch Anonymous stellt Hunderte Menschen an den Pranger. Einige sicher zu Recht, die vielleicht über ein derart grundrechtsfeindliches Weltbild verfügen, dass sie damit zumindest in Frage stellen, ob für sie selbst noch Grundrechte gelten. Etwa Persönlichkeitsschutzrechte, die mit der Veröffentlichung der persönlichen Daten verletzt werden.

Doch alle NPD-Spender, alle nationalen Versandhaus-Besteller über einen Kamm zu scheren, das geht zu weit. Darunter sind Menschen, die der NPD vielleicht einmal zehn Euro gespendet haben. Darunter sind Menschen, die eins, zwei Rechtsrock-Platten bestellt haben. Sie müssen nun mit Anfeindungen und Angst vor Übergriffen leben. Sie müssen sich Gedanken machen, wie sie ihre Familie schützen können. Diese Menschen müssen noch lange keine Feinde der Demokratie sein, die eben eine Breite von Meinungen aushalten muss. Wer allen mutmaßlichen Rechten die Schutzrechte abspricht und sie im Netz bloßstellt,  liebe Anonymous-Hacker, der handelt selbst menschenverachtend.

mik/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Abbadon
  • Kommentar 5
  • 12.03.2012 07:40
 

Alles richtig, doch besonders sollte man als Privatperson darauf achten, sich nicht zeigen zu lassen worüber man sich aufregen soll. Es gibt allerlei schlimmere Grundrechtsverletzungen über die kein Wort verloren wird weil sie nicht im Fokus der Medien liegen. Lasst euch nicht dauernd derart ablenken!

jetzt antwortenKommentar melden
  • GesunderKritiker
  • Kommentar 4
  • 05.02.2012 10:53
 Antwort auf Kommentar 3

Alles was mit Verherrlichung bzw.Verharmlosung von Gewalt zu tun hat,muß sehr aufmerksam beobachtet und zu recht gewiesen werden,um schlimmeres zu vermeiden.Haltet die Augen auf und die Ohren steif! Wer nicht aus der Geschichte lernt,wird zugrunde gehen...

jetzt antwortenKommentar melden
  • U.Schmidt
  • Kommentar 3
  • 19.01.2012 11:14
 

Der neue Faschismus tritt auf im Gewande des Antifaschismus und sagt: "Ich bin der Antifaschismus!" Zitat nicht von mir, aber trotzdem richtig.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Pro Libertate
  • Kommentar 2
  • 08.01.2012 09:30
 

Nazi Methoden gegen Nazis durch linke Faschisten? Ist ja wunderbar, direkt zurück in die 30er Jahre... Schade, dass der Kommunismus nicht genau so geächtet wurde, wie der National-Sozialismus. Dabei hat der Kommunismus viel mehr Opfer verursacht - 12 Millionen Zivilopfer, in KZs umgebracht, ca. 100 Millionen in der UdSSR, Mao's China, dem Kambodscha des Pol Pot... Also Linke sollten sich extrem in Acht nehmen. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Stahl
  • Kommentar 1
  • 06.01.2012 13:57
 

Wann wird die selbsternannte Vorkämpferin für den Datenschutz Frau Leuthäuser-Schnarrenberger diese Straftat, §202a StGB, öffentlich anprangern und verurteilen ? Garnicht -denn diese Rechtsverletzung trifft ja die bösen Rechten, die es verdient haben, und nicht die guten Linken, zu denen sich unsere Justizministerin selber zählt.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige