Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Ein Brite verteilt 50-Pfund-Scheine in Einkaufswagen, ein anonymer Spender schenkt Braunschweig 50.000 Euro. Seit Jahrzehnten untersuchen Forscher, was Menschen zu Wohltätern macht. Und die Spendenindustrie nutzt Tricks, die ihre Tücken haben.
Heerscharen von Priestern predigen allsonntäglich darüber, aber auch die Ungläubigen lässt die Frage nicht los: Will ich anderen Gutes tun? Sollte ich? Müsste ich nicht eigentlich was spenden? Aber wem, und wie viel? Millionen Menschen entscheiden sich dafür, für das Jahr 2010 verbucht der Deutsche Spendenrat 2,3 Milliarden Euro.
Spektakulärer ist es allerdings, wenn sich mal wieder ein anonymer Wohltäter hervortut. Wie am Heiligabend in einem Londoner Supermarkt, als einMannUmschläge mit 50-Pfund-Noten in fremde Einkaufswagen legte. «Ich habe vor kurzem das Glück gehabt, reich zu werden, und habemehr Geldals ich für mich und meine Familie brauche», stand auf beigelegten Notizen.
Die Stadt Braunschweig fand an den Weihnachtsfeiertagen50.000Euro in 500er Scheinen im Briefkasten. Im selben Kuvert steckten Zeitungsausschnitte, die den Regierenden offenbar mitteilen sollen, welchen Projekten das Geld zugute kommen soll. Jedoch kein Bekennerschreiben.
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Der Erlanger Soziologieprofessor Frank Adloff hat sich damit auseinandergesetzt, warum Menschen Gutes tun, sich «prosozial verhalten», wie die Wissenschaft es nennt. Fälle anonymem Spendertums wie in London oder Braunschweig sind für ihn Skurrilitäten, über deren Motive spekuliert er nur ungern. Vielleicht trotz aller Anonymität eine Spur Geltungssucht, weil es am nächsten Tag in der Zeitung steht? Doch auch völligen Altruismus will er nicht ausschließen. «Aber das Paradebeispiel für die anonyme Spende ist doch eigentlich die alltägliche, zum Beispiel ans Rote Kreuz. Die wissen zwar den Namen, faktisch ist es aber anonym», sagt Adloff.
Wissenschaftler erforschen das Spendertum
Die Frage, warum wir uns wohltätig betätigen, ist ein beliebtes Feld für Soziologen und Psychologen. Eine ganze Flut von Studien analysiert, unter welchen Umständen Menschen helfen oder eben nicht. Aufgeschreckt wurde die Forschung durch einen schrecklichen Vorfall in den 1960er Jahren: Eine New Yorkerin wird in ihrem Haus überfallen und gequält, 38 Anwohner beobachten es, niemand tut etwas, nicht einmal der Notruf wird gewählt. Warum nicht?
1968 luden die US-Psychologen John Darley und Bibb Latané junge Leute ein, um über Probleme im Studium zu sprechen. Das zumindest denken die. Jeder sitzt allein in einer Kabine und ist über Kopfhörer mit den anderen verbunden. Plötzlich wird ein epileptischer Anfall eingespielt, jemand bittet um Hilfe. Einige Probanden glauben, nur sie selbst hörten den Hilferuf, andere glaubten, mehrere Leuten würden mithören. Das Resultat: Je mehr Anwesende vermutet werden, desto geringer ist die Hilfsbereitschaft. Der Begriff «Verantwortungsdiffusion» entstand - und die lag wohl auch damals in New York vor.
John Darley führte 1970 auch ein weiteres Klassikerexperiment durch. Theologiestudenten sollen einen Vortrag vorbereiten, eine Gruppe über den barmherzigen Samariter, die andere über Karrierechancen. Sie werden in ein anderes Gebäude geschickt, allerdings wird ihnen ein unterschiedlicher Zeitdruck vermittelt. Nun sitzt auf dem Weg zum Vortrag ein röchelnder, zusammengesunkener Mann.
Studenten, die sich auf den barmherzigen Samariter vorbereitet haben, sind nicht hilfsbereiter, sondern der Zeitdruck spielt die entscheidende Rolle. Darley schließt daraus, dass gerade akute Hilfsbereitschaft stärker von äußeren Faktoren als inneren Einstellungen abhängt.
@Schabernac: Das mit der Reduzierung der Geburtenrate kann da nicht so funktionieren wie du es dir vorstellst. Selbst wenn da solch n Verbot wie in China in Kraft treten würde; das eigentliche Problem, wieso das nicht funktionieren kann, sind die ganzen VERGEWALTIGUNGEN, welche tagtäglich bei den meisten Frauen, selbst in Flüchtlingslagern, stattfinden.
jetzt antwortenKommentar meldenIch spende jedes Jahr ein bisschen. Natürlich weiß man, dass nicht alles ankommt, aber dann muss man halt seriöse Angebote suchen. Die gibt es ja auch.
jetzt antwortenKommentar meldenZunächst ich spende nicht,weil immer wieder mit traurigen Bildern auf das Portemonaie abgeziehlt wird. Warum wird denn zB.in den sogenannten Hunger-Gebieten, die komischer Weise immer wiederkehrende Hungersnöte propagiert,anstatt der Bevölkerung beizubringen, weniger Kinder in die Welt zu setzen?. Aufklärung sollte am Anfang der Hilfswelle stehen anstatt zunächst Gelder zu schicken.Gibt es eigentlich Statistiken, wenn Hungersnöte behoben wurde über den Zuwachs der entsprechenden Bevölkerungen? Außer traurigen Bildern habe ich so gut wie keinerlei nachhaltige Erfolge über Selbsthilfe gesehen.
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