Sa., 26.05.12

Norwegen 25.07.2011 Attentäter bekennt sich «nicht schuldig»

Anders Behring Breivik (Foto)
Achtwöchige Untersuchunghaft für Anders Behring Breivik. Bild: dapd

Anders Behring Breivik hat sich nach dem Doppelanschlag «nicht schuldig» bekannt. Der 32-Jährige habe Europa retten wollen, erklärte der Richter. Gegen Breivik wurde eine achtwöchige U-Haft verhängt. Die Polizei korrigierte indes die Opferzahl nach unten.

Der erste Haftprüfungstermin von Anders Behring Breivik ist nach etwa einer halben Stunde beendet worden. Der zuständige Richter erklärte, Breivik habe sich für nicht schuldig bekannt. Zudem habe Breivik gesagt, dass er der sozialdemokratischen Arbeiterpartei größtmöglichen Schaden zufügen wollte. Sie sei für die massenhafte Einwanderung von Muslimen verantwortlich und habe dafür bezahlen müssen. Breivik sagte ferner, er habe mit den beiden Anschlägen «ein kräftiges Signal» an das Volk geben wollen.

Der Polizeiankläger Christian Hatlo berichtete, dass der Richter Kim Heger die Aussagen Breiviks stoppte, als dieser begann, aus seinem 1500 Seiten umfassenden «Manifest» vorzulesen. Nach TV-Angaben wies Heger auch einen Antrag des Attentäters zurück, bei dem Hafttermin in einer Galauniform zu erscheinen. Hatlo sagte, Breivik habe bei dem Hafttermin «einen ruhigen und unberührten Eindruck» gemacht. Ihm sei sehr daran gelegen gewesen, seine Motive für den Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und das Massaker auf der Insel Utøya darzulegen. Dazu habe er «in gewissen Grenzen» Gelegenheit erhalten.

Gegen Breivik verhängte das Gericht in Oslo eine achtwöchige Untersuchungshaft. Zudem wird der 32-Jährige für vier Wochen in vollständiger Isolation gehalten und darf weder Besuch empfangen noch Briefe schreiben oder empfangen. Zudem wird er rechtspsychiatrisch untersucht.

Während der Termins vor dem Haftrichter sprach Breivik von «zwei weiteren Zellen in unserer Organisation». Weitere Einzelheiten wollte der Gerichtssprecher aus der nichtöffentlichen Verhandlung mit dem geständigen Attentäter nicht mitteilen.

Unterdessen korrigierte die norwegische Polizei die Zahl der Todesopfer bei dem Massaker nach unten. Insgesamt seien 76 Menschen ums Leben gekommen - acht bei dem Bombenanschlag in Oslo und 68 auf der Insel. Die Zahl war bisher mit 93 angegeben. «Es kann sein, dass manche doppelt gezählt wurden», sagte Polizeisprecher Oystein Maeland. Das gelte vor allem für die Suche nach Toten, Vermissten und Überlebenden auf der kleinen Insel und im Tyrifjord.

Massaker in Norwegen
Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

Beim Eintreffen vor dem Osloer Stadtgericht hatten Jugendliche das Auto mit dem Attentäter Anders Behring Breivik attackiert. Sie traten gegen den schwarzen Jeep und beschimpften den 32-Jährigen. Zu dem Hafttermin hatte der zuständige Richter Kim Heger die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen.

Keine lebenslange Haft im norwegischen Strafrecht

Der 32-Jährige hat bei Polizeiverhören ausdrücklich Öffentlichkeit für den Hafttermin gewünscht, um die Motive für beide Anschläge zu erklären. Eine Gerichtssprecherin sagte, die Öffentlichkeit sei vom Richter «mit Blick auf die Sicherheit und auf die laufenden Ermittlungen» ausgeschlossen worden. Das Gerichtsgebäude in der Osloer Innenstadt wurde von einem massiven Presseaufgebot und auch von vielen Schaulustigen belagert.

Massaker in Norwegen
Ein Überlebender berichtet
Video: ap

Nach norwegischem Recht kann der Attentäter bei einem späteren Mordprozess zu maximal 21 Jahren Haft verurteilt werden. Danach wäre nach erneuten Gerichtsverhandlungen eine Verlängerung möglich. Da die Anzahl dieser Verlängerungen um jeweils fünf Jahre nicht begrenzt ist, ist es nach Ansicht norwegischer Strafrechtsexperten möglich, dass ein so verurteilter Täter bis zu seinem Tod hinter Gittern sitzt. Sollte er wegen psychischer Störungen für unzurechnungsfähig erklärt werden, würde er auf Dauer in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Breivik hatte am Freitag erst eine 500-Kilo-Bombe im Osloer Regierungsviertel zur Explosion gebracht. Dabei starben mindestens sieben Menschen. Bei dem anschließenden Massaker auf der Insel Utøya tötete Breivik 86 überwiegend jugendliche Teilnehmer eines sozialdemokratischen Ferienlagers.

Ein Land trauert

Hunderttausende Norweger haben sich am frühen Montagabend in Oslo und anderen Städten im Gedenken an die 76 Opfer der Anschläge zu «Blumenzügen» versammelt. In der Hauptstadt füllte die Menschenmenge weite Teile der Innenstadt am Rathaus. Oslos Bürgermeister Fabian Stang sagte im TV-Sender NRK, die Menschen wollten zeigen, dass sie die gegen alles Multikulturelle gerichtete Grundhaltung des Attentäters nicht akzeptierten. An den Veranstaltungen nahmen auch viele Norweger mit Migrationshintergrund teil.

Mehr über das Massaker von Norwegen lesen Sie auf unserer Themenseite.

jag/sca/news.de/dpa/dapd
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Rate mal wer ich bin
  • Kommentar 3
  • 25.07.2011 21:29
 

Du penna hasst du nichts besseres zu tuhn aus leute in die luft zu jagen und kinder zu töten PASSSSTAAARTTT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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  • Unglaubliches Norwegen
  • Kommentar 2
  • 25.07.2011 19:53
 

Wenn Norwegen keine geeignete Strafe für diesen Verbrecher hat, dann wird ihn das Schicksal strafen. Schuld und Sühne wirken unabhängig von menschlichem Wollen und Können. Der Macht des Schicksals wird er nicht entrinnen, wie auch der Massenmörder Dahmer seinen Henker unter Zuchthäuslern fand, weil es im US-Bundesstaat seiner Verurteilung keine Todesstrafe gab. http://de.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_Dahmer Lebenslange Klappsmühle muss es doch wenigstens in Norwegen geben können?

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  • Erika Nüchtern
  • Kommentar 1
  • 25.07.2011 19:41
 

Wem die verantwortungslose Politik unserer Zeit nicht gefällt, der sollte nicht zum Massenmörder werden, sondern dafür werben, das Millionen friedlicher Kerzen eine schlimme und unsinnge Politik beenden, um Schaden von unserem gesamten Globus abzuwenden. Für diesen Massenmörder kann und darf es keine Gnade geben.

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