Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Am Studenten vorbei refomiert: Das Deutschlandstipendium sollte eine neue Stipendienkultur schaffen. Millionen wurden dafür in Aussicht gestellt. Geld, das an anderer Stelle viel dringender gebraucht wird.
Die Idee klingt gut: Bis zu 160.000 Studenten sollen mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden. Für 2011 hat Bildungsministerin Annette Schavan zehn Millionen Euro versprochen. In den kommenden Jahren soll die Förderung weiter steigen. Ein ordentlicher Batzen Geld, der ein gutes Licht auf die Regierung werfen soll - in Wahrheit aber nur eines zeigt: Wie wenig die Regierung von Deutschlands Hochschulkultur weiß. Denn das Geld wird an anderer Stelle viel dringender benötigt.
Die Unis platzen aus allen Nähten. Mehr als eine halbe Million Studienanfänger gab es zum Wintersemester 2011/12, bescheinigen erste Hochrechnungen der Hochschulrektorenkonferenz. Unis müssen in Kinosäle und Kirchen umziehen, um der Studentenschwemme Herr zu werden. Viele bekommen nur noch einen Platz auf dem Fensterbrett - oder noch schlimmer: vor der Tür. Ein Deutschlandstipendiat, der vor der Tür sitzt? So hat sich das die Regierung sicher nicht vorgestellt.
Die Unis brauchen mehr Personal und klare Konzepte. Sie können nicht noch mehr Studenten aufnehmen, ohne etwas an den Lehrplänen, den Einschreibungsbedingungen für Vorlesungen und den Strukturen der Einrichtungen zu ändern. Diese Baustellen sollte die Regierung als erstes angehen. Hier sind die Millionen viel sinnvoller angelegt. Statt einzelne zu privilegieren, könnten viele Studenten profitieren.
mik/ham/news.de