Sa., 26.05.12

Raubbau 27.09.2011 «Ich bin die Erde, ich kann nicht mehr!»

Erde (Foto)
Keine Ressourcen mehr, nun geht es ans Eingemachte. Leidtragende: die Erde.   Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Am 27. September sind die Rohstoffe der Erde aufgebraucht. Was die Menschheit bis dato produziert hat, ist weg. Bis zum Rest des Jahres greifen wir auf natürliche Reserven zurück. Deutschland ist schon im Mai ökologisch abgebrannt - Zeit zum Umdenken, fordert der WWF.

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Der Kühlschrank ist voll, schön kalt steht die Milch in der Tür. Der Käse liegt schon mit Trockenrand in der alten Tupperdose, das Brot ist hart - auf dem Weg zur Arbeit kaufen wir uns lieber schnell ein Brötchen auf die Hand.

Die Menschheit verbraucht, verbraucht und verbraucht. Viel mehr, als sie eigentlich benötigt. Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel landen im Müll. Woher die Nahrung kommt: aus dem Supermarktregal, natürlich. Woher sie eigentlich kommt: egal.

Jedes Jahr am 27. September ist der Welterschöpfungstag, die Erde hat genug. Beziehungsweise: Sie hat nicht mehr genug. Am 27. September jeden Jahres hat die Menschheit alle verfügbaren Ressourcen - Holz, Wasser, Energie, Lebensmittel - aufgebraucht, der Rest - das, was wir bis zum 31. Dezember benötigen - kommt aus dem Langzeitbestand. Der Mensch verbraucht mehr, als er selber produziert, selber produzieren kann. Und der Erde geht die Puste aus. Um unseren Bedarf zu decken, brauchen wir bei dem Wachstum der Bevölkerung schon in rund 40 Jahren eine zweite Erde.

Es ist eine große Sache, das Umdenken

«Wir müssen dringend auf die Bremse treten», sagt Jörn Ehlers, Pressesprecher vom WWF Deutschland. Wir, das sind alle Menschen. Vor allem die Industrieländer müssen ihren Verbrauch überdenken. Da wird Energie vergeudet, das eigentlich noch gute Brot entsorgt und Fisch gegessen, der ökologisch mehr als bedenklich ist.

«Nehmen wir als Beispiel doch einmal den Beifang», erklärt der Experte: «Es wird Fisch gefangen, aber nur ein kleiner Teil wird auch wirklich verbraucht. Der Rest landet wieder im Meer.» Tot ist er dann, oder kurz davor. Delfine landen so im Netz, Haie auch. Die Ressource Nahrung sinkt so viel zu schnell. 

Jörg Ehlers weiß: Das Umdenken, das Einsparen von Rohstoffen ist eine langfristige Sache. Rund 20 Jahre brauche es mindestens, um etwas in Bewegung zu bringen. Denn es ist eine große Sache, das Umdenken. Wir müssen beginnen, Strom zu sparen, bewusster mit Nahrungsmitteln umgehen - auch das starke Bevölkerungswachstum spielt eine große Rolle.

Deutschland ist schon im Mai ökologisch abgebrannt

«Jeder muss umdenken», sagt der Pressesprecher. Er nennt ein Beispiel: Während im Norden der Welt die Zahl der Wälder steigt, sinkt sie im Süden rapide. Aber wer ist verantwortlich für den Raubbau in der südlichen Hemisphäre? Der Norden. Die Verknappung der Ressourcen ist eine Weltangelegenheit, nichts, von dem niemand betroffen ist.

Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn während die Erde zwar am 27. September sagt «Ich kann nicht mehr», sagt der Boden in Deutschland schon am 23. Mai, das nichts mehr geht. Das Jahr ist noch gar nicht halb um, der Sommer hat noch nicht einmal angefangen - und wir sind ökologisch schon total abgebrannt. Ein Industriestaat eben, der viel verbraucht und wenig erzeugt. Kaum Wald, aber ein hoher Energieverbrauch. Wenig Lebensmittelproduktion, aber beinahe 82 Millionen Menschen. Zur Beruhigung: Österreich kann schon am 18. Mai nicht mehr.

Indien hingegen kann mehr als zwei Jahre mit seinen Ressourcen leben und gleicht die schlechte Bilanz der anderen Länder aus. Auch Afrika könnte mehr als 18 Monate mit seinen Ressourcen leben. Warum es dort dennoch immer wieder Hungersnöte gibt? Misswirtschaft und die Industrieländer, die die Ressourcen verbrauchen. Umdenken in Deutschland wäre also auch gut für Afrika.

eia/news.de
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