Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn Fans zur Tastatur greifen. Auf Internetseiten veröffentlichen sie Geschichten, in denen es vor allem um eines geht: dem geliebten Star ganz nah zu sein. Was dabei herauskommt, ist nicht immer jugendfrei.
Coco bekommt ein Kind von DSDS-Teilnehmer Fady Maalouf, Franzi singt für Bill Kaulitz von Tokio Hotel wie ein Engel und erobert sein Herz und Jennifer und Justin Bieber tanzen gemeinsam in Richtung Liebe. Bevor nun die Fans unter den Lesern anfangen zu weinen: bitte weiterlesen.
Natürlich bekommt Coco kein Kind, auch singt Franzi nicht gemeinsam mit Bill Kaulitz und Justin Bieber hat keine neue Choreographin. Es sind nur Geschichten, Fan-Fiktion, nennt sich das. Fans schreiben Geschichten und nehmen ihre Stars als Hauptfigur. Keine Frage, dass es oft um die ganz große Liebe geht. Wo sonst kann man seinem Idol so nahe kommen wie in der selbst geschriebenen Geschichte? In einer Erzählung, in der die einfache Schülerin zur begehrten Sängerin wird und das Herz ihres Schwarms erweicht?
Wenn Spock und Captain Kirk in der Kiste landen...
Entstanden ist diese Unterform der Literatur aus der Literatur selbst. Wer eine Person aus einer Geschichte gut fand, spann eine weitere Erzählung um sie herum. So entstanden um einzelne Figuren ganze Universen - aber erst mit dem Fantum um die Serie Star Trek nahm die Fan-Fiktion richtig Fahrt auf. Es entwickelte sich ein Subgenre: Slash.
Bei Slash-Fiktion handelt es sich um Geschichten mit homosexuellem Inhalt. Das erste Paar: Spock und Captain Kirk. Die erotische Spannung zwischen den beiden, die - angeblich - da war, animierte ungezählte Fans dazu, eigene Geschichten um die heimliche Liebe zu schreiben. Mittlerweile gibt es das auch für andere männliche Paare, nicht nur aus Serien: House und Wilson von Dr House, Harry Potter und Draco Malfoy aus dem Harry Potter-Universum oder der Fußballspieler Miro Klose mit ganz vielen anderen Männern. Interessant dabei: Viele dieser schwulen Phantasien stammen von Frauen.
Manche Autoren bekommen selber einen Hauch von Berühmtheit
Nicht immer geht es in den Geschichten um eine Beziehung zwischen Männern - und nicht immer sind die Erzählungen jugendfrei. Erotische Abenteuer mit Bella und Edward aus der Twilight-Reihe ist beispielsweise erst nach einer Altersangabe zu sehen. Zu explizit sind die Beschreibungen der Vorlieben der zwei Vampire. Ebenso einige Geschichten um Justin Bieber, der doch eigentlich ganz brav mit Selena Gomez zusammen ist. In den Erzählungen machen die Fans das, was sie gerne mit ihren Stars machen würden - feuchte Träume in Wortform.
Um einen hohen Qualitätsstandard zu gewähren, gibt es in vielen Foren, auf denen Fan-Fiktion veröffentlicht wird, die so genannten Beta-Leser. Sie lesen Korrektur, geben Hinweise und machen die Arbeit von professionellen Lektoren. Und manche Autoren von Fan-Fiktion schaffen es sogar ganz weit: Die 49 Jahre alte Melissa Good schrieb eine ganze Weile Geschichten über das Xena-Universum. Erzählungen über Helden und mythische Gestalten. Mittlerweile hat sie sechs Bücher veröffentlicht und zwei Drehbücher für «ihre» Serie geschrieben. Aber die meisten Autoren bleiben unbekannt.
iwi/news.de