Sa., 26.05.12

Geir Lippestad 26.07.2011 Der Anwalt des Massenmörders

Anwalt Geir Lippestad (Foto)
Er verteidigt den Massenmörder Breivik: Anwalt Geir Lippestad sagt, sein Mandant sei unzurechnungsfähig. Bild: dpa

Er verteidigt den Attentäter Anders Behring Breivik. Anwalt Geir Lippestad hat seinen Mandanten als unzurechnungsfähig eingestuft - und Erfahrungen in der Verteidigung von Rechten. Derweil veröffentlicht die Polizei die ersten Namen der Opfer.

Der Verteidiger des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik hält seinen Mandanten für unzurechnungsfähig und will dies auch vor Gericht vertreten. Anwalt Geir Lippestad sagte in Oslo: «Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er geisteskrank ist.» Er verwandte bei der Pressekonferenz den englischen Begriff «insane». Der von Breivik selbst gewählte Verteidiger beschrieb den Täter als «sehr kalte Person»: «Er hat kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt.»

Sein Mandat wolle weiter keine Auskunft zu «zwei Zellen unserer Organisation» im Ausland machen, sagte der Verteidiger. Darüber hatte Breivik schon beim Hafttermin am Vortag gesprochen. «Er weigert sich, etwas über diese anderen Zellen zu sagen.» Breivik sei überrascht gewesen, dass er nach dem Bombenanschlag in Oslo überhaupt noch die eine Autostunde entfernte Insel Utøya erreicht habe.

Breivik hatte als Motiv für die Tötung von mindestens 68 Jugendlichen eines sozialdemokratischen Sommerlagers angegeben, dass er die Partei so hart wie möglich treffen wollte. Lippestad bestätigte, er selbst sei Mitglied der Arbeiterpartei. Davon wisse Breivik aber wohl nichts.

Der unmögliche Verteidigungsauftrag

Der Anwalt berichtete weiter, der Inhaftierte glaube, er befinde sich in einem Krieg. «Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen», erläuterte er die Sicht seines Mandanten. Breivik meine, dass die Welt ihn erst in 60 Jahren verstehen werde. Breivik müsse sich der anwaltlichen Argumentation fehlender Zurechnungsfähigkeit nicht anschließen, sagte er. «Andernfalls muss er sich einen anderen Anwalt suchen.»

Massaker in Norwegen
Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

Denn eigentlich erscheint die Aufgabe unmöglich: Der Anwalt Geir Lippestad soll den geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik verteidigen. «Ich habe nicht gleich ja gesagt, sondern mir das schon sehr genau überlegt nach diesem völlig einzigartigen Verbrechen», sagte er. Aber es gehöre nun mal zu den wichtigsten Prinzipien einer rechtsstaatlichen Demokratie, dass «jeder Anspruch auf einen Verteidiger hat».

Der 1964 geborene Jurist vermittelt bei Interviews stets überzeugend Ernst und Würde, wenn er mit schwarzem Schlips zum Zeichen der Trauer über die fast hundert Opfer, seinen fast unmöglichen Auftrag zu erklären versucht.

Anwalt Lippestad hat bereits Rechtsradikalen verteidigt

Massaker in Norwegen
Ein Überlebender berichtet
Video: ap

Aber warum hatte der rechtsradikale Breivik ausgerechnet ihn, einen zeitweise als Kommunalpolitiker aktiven Sozialdemokraten, als Wahlverteidiger benannt? Steht er doch selbst für die «multikulturelle» Grundhaltung, die Breivik bei seinen mörderischen Attacken auf Regierungsbüros sozialdemokratischer Minister und ein sozialdemokratisches Jugendlager ausdrücklich treffen wollte.

Er wisse es nicht, sagt Lippestad selbst zu dieser oft gestellten Frage. Dabei wirkt er sehr nachdenklich, es scheint, als habe er sich vielleicht eine andere Entscheidung gewünscht.

Ein Grund könnte darin liegen, dass er 2002 den Rechtsradikalen Ole Nicolai Kvisler nach der rassistisch motivierten Ermordung des dunkelhäutigen Jugendlichen Benjamin Hermansen verteidigte. Kvisler wurde mit zwei Gesinnungsgenossen schuldig gesprochen und zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Lippestad bringt ernst - mal mit Worten, mal einfach mit seinem Mienenspiel - zum Ausdruck, was er selbst von den Erklärungen seines Mandanten hält: Dieser habe ihn nach den Anschlägen mit fast hundert Toten unter anderem gefragt, ob er ihm eine bestimmte Uniform beschaffen könne.

Psychiatrische Untersuchung Breiviks könnte ein Jahr dauern

Ob er mit fehlender Zurechnungsfähigkeit Breiviks beim irgendwann anstehenden Gerichtsprozess rechne? «Man macht sich bei so einem unvorstellbaren Verbrechen schon Gedanken darüber», sagt Lippestad im TV. Das klingt nicht nach juristischer Spitzfindigkeit. Auch nicht, als Lippestad eingesteht, dass es ihm schwerfalle, die Aussagen seines Mandanten «vernünftig wiederzugeben».

Die von der Justiz angekündigte rechtspsychiatrische Untersuchung des Attentäters dürfte nach Angaben des Anwalts sechs bis zwölf Monate dauern. Auch der Gerichtsprozess werde eine «ausgesprochen lange und komplizierte Angelegenheit», sagte er.

Breivik hatte beide Anschläge gestanden, hält sich aber für unschuldig. Sollte das Gericht ihn für unzurechnungsfähig erklären, wäre die dauerhafte Einweisung in eine geschlossene und besonders gesicherte psychiatrische Einrichtung die wahrscheinliche Konsequenz.

Opfer werden genannt

Die norwegische Polizei hat am Dienstag damit begonnen, die Namen von Opfern der Terroranschläge vom Freitag zu veröffentlichen. Sie nannte zunächst vier Namen. Die anderen Identitäten der insgesamt mindestens 76 Toten will sie nach und nach freigeben, sobald sie bekannt und die Angehörigen unterrichtet sind.

Drei der nun erstmals genannten Opfer waren bei der Explosion im Osloer Regierungsviertel ums Leben gekommen. Es handelte sich um zwei Frauen im Alter von 61 und 56 Jahren sowie um einen 32 Jahre alten Mann. Ebenfalls genannt wurde der Name eines 23 Jahre alten Mannes, der bei dem Massaker auf der Insel Utøya getötet worden war. In Norwegen ist nach größeren Katastrophen die Veröffentlichung von Namenslisten der Opfer üblich.

jag/cvd/zij/news.de/dpa
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • X
  • Kommentar 4
  • 30.07.2011 08:40
 

Der Mann hat lediglich eine undankbare Aufgabe übernommen. Dieses Mandat bringt gleichermaßen Anfeindungen wie auch Popularität mit sich. Er agiert aber nur als Teil der Rechtspflege und nicht als Sympathisant des Mörders.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Brasilianer
  • Kommentar 3
  • 28.07.2011 14:59
 

Wer den Beruf eines Rechtsanwaltes ergreift muss sich den Normen stellen insofern sehe ich im Verhalten des Anwalts von Norwegens Massenmörder nichts anrüchiges -ich kann ihm sogar folgen wenn er auf Geisteskrank plädiert das ganze bisherige Verhalten des Täters nach der Tat belegt dies - deshalb sehe ich 1.Beurteilung durch Spezialisten, Feststellung der unheilbaren mentalen Störung ,keine Anberaumung aufwendiger Gerichtsverhandlung sondern lebenslange Einweisung in eine geschlossene gut gesicherte Einrichtung.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Helder
  • Kommentar 2
  • 27.07.2011 14:57
 

Ich muss mich selbst gegen Gauner-Rechtsanwälten und gegen Rechtsbeuger-Richter seit 1996 verteidigen, weil für Andersdenkende, für Kämpfer für Rechtstaat,wer die reine Wahrheit verbreitet, gibt es in Deutschland keinen Verteidiger.Wir werden höhnisch verfolgt, in Irrenhäuser eingesperrt, wo nur ein Arzt-Scharlaten entscheidet, die Kästchen in NaziFormular für "Psychose" ankreuzt, in der NaziZeit müssten 2 Ärzte diese Formulare unterschreiben. Das sei die heutige Realität in Deutschland geworden, damit will ich sagen, das der Breivik hat "Glück", er hat sogar "kostenlos" einen Anwalt bekommen.

jetzt antwortenKommentar melden
  • mike14
  • Kommentar 1
  • 27.07.2011 13:40
 

für diesen anwalt wierd das sehr hart ich möchte nicht in seiner haut stecken es wierd ein fluch und segen werden für ihn,die leute wo ihn nicht kennen bekommen auch evt.ein total falsches bild von diesem menschen! er hat einmal einen rechtsradikalen vertreten das spricht sich in der szene auch schnell herum,und der attentäter hat glaube ich auch ein falsches bild von ihm und kennt diesen anwalt nur vom hören und sehen,da treffen zwei parteien zusammen !!!

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige