Sa., 26.05.12

Schweinegrippe-Impfstoff 29.11.2011 130 Millionen Euro brennen im Müllkraftwerk

schweinegrippe (Foto)
Das Volk blieb tapfer gegen die Schweinegrippe. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Wir haben uns alle mitreißen lassen: Journalisten, Wissenschaftler, Politiker. Die Schweinegrippe, obwohl stets harmlos, war in aller Munde. Nur das Volk blieb cool, es ließ sich einfach nicht impfen. Deshalb werden heute 16 Millionen Dosen verbrannt.

Da geht er in Rauch auf, der Impfstoff gegen die Pandemie. 130 Millionen Euro in Form von 16 Millionen Dosen Pandemrix quellen durch den Schornstein des Magdeburger Müllheizkraftwerks. Ein bisschen Strom wird es noch erzeugen, das Wundermittel der Medizinmänner von GlaxoSmithKline, in Magdeburg deshalb, weil die dortige Anlage ein besonders günstiges Angebot vorlegte: Für 10.000 Euro entsorgt sie die 196 Paletten des zu Sondermüll verkommenen Serums.

Alles in allem zahlen die Länder 239 Millionen Euro drauf, weil von den 34 Millionen bestellten Dosen 28,7 Millionen übrig blieben und die Krankenkassen nur Kosten für den verwendeten Impfstoff übernimmt. Die restlichen Portionen werden anderweitig entsorgt.

Die Finger haben wir uns wundgeschrieben vor zwei Jahren, allein 236 Artikel sind auf news.de unter dem Stichwort Schweinegrippe zu finden, mit diesem dann 237. Vielleicht bringen wir es auf 239, das wäre dann für jede verlorene Euro-Million einer. Zwar war uns die ganze Zeit über ein wenig unwohl, erkrankten doch hierzulande kaum Menschen an dieser weltumspannenden Seuche, geschweige denn schwer. 252 Opfer forderte H1N1 am Ende in Deutschland, und wenn auch natürlich jeder Todesfall traurig ist, so sterben doch in einer normalen Grippesaison etwa 20 Mal so viele Menschen.

Doch die WHO warnte, sie warnte eindringlich und immer wieder vor einer todbringenden Grippewelle, am 11. Juni 2009 hatten wir die Pandemie. Schreckensbilder wurden an die Wand geworfen von der Spanischen Grippe, der weltweit 25 bis 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Nur das Volk blieb resistent

Wir stellten zwar Desinfektionsmittel in die Badezimmer, wollten uns der Panikmache aber nicht beugen. Doch der Schweinegrippenkongress in Erfurt und die Diskussion um die drei verschiedenen Impfstoffe mit den klangvollen Namen Pandemrix, Focetria und Celvapan aus den kaum weniger wohlklingenden Häusern GlaxoSmithKline, Novartis und Baxter brachte uns wieder auf Kurs, dass sich das hier möglicherweise doch noch zu einer Plage biblischen Ausmaßes auswachsen könnte. Ein wilder Streit um die umstrittenen Wirkstoffverstärker entbrannte, ein risikoärmerer Impfstoff für die Bundeswehr entzündete Volkes Zorn, und im Schneeballsystem lieferte uns H1N1 trotz seiner offenkundigen Harmlosigkeit eine Saison lang zuverlässig Nachrichten.

Die drei Medizingiganten rieben sich die Hände. Milliarden haben sie weltweit eingestrichen für den Impfstoff, den niemand wollte und kaum jemand brauchte. Und die WHO hat sich dafür vor den Karren spannen lassen. Wie abgekartert das Spiel war, ist noch nicht ergründet. Verdächtig bleibt es allemal, dass ein weltweites Heer von Wissenschaftlern keine realistischeren Prognosen zuwege brachte.

Nicht ins Boxhorn jagen lassen haben sich die Bürger. Nur 5,3 Millionen ließen sich hierzulande impfen – trotz der eindringlichen Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts und des Gehampels der Medien blieb das Volk offenbar resistent. Gegen die Erreger und die Panik. 

jag/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • jupp
  • Kommentar 2
  • 29.11.2011 19:11
 

Es ist wie mit den Wirtschaftsweisen oder wie bei einem Fußballspiel. Am Anfang wissen alle, wie es ausgeht und am Ende wissen alle, warum es anders ausgegangen ist - Wissenschaftler, hoch dotiert.

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  • marty
  • Kommentar 1
  • 29.11.2011 15:40
 

Jam ja! Prognosen sind halt schwierig, besonders wenn es sich um die Zukunft handelt! marty

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