Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Vor fünf Jahren lief Bastian B. in Emsdetten Amok, zweieinhalb Jahre später richtete Tim K. in Winnenden ein Blutbad an. Der Ruf nach mehr Sicherheit in der Schule wurde laut. Heute steht fest: Der Wille ist da, nur fehlt meistens das Geld.
Es ist kurz vor halb zehn an diesem 20. November 2006, als Bastian B. die Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten betritt. Mit mehreren Waffen schießt er wild um sich und zündet Rauchbomben in der Schule. Fünf Personen werden verletzt, 32 weitere müssen wegen Rauchvergiftung oder Schock ins Krankenhaus. Bastian B. steckt sich nach seiner Tat eine Waffe in den Mund und richtet sich selbst.
Fünf Jahre ist das nun her. Fünf Jahre, in denen weitere Gewalttaten an Schulen folgten, die zeigten, wie verwundbar wir sind. Auch heute noch. Denn: «Absolute Sicherheit gibt es nicht», sagt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, zu news.de. Vor allem bei großen Schulen, die täglich von 3000 bis 5000 Schülern besucht werden, sei es eine Utopie zu glauben, dass man Unberechtigte ausschließen könne. «Ein Amoktäter, der es auf den größtmöglichen Schaden anlegt, wird immer einen Zugang in die Schule finden», sagt Kraus weiter. Da die Täter meist selbst auf der Schule waren oder sind, kennen sie die Gegebenheiten vor Ort sehr gut.
So wie Tim K., der am 11. März 2009 in seiner ehemaligen Schule in Winnenden neun Schüler und einen Lehrer tötete. Auf seiner Flucht erschoss er drei weitere Menschen und sich selbst. «Es muss etwas passieren, auch wenn es viel Geld kostet», forderte daraufhin der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. Zusammen mit Psychologen, Kriminologen und Schulpersonal arbeitete er ein Gutachten aus, das Handlungsempfehlungen zur Prävention, Intervention und Opferhilfe gibt - auch über die Geschehnisse in Winnenden hinaus.
Empfehlungen sind da, aber das Geld fehlt meist
Hesky machte damals deutlich, dass die Schulen hierzulande nicht ausreichend geschützt seien. Heute sieht er das etwas differenzierter. «Technisch haben viele Schulen nachgerüstet in Sachen Sicherheit, überall werden veraltete Schließanlagen ausgewechselt oder angepasst sowie Durchsage- und Alarmierungssysteme auf den neuesten Stand gebracht», sagt er zu news.de.
Auch Kameras, Metalldetektoren und patroullierende Polizisten waren in der Vergangenheit immer wieder im Gespräch. Einige Maßnahmen wurden umgesetzt, andere wieder verworfen. Bundesweit einheitliche Regelungen gibt es nicht. Lediglich Empfehlungen für die einzelnen Bundesländer. In Bayern ist das laut Kraus beispielsweise ein 30-seitiges Papier des Innenministeriums, das in der Umsetzung jedoch ganz individuell gestaltet werden muss - je nach baulicher Beschaffenheit einer Schule.
Und natürlich je nach finanzieller Lage. «Wenn eine Schule nachrüstet, dann ist das immer auch eine Kostenfrage», gibt Kraus zu bedenken. Der Lehrerverbandspräsident ist seit 1995 auch Direktor am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium im bayerischen Vilsbiburg. «Wenn ich an meiner Schule 60 Unterrichtsräume mit bestimmten Sicherheitstüren ausstatte, dann macht das 25.000 Euro», rechnet er vor. Auf Bundesebene kämen da schnell zwei-, wenn nicht sogar dreistellige Millionenbeträge zusammen. Das können sich viele Schulen und Kommunen nicht leisten.
Schulen sollen nicht zu Festungen werden
Oberbürgermeister Hesky weiß, dass noch viel zu tun ist, sieht aber nach dem Winnenden-Gutachten einen positiven Prozess hin zu mehr Sicherheit. Kraus kann dem nur zustimmen: «Im Großen und Ganzen können Eltern, Lehrer und Kinder beruhigt sein, was die Sicherheit der 42.000 Schulen in Deutschland betrifft.» Wichtig sei vor allem, dass Schulen nicht zu Hochsicherheitstrakten umgebaut werden. «Das offene Ohr und das offene Auge für Mitschüler, Schüler oder Nachbarskinder halte ich für viel wichtiger, als dass man sich mittels Technik in einer Sicherheit wiegt, die es nicht gibt.»
Wer bemerke, dass ein Heranwachsender in Gewaltphantasien schwelge, Waffen sammle oder exzessiv Tötungsspiele praktiziere, der solle Vertrauenspersonen und Profis zu Rate ziehen. Und einen weiteren Tipp gibt Kraus aus eigener Erfahrung: Immer sollte man auch die örtliche Polizei, Rettungsdienste und die Feuerwehr mit ins Boot holen. Denn sie sind es, die im Ernstfall schnell agieren müssen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Und auch finanziell dürften diese Maßnahmen im Rahmen bleiben.
som/ham/news.de
Was soll mehr Geld denn bringen? Am besten die staatlichen Schulen abschaffen - da spart man sogar massiv Geld! Es ist erwiesen, dass viel bessere Privatschulen mit kleinen Klassen (8 - 10 Schüler) WENIGER kosten, als der Staat pro Schüler ausgibt! Also wie in Schweden, Erziehungscoupons verteilen und jerder Familie erlauben, die Schule selbst zu wählen. Dann gibt es auch keine Amokläufe mehr.
jetzt antwortenKommentar meldenEinen 100 %-igen Schutz gibt es nicht. Und wie bekämpft man die Ursache??? Viel leichter gesagt, als getan. Aus Erfahrung weiß man, dass bei einem Amoklauf im Klassenzimmer verbarrikadierte Schüler die besten Chancen haben. Jede verschlossene Tür bremst den Täter aus, ebenso das Wissen, dass er kaum "Erfolg" haben wird. Zuerst muss die Sicherheit mit geringen Mitteln (auch ein Amokfall muss geübt werden) schnellstens verbessert werden. Alles was viel Geld und Zeit kostet, kommt nachrangig.
jetzt antwortenKommentar meldenFortsetzung: und bei Amokalarm rennen alle Schüler dem Amokläufer vor die Flinte. Verschiedene Alarme seien zu teuer? Eine 100 dB Sirene (Ton einstellbar) kostet im Selbstbau keine 10 €; Physikklassen oder Berufsschulen haben hier die Möglichkeit für praktischen Unterricht. Schalten lassen sich diese Sirenen über (verschlüsselte) Fernsteuerungen und ein kleiner Akku verhindert Stilllegung durch Stromausfall. Pro Schule ein Aufwand unter 1.000 €. Falls es den Hausmeister noch gibt, kann dieser Lochblenden vor die Sirenen montieren, falls diese sich in ungeschützten Bereichen befinden.
jetzt antwortenKommentar meldenUnd was bingt der ganze High-Tech-Kram ? Nix ! Wenn ein Amoklauf stattfindet nutz kein Klingelprofil oder Notruf. Ein Metalldetektor nutzt auch nix (mittlerweile nehmen die Schüler Mollotovcoktails). MAN SOLLTE DIE URSACHE BEKÄMPFEN.
jetzt antwortenKommentar meldenSchulen sind Sache der Länder, also unsere KuMis sind gefordert. Aber welcher KuMi hat schon Phantasie und einen Willen zum "Bessermachen"? Warum so teure Vorschläge? Wer braucht Pager im Handyzeitalter: im IT-Alter kann man spezielle Handyverteiler für die Lehrer anlegen. Wer will, kann sich zu diesem Absender ein eigenes Klingelprofil einstellen. Auch Gegensprechanlagen reizen die Schüler nur zum Vandalismus (die hören uns ab...). Amokalarm gibt es schon in vielen Schulen, leider oft verwechselbar zum Feueralarm. Das heißt, bei Feueralarm verbarrikadiert sich die Klasse im Klassenzimmer
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