Zwei Männer starben in Deutschland, zahlreiche Personen wurden verletzt oder durch Böller verstümmelt, auf den Philippinen sind 500 Menschen Opfer von Feuerwerkskörpern geworden - das Jahr begann vielerorts blutig.
Bei der Explosion eines womöglich selbst gebauten Böllers ist in Göppingen (Baden-Württemberg) ein 27-Jähriger in der Neujahrsnacht ums Leben gekommen. Der Knallkörper explodierte in der Hand des Mannes, wie die Polizei mitteilte. Er starb im Rettungswagen. Ersten Ermittlungen nach stammte der Böller nicht aus dem freien Handel. Die Polizei ermittelt, ob der Mann ihn selbst gebaut hatte. Bei der Explosion wurden zudem ein 20- und 39-Jähriger leicht verletzt.
In Siegen (Nordrhein-Westfalen) kam es bei einer privaten Silvesterfeier zu einer tödlichen Messerstecherei. Zwei 55 und 56 Jahre alte Männer hätten gemeinsam mit einer 65-Jährigen gefeiert, berichteten Staatsanwaltschaft und Polizei. Noch vor Mitternacht seien die Männer in Streit geraten. Dabei habe der 55-Jährige den älteren Mann mit mehreren Messerstichen verletzt. Das Opfer starb am Neujahrsmorgen im Krankenhaus. Der 55-Jährige wurde festgenommen.
Zu einer Schießerei, bei der in Bochum (Nordrhein-Westfalen) zwei Männer verletzt wurden, kam es am Neujahrsmorgen. Nähere Angaben zu dem Fall machte die Polizei zunächst nicht.
Verbrannte Haut und abgesprengte Finger
Das Unfallkrankenhaus Berlin verzeichnete etwa 15 Schwerverletzte, die sich mit Böllern und Raketen verbrannt oder Teile von Fingern und Händen abgesprengt hatten. Schwerster Fall sei ein 32-Jähriger am frühen Abend gewesen, der mehr als sieben Stunden lang an der Hand operiert werden musste, sagte Sprecherin Angela Kijewski.
Auch die Einsatzwagen der Polizei waren zum Jahreswechsel viel in Berlin unterwegs. Im Stadtteil Friedrichshain seien aus einer größeren Menschengruppe Steine auf vorbeifahrende Funkwagen geworfen worden, berichteten die Beamten. Zwei Polizisten wurden von Glassplittern an den Augen verletzt und mussten ins Krankenhaus. An derselben Stelle kam es zu einer Messerstecherei, bei der ein Mensch schwer verletzt wurde.
In Leipzig löste die Polizei eine Ansammlung von 500 Menschen auf, die gemeinsam auf den Jahreswechsel anstoßen wollten. Im Verlauf der Straßenparty wurden den Angaben zufolge Polizisten mit Böllern und Raketen attackiert sowie mit Steinen und Flaschen beworfen. Dabei wurden zwei Beamte jeweils leicht verletzt. Schließlich setzte die Polizei Reizgas ein und räumte die Straßenzüge. Elf Menschen kam in Gewahrsam.
Abgebrannte Häuser und mehr als 500 Verletzte auf den Philippinen
In Ostfriesland setzte eine Silvesterrakete in der Neujahrsnacht ein Reetdachhaus in Brand. Das Gebäude in Großefehn im Kreis Aurich brannte komplett aus, berichtete die Polizei. Menschen wurden nicht verletzt. Anders bei einem Wohnungsbrand in Ludwigshafen. Dort erlitten am Sonntag neun Menschen Rauchgasvergiftungen. Auslöser waren vermutlich Feuerwerkskörper, der Brand ging nach Angaben der Feuerwehr vom Balkon aus. Bei einem Feuer in einem Keller in Frankfurt am Main erlitten 14 Personen in der Nacht eine Rauchgasvergiftung, wie die Feuerwehr mitteilte. Ob die Knallerei den Brand ausgelöst hatte, war zunächst aber unklar.
Auch auf den Philippinen endete die Silvesternacht blutig: Trotz drastischer Warnungen der Regierung vor gefährlichen Feuerwerkskörpern sind bei Silvesterfeiern fast 500 Menschen verletzt worden. Mindestens 65 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Jesse Robredo festgenommen, weil sie illegal besonders große Feuerwerkskörper verwendeten. Landesweit waren vor Mitternacht Dutzende Krankenhäuser in Alarmbereitschaft versetzt worden.
Gesundheitsminister Enrique Ona sagte, 454 Menschen seien von Feuerwerk, 18 weitere von Irrläufern aus Waffen verletzt worden. Viele Philippiner wollen zu Silvester mit riesigen Feuerwerkskörpern Unglück vertreiben. Wegen dichten Pulverdampfs infolge der Silvesterkracher mussten auf dem Flughafen von Manila etwa ein Dutzend Flüge abgesagt oder umgeleitet werden.
In Rom hat ein Mann in seiner Wohnung Feuerwerkskörper gezündet und damit das gesamte Haus zerstört. Die Feuerwerkskörper führten in der Silvesternacht zu einer Explosion, der Mann kam ums Leben. Mehrere Bewohner des Hauses wurden verletzt. Bürgermeister Gianni Alemanno sagte am Sonntag dem Sender Sky TG24 TV, der Mann sei als illegaler Händler von Feuerwerkskörpern der Polizei bekannt gewesen. In ganz Italien wurden Dutzende Feiernde durch Silvesterkracher verletzt, mehrere verloren Finger oder erlitten Verletzungen an den Augen. Einem Mann musste die Hand abgenommen werden. In Neapel wurde ein Mann am Samstagabend vor seinem Restaurant erschossen. Die Behörden ermittelten noch, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag der Mafia handelte.
Kalte Dusche für verletzte Party-Patienten
Schmerzhaft und ein wenig kurios verlief das Silvesterfest im neuseeländischen Wellington. Eine Freiluft-Silvesterparty ist durch heftigen Regen zu einem folgenreichen Matschfest geworden. Dutzende Besucher des Coromandel-Musikfestivals bei Whitianga rutschten aus und brachen oder verstauchten sich Knochen. Weil die Patienten völlig verdreckt im Krankenhaus ankamen, spritzten Pfleger sie vor der Tür erstmal mit dem Schlauch ab, berichtete die Zeitung Herald on Sunday am Neujahrstag.
«Viele waren so verschmutzt, dass man erst gar nicht sehen konnte, was ihnen fehlte», berichtete die Direktorin im Thames-Krankenhaus, Ruth Large, der Zeitung. «Der Matsch verteilte sich auch in den Fluren, das war ziemlich gefährlich - deshalb haben wir beschlossen, die Leute auf dem Parkplatz erst abzuspritzen.» Viele der 12.500 Partygänger waren im Schlamm ausgerutscht. «Wir hatten zwei gebrochene Knöchel, sowie gebrochene Arme, Schultern und ein Becken und dazu jede Menge Beulen und Hautabschürfungen», sagte Large
som/cvd/news.de/dapd/dpa