Sa., 26.05.12

Extremisten im Netz 30.07.2011 Der Hass geht online

Neonazis auf Online-Plattformen (Foto)
Auf der Straße sind sie meist noch leicht zu erkennen. Online jedoch wenden Neonazis immer häufiger subtilere Methoden an, um Jugendliche anzuwerben. Bild: dpa

Von Paisley Dodds

Innerhalb von zwei Jahren wuchs die Mitgliederzahl der rechtsextremen English Defense League (EDL) von einst 50 auf über 10.000 Anhänger. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter haben dabei geholfen. Doch wie kann eingegriffen werden?

Die rechtsextreme English Defense League (EDL) ist vor zwei Jahren mit weniger als 50 Mitgliedern gegründet worden. Die meisten von ihnen waren robuste, weiße Kerle, die an Straßenecken standen und gegen die ihrer Meinung nach unkontrollierte Einwanderung von Muslimen anschrien. Mittlerweile hat die EDL, die von dem norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik als Inspirationsquelle bezeichnet wurde, nach eigenen Angaben über 10.000 Anhänger. Ein Erfolg, den sie auch sozialen Netzwerken wie Facebook zuschreibt.

«Ich wusste, dass wir den Weg über die sozialen Netzwerke einschlagen müssen», sagte EDL-Führer Stephen Lennon der Nachrichtenagentur AP. «Aber zu sagen, wir hätten diesen Geistesgestörten zu dem inspiriert, was er getan hat, ist falsch. Wir haben unseren Unterstützern nie gesagt, es sei in Ordnung, Gewalt anzuwenden», sagte Lennon. Mittlerweile haben norwegische Ermittler die Daten auf Breiviks Computer ausgewertet und teilten mit, es seien keine Hinweise auf Verbindungen zu rechtsextremen britischen Organisationen wie der EDL gefunden worden.

Neben Facebook, MySpace und Twitter gibt es im Internet tausende Foren, von Linksextremen, Rechtsextremen und sonstigen Radikalen. Allein in Deutschland betrieben rechtsextreme Gruppen Ende vergangenen Jahres 1.000 Webseiten und 38 Internetradio-Stationen. Das Ziel dieser Aktivitäten ist zumeist die Anwerbung neuer Mitglieder. Insbesondere Profile in sozialen Netzwerken ziehen jüngere Zielgruppen an, die ihre Informationen nur noch zu einem geringen Teil aus den traditionellen Medien beziehen.

Die Behörden betrachten die Online-Aktivitäten der Extremisten mit gemischten Gefühlen. Zum einen erkennen sie deren Rekrutierungspotenzial. Andererseits erlauben sie ihnen, ohne großen Aufwand die Aktivitäten der Gruppen zu verfolgen. Allerdings ist es äußerst schwierig, allein anhand der Online-Aktivitäten einer Person zu unterscheiden, ob dort jemand nur angibt oder sich zum Mörder entwickelt. Gemeinhin kündigen die meisten Täter ihre Verbrechen vorher nicht an.

Im Internetzeitalter sind Gleichgesinnte leicht zu finden

Zweifellos helfen die modernen Kommunikationsmittel dabei, Gleichgesinnte zu finden. «Wenn man vor fünfzig Jahren davon überzeugt war, dass die Erde von Spionen vom Jupiter bevölkert sei, hätte man eine ganze Menge Zeit gebraucht, um jemanden zu finden, der diesen Glauben teilt», sagt Bob Ayers, ein mittlerweile in London lebender ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter. «Heute ist das nicht mehr so.»

Etliche der E-Mail-Adressen, an die Breivik Stunden vor den Anschlägen sein Manifest verschickte, sind Facebook-Profilen zuzuordnen, deren Nutzer Hakenkreuze, SS-Runen oder sonstige Nazi-Symbole oder Zeichen ultranationalistischer Gesinnung auf ihren Seiten haben.

Allerdings ist noch unklar, welchen Einfluss Facebook, Twitter und Co. auf das Zustandekommen extremistischer Gewalt haben. «Der Umstand, dass es mehr Blogs und mehr Online-Foren gibt, bedeutet nicht, dass die Gefahr eines Terroranschlags größer wird», sagt Matthew Goodwin, Dozent für Politikwissenschaften und Autor eines Buchs über die rechtsextreme Szene in Großbritannien. «Selbst wenn sie radikale und rechtsextremistische Ansichten vertreten, bedeutet das nicht, dass sie Gewalt befürworten.»

Extreme Gruppen erscheinen im Internet mächtiger als sie sind

Das Internet lasse Gruppen wie die EDL mächtiger erscheinen, als sie sind, sagt auch Daniel Hodges, Sprecher des britischen Magazins Searchlight, das gegen Rechtsextremismus kämpft. «Es erlaubt ihnen, den Anschein zu erwecken, als hätten sie eine kritische Masse erreicht. Aber viele der rechten Aktivisten leben online, nicht in der realen Welt.» Das bekam auch die immigrationsfeindliche British National Party bei den vergangenen Wahlen zu spüren, als ihr vor Ort schlicht die Manpower fehlte.

Für viele Bürgerrechtler sind Verbote bestimmter Botschaften im Internet nur schwer mit der Meinungsfreiheit zu vereinbaren und in der Durchsetzung äußerst problematisch. «Facebook und andere soziale Medien haben eine starke Tendenz zur Selbstkorrektur», sagt Jullian York, Direktor der in San Francisco ansässigen Bürgerrechtsgruppe International Freedom of Expression at the Electronic Frontier Foundation. «Oftmals überrennen Leute, die etwas gegen die Hassbotschaften haben, einfach die Gruppen. Das ist effektiver, als sie zu verbieten.»

roj/news.de/dapd
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Der Niedersachse
  • Kommentar 1
  • 31.07.2011 15:40
 

Nachdem die Linksextremisten sich weitgehend ohne große öffentliche Aufmersamkeit ausbreiten konnten und das Gutmenschentum alles und jeden Willkommen heißt der an die Arbeitsplätze in den entwickelten kapitalistischen Staaten Westeuropas will, bleibt für die Unterschicht nichts übrig. Der Hilfsarbeiter ist out. Bleibt nur noch Hartz IV. Und an Allem ist die Regierung schuld. Oder die Ausländer, oder die Gewerkschaft, die EU udgl. Dies eröffnet den Polit-Narren Tür und Tor. Schuld sind immer die Anderen. Früher waren es die Juden und heute sind es die Muslime.

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