Sa., 26.05.12

Gewaltsame Proteste 15.10.2011 Straßenschlachten in Rom

In Rom kam es zu schweren Straßenschlachten. (Foto)
In Rom kam es zu schweren Straßenschlachten. Bild: dapd

Von Katie Kahle

Über 100.000 «Empörte» versammelten sich zu einer Massenkundgebung gegen soziale Missstände. Autonome lieferten sich aus dem Protestzug heraus Straßenschlachten mit der Polizei. Nach dem Vertrauensvotum im Parlament für Berlusconi waren Randale befürchtet worden.

Bei einer Großkundgebung mit Zehntausenden «Empörten» in Rom ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen Autonomen und der Polizei gekommen. Eine Gruppe von laut Augenzeugenberichten mindestens 100 Vermummten zündete am Samstag auf der zentralen Via Cavour Autos an, deren Benzintanks explodierten. Mehrere Räume des Verteidigungsministeriums wurden durch Sprengsätze und Rauchbomben beschädigt, wie italienische Medien berichteten. In Rom hatten Globalisierungsgegner am weltweiten Aktionstag gegen die Macht der Banken die europaweit größte Kundgebung organisiert.

Im Zentrum der italienischen Hauptstadt drang eine Gruppe Autonomer in eine der abgesperrten archäologischen Stätten in der Nähe des Kolosseums ein. Eine Kirche wurde beschädigt. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt.

Ein 60-Jähriger sei im Gesicht verletzt worden bei dem Versuch, die Autonomen zu stoppen. Die friedlichen Demonstranten versuchten zeitweise, die Gewalttätigen zu isolieren. «Die haben von Anfang an nur zerstören wollen», berichtet der Teilnehmer Massimo der Nachrichtenagentur dpa. Der gebürtige Römer ist gegen Regierungschef Silvio Berlusconi. Sinnlose Zerstörung lehnt er ab. Andere Augenzeugen berichteten von mit Baseballschlägern bewaffneten Teenagern, die - schwarz gekleidet - Schaufenster einschlugen.

Verletzte auf beiden Seiten

Bis zum Abend lieferte sich die Gruppe der Vermummten heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Ein Polizeiwagen wurde angezündet. Die Beamten konnten im letzten Moment das brennende Fahrzeug verlassen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Autonomen vor. Diese hatten sich hinter Müllcontainern verbarrikadiert. Nach einem Bericht des italienischen TV-Senders La7 wurden mindestens 30 Menschen auf beiden Seiten verletzt. Ein Demonstrant verlor mehrere Finger bei der Explosion eines Knallkörpers.

Italienischen Online-Medien und TV-Sendern zufolge folgten mindestens 150.000 Menschen in Rom dem weltweiten Aufruf zum Protest der «Empörten». 750 Autobusse aus 80 italienischen Regionen waren am Tiber erwartet worden. Die Organisatoren rechneten mit bis zu 200.000 Demonstranten. Unter dem Motto «People of Europe, rise up!» (Völker Europas, steht auf) verlief der Demonstrationszug durch Rom.

Nach dem Sieg des umstrittenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei einer Vertrauensabstimmung am Freitag hatte die Polizei mit Zwischenfällen gerechnet. Bereits am Vormittag seien vier Personen aus anarchistischen Kreisen festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Eine Schleuderwaffe sowie 500 Glasmurmeln seien sichergestellt worden.

Die von der spanischen Protestbewegung der «Empörten» und der amerikanischen Bewegung «Occupy Wall Street» inspirierte Aktion richtet sich gegen «die Zerstörung der Rechte, des Allgemeinguts, der Arbeit und der Demokratie durch eine Anti-Krisenpolitik, die den Profit und die Finanzspekulation beschützt und rechtfertigt». Weltweit sollte die globale Protestwelle am Samstag alle fünf Kontinente und etwa 1000 Städte umfassen.

cvd/news.de/dpa
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