In Berlin nannte Benedikt XVI. die Muslime einen festen Bestandteil Deutschlands. Weniger optimistisch war seine Rede zur Ökumene in Thüringen. Viele Gläubige hofften auf ein Signal zur Überwindung der Kirchenspaltung. Doch das ersehnte Zeichen blieb aus.
Papst Benedikt XVI. hat Hoffnungen auf mehr Miteinander von Katholiken und Protestanten enttäuscht. Am zweiten Tag seines Deutschlandbesuches sprach er im Lutherland Thüringen mit Blick auf ein ökumenisches Entgegenkommen sogar von einem Missverständnis. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider drang in einem Gespräch mit Benedikt in Erfurt hingegen nochmals auf spürbare Verbesserungen.
«Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Dazu möchte ich sagen, dass dies ein politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt», sagte das 84-jährige Kirchenoberhaupt in einem ökumenischen Wortgottesdienst im Erfurter Augustinerkloster. Dort hatte vor 500 Jahren der katholische Mönch und spätere Reformator Martin Luther gewirkt.
Schneider sagte, vor allem Gläubige in konfessionsverbindenden Ehen und Familien sehnten sich danach, dass die Kirchen ihren «Eigen-Sinn» überwinden. «Für uns alle wäre es ein Segen, ihnen in absehbarer Zeit eine von Einschränkungen freiere eucharistische Gemeinschaft zu ermöglichen», sagte Schneider.
Keine Kompromisse mit dem Papst
Der Papst ging nicht auf den Wunsch kirchlicher Reformgruppen und der Evangelischen Kirche in Deutschland ein, gemeinsame Eucharistiefeiern von Katholiken und Protestanten zuzulassen. Er betonte, eine Annäherung der getrennten christlichen Kirchen könne nicht in Form eines Kompromisses ausgehandelt werden: «Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.» Auf diese Weise sei in den vergangenen 50 Jahren viel Gemeinsamkeit gewachsen.
Der Papst machte deutlich, dass vorerst keine konkreten ökumenischen Schritte zu erwarten seien. «Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, dass wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind.»
Stattdessen verwies er darauf, dass der christliche Glaube in Deutschland immer mehr an den Rand gedrängt werde. Die Bewahrung des Glaubens sei die wichtigste gemeinsame Aufgabe der getrennten christlichen Konfessionen: «Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt.»
Treffen auf historischem Boden
In der heutigen Zeit seien die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden, kritisierte der Papst und nannte unter anderem die Präimplantationsdiagnostik (PID). «Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod - in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe.» Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider beklagte, mit dem erreichten Fortschritt in der Ökumene könne man nicht zufrieden sein. Er begrüßte jedoch die Würdigung Luthers durch den Papst.
Das ökumenische Treffen in Erfurt fand auf historischem Boden statt. Im Augustinerkloster wirkte vor einem halben Jahrtausend der katholische Mönch Martin Luther. Hier wurde der Keim zur späteren Spaltung der Kirche gelegt, die von Luther nie beabsichtigt war.
Schneider lud den Papst persönlich dazu ein, das Reformationsjubiläum 2017 «mit den Kirchen der Reformation zu feiern, so dass wir in ökumenischer Verbundenheit Christus bezeugen». Die Protestanten wollten das Jubiläum nicht im «Geist triumphalistischer Großspurigkeit» feiern.
«Muslime sind ein Merkmal Deutschlands»
In Berlin war Benedikt zuvor mit islamischen Spitzenvertretern zusammengetroffen. Dabei bezeichnete er Muslime als ein Merkmal Deutschlands. «Die Anwesenheit zahlreicher muslimischer Familien ist seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunehmend ein Merkmal dieses Landes geworden.» Das Gespräch in der Vatikanbotschaft in der Hauptstadt fand nach Aussage eines Sprechers der Deutschen Bischofskonferenz in herzlicher Atmosphäre statt. Beide Seiten sprachen sich bei der Begegnun für einen neuen Impuls im Dialog zwischen Katholiken und Muslimen aus.
Vor einem Jahr hatte Bundespräsident Christian Wulff gesagt, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland, und dafür nicht nur Zustimmung, sondern auch heftige Kritik geerntet. In Deutschland leben 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime, 45 Prozent sind deutsche Staatsbürger. Etwa zwei Drittel haben in der Türkei ihre Wurzeln.
Am frühen Abend wird Benedikt zu einer Vesper mit rund 60.000 Gläubigen in Etzelsbach im Thüringer Eichsfeld erwartet. Die Region gilt als katholische Enklave, in der sich viele Menschen ihren Glauben trotz aller Widerstände bewahrten. Der Papst will mit seinem ersten Besuch in einem ostdeutschen Bistum nach der Wiedervereinigung die Standhaftigkeit der katholischen Christen in der DDR während der deutschen Teilung würdigen.
Abschließend besucht der Papst am Wochenende Freiburg. Ob noch ein Treffen mit Missbrauchsopfern zustande kommt, ist weiter unklar. In Erfurt forderten Missbrauchsopfer bei einer Mahnwache eine weitere Aufarbeitung von sexuellen Vergehen katholischer Priester.
kra/eia/news.de/dpa
Ich hatte eher das Gefühl,das sich dieser katholische 84-jährige in weißen Kleidern und roten Lackschuhen zumindest im Ländle wie der"hölzerne Kuckuk"benahm.Hockt in seinem Beichtstuhl,kommt ab und zu mal an die frische Luft,singt immer die alte konservative Melodie,nichts zu den Übergriffen an den kleinen Jungen und verschwindet wieder in seinem Kasten. Ruck-zuck und die katholische Jugend mit"Hoffnung auf Vergangenheit"!
jetzt antwortenKommentar meldenWas hat der Mann bei Leuten, die hier das Land mit Moscheen versauen zu suchen? Hat nicht schon einmal ein Pabst dem Koran geküsst, während die Gegenseite lächelnd ablehnte?
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