Sa., 26.05.12

Massaker 25.07.2011 Stiefbruder von Mette-Marit unter Opfern

Norwegens Prinzessin Mette-Marit trauert um ihren Stiefbruder, der beim Massaker auf der Ferieninsel Utøya getötet wurde. Norwegen gedachte am Mittag in einer Schweigeminute der Opfer. Der mutmaßliche Täter kommt für vier Wochen in Isolationshaft.

Zu den Opfern des Massakers auf der Insel Utøya gehört auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit. Wie die Zeitung Dagbladet in ihrer Online-Ausgabe berichtete, wurde der 51-jährige Polizist Trond Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.
 

Eine Hofsprecherin sagte: «Die Gedanken der Prinzessin sind bei den nächsten Angehörigen.» Berntsen hielt sich privat im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf. Unklar blieb, ob er dabei als Wachmann für die Veranstalter arbeitete. Ein Fahndungssprecher hatte am Sonntag angegeben, dass ein Polizist außerhalb seines Dienstes diese Funktion ausgeübt habe.

Termin beim Haftrichter ohne Öffentlichkeit

Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen bleibt laut einer Entscheidung des zuständigen Osloer Gerichts für acht Wochen in Untersuchungshaft, vier Wochen davon in Isolationshaft. Zur Begründung erklärte der Richter am Montag, Anders Behring Breivik könnte andernfalls Beweise manipulieren. In einer Anhörung bekannte sich Anders Behring Breivik nicht schuldig des Vorwurfs, eine der folgenschwersten Massentötungen in Friedenszeiten begangen zu haben.

Der Richter erklärte nach dem Haftprüfungstermin, der 32-Jährige habe angegeben, Europa retten zu wollen. Zudem habe Breivik gesagt, dass die Arbeitspartei in Norwegen versagt habe. Er habe nur ein starkes Signal senden, nicht aber so viele Menschen wie möglich töten wollen. Angaben Breiviks, wonach es «zwei weitere Zellen in unserer Bewegung» gebe, müssten geprüft werden.

Schweigeminute am Mittag

Norwegen hat am Mittag mit einer Schweigeminute der fast hundert Toten bei den beiden Terroranschlägen vom Freitag gedacht. Überall in dem skandinavischen Land haben die knapp fünf Millionen Bürger die Arbeit ruhen lassen. Alle Eisenbahnzüge wurden zum Halten gebracht, in der Hauptstadt Oslo ruhte auch der Straßenverkehr. König Harald V. und Ministerpräsident Jens Stoltenberg leiteten das stille Gedenken in der Aula der Osloer Universität ein. Sie trugen sich als Erste in eine Kondolenzbuch für die überwiegend jugendlichen Opfer des Attentäters ein.

Der von den Behörden als «christlicher Fundamentalist» eingestufte Breivik richtete auf einer winzigen Ferieninsel nahe Oslo ein grauenhaftes Blutbad unter rund 700 jungen Leuten an. Er erschoss auf einem fröhlichen Jugendtreffen gegen Intoleranz und für ein friedliches Miteinander mindestens 68 Teilnehmer oder trieb sie im Wasser in den Tod. «Jeder lief um sein Leben und hat versucht wegzuschwimmen», sagte Camp-Organisator Adrian Pracon (21), der das Blutbad mit einer Schussverletzung überlebte.

Am Montag hatte die französische Polizei das Haus des Vaters von Anders Behring Breivik in Südfrankreich durchsucht. Etwa ein Dutzend Beamte waren vor Ort im Einsatz. Das Haus in Cournanel wurde abgesperrt, Medienvertretern der Zugang zum Gelände verwehrt. Die französischen Behörden bestätigten, dass es sich bei dem Haus um das des Vaters des mutmaßlichen Attentäters von Norwegen handelte. Medienberichten zufolge hatte dieser seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn.

In seinem Manifest hat Anders Behring Breivik mehrmals auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwähnt. Merkel sei aus seiner Sicht «der am wenigsten schlechte Führer der größeren Nationen», schrieb Breivik. Die Kanzlerin sorge aber mit ihrer Unterstützung der «schrecklichen EU-Verfassung» für eine «Eurabisierung» Europas. Als Parteien, die die ihm verhasste «Islamisierung Europas» unterstützen, nennt Breivik die SPD, CDU, FDP, die Linken, die Grünen und die CSU. Deren politische Führer müssten demnach mit dem Tode bestraft werden.

Nach Massaker: Ruf nach Vorratsdatenspeicherung

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, nahm den Bombenanschlag in Oslo und das Massaker unter den Teilnehmern eines Jugendcamps auf der Insel Utøya zum Anlass, seine Forderung nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung zu erneuern. «Wir brauchen die Vorratsdatenspeicherung», sagte der CSU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Montag). «Im Vorfeld muss die Überwachung von Internetverkehr und Telefongesprächen möglich sein. Nur wenn die Ermittler die Kommunikation bei der Planung von Anschlägen verfolgen können, können sie solche Taten vereiteln und Menschen schützen.»
 

Das Bundesverfassungsgericht hatte die alte Regelung zur Vorratsdatenspeicherung im März 2010 gekippt. Nach ihr wurden Daten von Telefon- und Internetverbindungen sechs Monate lang zur Kriminalitätsbekämpfung gespeichert. Seitdem streitet die Koalition über eine Neuregelung. Zuständig dafür ist Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Das von ihr vorgeschlagene Verfahren, bei dem Daten grundsätzlich nur bei einem konkreten Anfangsverdacht gesichert werden sollen (Quick Freeze), hält die Union für völlig unzureichend.

Massaker in Norwegen
Ein Überlebender berichtet
Video: ap

Mehr über den Massenmord in Norwegen lesen Sie auf der news.de-Themenseite.

Massaker in Norwegen
Manifest des Hasses
Video: dapd
Massaker in Norwegen
Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

jag/news.de/dpa/dapd
Leserkommentare (8) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • ART
  • Kommentar 8
  • 26.07.2011 20:27
 Antwort auf Kommentar 7

Du hast dich bei den Hetzern vergessen. Rette sich ans Ufer wer kann.

jetzt antwortenKommentar melden
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 7
  • 25.07.2011 19:46
 

Politische Hetzer, wie Uhl, die jeden Verrückten und jeden Fundamentalisten benutzen, um ihre absonderliche Anschauung von Überwachung der Normalität in Politik umzusetzen, sind die wirklichen Verbrecher. Denn diese Krakeeler kriminalisieren alle, sie sind eine Ausgeburt des Verdachtsapparats zur Zerstörung der Normalität. In diesem Irrenhaus ist die Unterscheidung zwischen Psychiater und Wahnsinnigen nicht mehr möglich. Und gerade deshalb ist der Killer Breivik gleich dem Labersack Uhl, nämlich die unangemessene Reaktion auf Lebensverhältnisse, wissenschaftl. Kategorienfehler genannt.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Wahnsinnige Grenzenlosigkeit
  • Kommentar 6
  • 25.07.2011 19:33
 

Wer verantwortunglos alle Grenzen fallen lässt und für jeden Verbrecher öffnet, der hat gefälligst ein Kinderlager mittels Polizei mit Maschinenpistolen zu bewachen. Dieser Verbrecher hat unter den Kindern gewütet wie einst die europischen Skalpjäger in nordamerikanischen Indianerdörfern, in denen sich nur noch Alte, Kranke, Mütter und Kinder befanden. In welche überholte und siechkranke Welt ist diese EU eigentlich zurückgefallen?

jetzt antwortenKommentar melden
  • Pelle1
  • Kommentar 5
  • 25.07.2011 18:22
 

Aufpassen! Uhl (CSU) versucht auf perfide Art und Wesie das Massaker bei uns in Norwegen als Mittel der (erweterten) Bespitzelung der Deutschen zu missbrauchen! Das ist pervers! Takt, Anstand, Trauer,...? Fehlanzeige! Lest bitte das Buch "Der Terrorist als Gesetzgeber". Mvh KH

jetzt antwortenKommentar melden
  • norbert
  • Kommentar 4
  • 25.07.2011 16:22
 

Das die Polizei so lange gebraucht hat auf ein pupsige Insel zu kommen ist das was mich am meisten erschüttert.Kein Hubschrauber kein Boot keine Überlegung ( es waren doch genügend Hinweise ) was zu tun ist.!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

jetzt antwortenKommentar melden
  • Andre Szel
  • Kommentar 3
  • 25.07.2011 13:01
 

Das höchste gut des Menschen ist das Leben selbst! Wer es nicht achtet, anderen Menschen das Leben weg nimmt, tötet etc., soll unabhängig von Nationalität, Religions Konfession , Zugehörigkeiten mit der Gilotine wie zur Zeiten der französischer Revolution, bestrafft werden!!

jetzt antwortenKommentar melden
  • auweia
  • Kommentar 2
  • 25.07.2011 11:24
 

"Der 32-Jährige hatte in Verhören erklärt, dass er seine Motive vor dem Haftrichter darlegen wolle. Dafür wünsche er Öffentlichkeit." das währe ja wohl das allerletzte wenn man ihn noch Gelegenheit geben würde seine perversen Thesen öffentlich auskostet. Unverschämt.Der hat noch nicht mal den Mut sich selbst zu richten nach einem solchen Massaker. Mir tun die jungen Menschen und deren Familien sehr leid.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Bruno
  • Kommentar 1
  • 25.07.2011 09:40
 

Norwegen hat die Vorratsdatenspeicherung hat also nichts genutzt. Der Händler hat gemeldet das ein Bauer viel Dünger kauft. Hat auch nichts genutzt

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Massaker: Stiefbruder von Mette-Marit unter Opfern » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855205404/stiefbruder-von-mette-marit-unter-opfern/1/

Schlagworte:

Adrian Bellani , Adrian Buchan , Adrian Edwards , Adrian Kurek , Adrian Newey , Adrian Rhimi , Anfangsverdacht , Angehörigen , Anlass , Anschlägen , Attentäter , Behörden , Behring , Blutbad , Bombenanschlag , Breivik , Breiviks , Bundestag , Bundesverfassungsgericht , CSU-Politiker , Dagbladet , Daten , Dienstes , Einführung , Ermittler , FDP , Ferieninsel , Forderung , Freeze , Funktion , Gedanken , Gespräch , Haftrichter , Hans-Peter , Harald Preuner , Harald Range , Harald Siebenmorgen , Harald Wolf , Hofsprecherin , Insel , Internet , Internetverbindungen , Intoleranz , Jens Stoltenberg , Jugendorganisation , Justizministerin , Koalition , Kommunikation , König , Kriminalitätsbekämpfung , Leben , Leuten , Leutheusser-Schnarrenberger , Manifest , März , Massaker , Massakers , Menschen , Mette-Marit , Ministerpräsident , Miteinander , Monate , Montag , Mutter , Nathan Adrian , Neuregelung , Norwegen , Öffentlichkeit , Online-Ausgabe , Opfern , Oslo , Osloer , Passauer , Planung , Polizei , Polizist , Pracon , Presse , Prinzessin , Quick , Regelung , Ruf , Sabine Bieber , Sabine Eckert , Sabine Karkó , Sabine Leutheusser-Schnarrenberger , Sabine LisickiTwitter-Account , Sabine Vogelsang , Sabine Zimmermann , Schrecklichen , Schussverletzung , Schweigeminute , Sohn , Sommerlager , Sonntag , Sprecher , Stoltenberg , Taten , Teilnehmer , Teilnehmern , Telefon , Telefongesprächen , Termin , Terroranschlägen , Tod , Toten , Trond , Überwachung , Uhl , Union , Unionsfraktion , Unklar , Untersuchungshaft , Utøya , Vater , Veranstalter , Verfahren , Vorfeld , Vorgeschlagene , Vorratsdatenspeicherung , Wachmann , Wasser , Wochen , Zeit , Zeitung , Zuständig ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige