Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Adolf B. hat mit seiner Tochter geschlafen, jahrzehntelang. Das Gericht entschied: Keine Vergewaltigung, aber Inzest. Dafür gibt es nur 32 Monate Gefängnis. Zu wenig für einen Mann, der nicht nur seine Rolle als Familienoberhaupt missbraucht hat.
Zwei Jahre und acht Monate muss Adolf B. ins Gefängnis. Der Vorwurf: Er soll seit 1982 Sex mit seiner Tochter gehabt haben.
«Sie wollte es», sagt er. «Er hat mich vergewaltigt», sagt sie. Drei Kinder entstanden aus dieser Konstellation, zwei starben früh. Alle drei waren oder sind behindert.
Er behauptet: Das erste Mal hatten sie Sex, als sie 16 oder 17 war. Die Initiative sei von ihr ausgegangen.
Sie spricht von Vergewaltigung. Erstmals mit 14 oder 15 Jahren. Ihr Vater soll sie geschlagen haben. Mit dem Tode gedroht haben. Sie hatte Angst.
Das Gericht hat nun entschieden: Inzest ja, Vergewaltigung nein. Zu unglaubwürdig sei die Tochter, heißt es. Man glaubte dem Vater, dass beide den Sex gewollt hatten. Denn das ist unbestreitbar: Vater und Tochter hatten Sex.
Zwei Jahre und acht Monate Gefängnis gegen 29 oder 34 Jahre Inzest. Renate B. war abhängig von ihrem Vater, sie liebte ihn. Ob sie 14 oder 17 Jahre alt war, als sie das erste Mal mit ihrem Vater schlief: zweitrangig. Sie war von ihm abhängig, er nutzte es aus. Nicht einmal, nicht zweimal. Über Jahrzehnte. Ob er Gewalt angewendet hat oder nicht: Das Geheimnis zwischen den beiden ließ Renate B. verstummen. Vielleicht dachte sie auch, es sei normal. Der Vater wusste, dass es nicht normal ist. Er hat trotzdem weitergemacht. Drei Jahrzehnte lang.
Zwei Jahre und acht Monate sind wenig. Zu wenig für einen Mann, der sein Kind missbraucht hat. Der zu seiner Tochter in das Kinderzimmer kam und sich zu ihr ins Bett legte, der mit ihr im Sommer mit dem Auto in den Wald fuhr. Sex auf der Rückbank eines Wagens, den hat man mit seinem ersten Freund, nicht mit seinem Vater.
Er war das Familienoberhaupt, ein Vorbild für seine Tochter. Sie war das Kind. Er hat seine Position ausgenutzt. Immer wieder. Das ist nicht nur Inzest, das ist Missbrauch.
mik/news.de