Sa., 26.05.12

Delfine 04.09.2011 Zwischen Flipper und Suppentopf

Delfinschlachtung in Japan (Foto)
Ein grausames Szenario: Ein Japaner tötet Delfine, steht knietief im Blut.   Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Europäer finden Delfine niedlich - in Japan werden sie geschlachtet. Auch in dieser Woche wieder. In Taiji stehen die Fischer im blutroten Wasser, rund 20.000 Tiere verlieren so jedes Jahr ihr Leben. News.de hat nachgefragt: Warum?

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Sonntagnachmittag, im Fernsehen läuft die Serie Flipper. Der kluge Delfin erlebt dabei mit seinen menschlichen Freunden Sandy und Bud viele Abenteuer, rettet sie und erfreut alle mit seinem lachenden Geschnatter. Flipper ist für viele - wie Black Beauty oder Lassie - Held der Kindheit. Ohne ihn wären Delfinarien nicht so erfolgreich. Jeder möchte gerne einmal einen Delfin anfassen und sich ganz kurz wie der freche Bud oder der bedächtige Sandy fühlen.

Diese Woche in Japan. In Taiji stehen Männer bis zu den Knien im blutroten Wasser, leblose Delfinkörper treiben um sie herum. In dem Land ist Delfinfleisch eine Delikatesse. Es soll zart und mager schmecken, sagen Experten, ähnlich wie Thunfisch. Eine deutsche Webseite rät zum Rezept Delfinfleisch auf Fenchelbett. Die Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GRD) geht davon aus, dass weltweit in jedem Jahr rund 20.000 der Tiere für den direkten Verzehr getötet werden. Der gemeine Delfin - Flipper - steht deshalb schon seit Jahren auf der Liste der gefährdeten Tierarten. Und nicht nur Japaner essen gerne Delfin, auch in einigen Ländern Südamerikas wird das Säugetier gejagt.

Aber warum ist der Delfin auf der einen Seite Flipper und auf der anderen Seite Inhalt von Suppentopf oder Fenchelbett? «Eines der unlösbaren Rätsel des menschlichen Wesens», sagt Ulrike Kirsch von der GRD. «Wir mögen auch Pferde, und trotzdem gibt es in Deutschland Pferdefleisch für den menschlichen Verzehr.»

Ein großer Teil der Einstellung zum Tier ist aber auch kulturell bedingt. In Europa gehören Schweine- und Rindfleisch zu beinahe jedem richtigen Sonntagsessen, in anderen Kulturen undenkbar. Ähnlich ist es eben auch mit dem Delfin - auch wenn das grausam klingt.

700.000 Delfine sterben jährlich als Beifang

Denn die japanischen Fischer begründen ihren Fang mit ihrer Kultur. Delfinfleisch gehört zu den Nahrungsmitteln, die Jagd seit Jahrhunderten zu ihrem Leben - viele Familien leben davon. Trotzdem standen auch diese Woche hunderte Delfinschützer an der Küste von Taiji, die Organisation Save Misty the Dolphin hatte dazu aufgerufen. Wer von den engagierten Helfern nicht vor Ort sein konnte, demonstrierte in seiner Heimatstadt. In Stockholm, Brisbane, Rio de Janeiro oder Auckland.

Der Protest galt nicht nur dem Schlachten vor der japanischen Küste, sondern auch der Art des Thunfisch-Fangs. Rund 700.000 Delfine sterben jährlich als Beifang, weil sie sich in den Netzen für die Thunfische verfangen. Die dann meist schon ertrunkenen Tiere werden zurück ins Wasser geschmissen. Ein wertloser Fang für die Fischer, für Tierschützer ein Skandal. 

«Wir sollten weniger Fisch essen», sagt Ulrike Kirsch. Schon damit könne man ein Zeichen gegen die Überfischung und das grausame Schlachten der Tiere setzen. Und wenn es dann doch der Thunfisch sein muss, solle man auf das Safe-Logo achten, rät die Experin. Damit sei garantiert, dass keine Delfine zu schaden gekommen seien. Damit wir am Sonntag nicht Flipper gucken und ihn am Abend auf der Pizza essen.

cvd/news.de
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Antonietta
  • Kommentar 3
  • 25.10.2011 12:11
 

Wir nennen ihn den „Blauen Planeten“, aber nur 1,3% der Weltmeere stehen unter Schutz – und auch das großteils nur auf dem Papier. Bei näherem Hinsehen findet man heraus, dass tatsächlich weniger als 0,1 % zu strikten Schutzzonen erklärt sind. Jeden Tag sterben Wale und Delfine durch Schiffskollisionen, zunehmenden Unterwasserlärm, Ölkatastrophen, als Beifang in Fischernetzen und in manchen Fällen sogar an Nahrungsknappheit. Der Klimawandel könnte die Situation noch verschlimmern. 64% der Weltmeere und ein Großteil der Lebensräume von Walen und Delfinen liegen auf hoher See.

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  • Sel
  • Kommentar 2
  • 06.09.2011 09:31
 

Als würden die Menschen nicht schon genug schaden anrichten. Wie viel von Tonnen wird nochmals täglich Lebensmittel weg geworfen? Es ist immer wieder typisch zu sehen, das Menschen es so hindreht wie es ihnen passt. Früher war früher, heute ist heute. Früher wurden nicht an solche Unmengen gezüchtet und gejagt, wie heute. Und dann beklagen wir uns das die Bevölkerung an Fettleibigkeit leiden und Gesundheitlich somit in Gefahr ist. Ich brauch nicht jeden Tag Fisch und auch nicht jeden Tag Fleisch. Wenn man an sowas sieht und dran denkt, vergeht eh einem jeglicher Appetit. ALS MENSCH !?

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  • Augenblick
  • Kommentar 1
  • 04.09.2011 13:29
 

Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihresgleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat. (Friedrich Nietzsche)

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