Sa., 26.05.12

Massaker in Norwegen 23.07.2011 Die Idylle wird zur Hölle

Utoya (Foto)
Helfer kümmern sich auf der Insel Utøya um Jugendliche. Bild: dapd

Von Björn Amland

Die Überlebenden des Massakers auf der Insel Utøya stehen angesichts der grausamen und kaltblütigen Tat unter Schock. Der Mörder verkleidete sich als Polizist, um seine Opfer in Sicherheit zu wiegen und schoss dann wahllos auf die Jugendlichen. 

Die Überlebenden des Jugendcamps auf der norwegischen Insel Utøya können das Grauen kaum in Worte fassen. Der Mann, der dort am Samstag mindestens 68 Menschen erschossen hat, hatte sich als Polizist verkleidet, um die Jugendlichen in Sicherheit zu wiegen. Er habe sie gebeten, näherzukommen und habe anschließend das Feuer eröffnet, berichteten die Überlebenden, die nach dem Massaker in das Dorf Sundvollen gebracht worden waren.

Viele der Überlebenden, die Mitglieder der Jugendgruppe der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sind, wirken äußerlich ruhig, als sie in Sundvollen von ihren Eltern abgeholt werden. Doch die Erlebnisse, von denen sie erzählen, zeugen von Momenten des Grauens.

Der Schütze habe zwei Mal auf seine Opfer geschossen, um sicherzugehen, dass sie tot seien, sagt Dana Berzingi, einer der Überlebenden, als er mit blutverschmierter Hose darauf wartet, nach Hause zu kommen. Einige der Opfer hätten auch vergeblich versucht, sich tot zu stellen, ihnen sei aber in den Kopf geschossen worden. «Ich habe viele Freunde verloren», sagt der 21-Jährige. Das Handy eines seiner toten Freunde habe er verwendet, um die Polizei zu alarmieren.

Zuflucht hinter Felsen gesucht

«Ich habe viele tote Menschen gesehen», erzählt auch die 15-jährige Elise, die nur wenige Meter von dem Täter entfernt stand, als dieser das Feuer eröffnete. «Erst schoss er auf Leute auf der Insel, dann begann er auf die im Wasser zu schießen», sagt das Mädchen. Sie habe sich hinter einem Felsen versteckt, auf dem der Täter stand. «Ich konnte ihn atmen hören», beschreibt die 15-Jährige die schrecklichen Minuten auf der Insel. Sie habe ihre Eltern auf dem Handy angerufen und ihnen zugeflüstert, was gerade geschehe. «Sie haben mir gesagt, ich soll nicht in Panik geraten, alles würde gut werden.» Sie hätten sie auch noch gewarnt, ihre helle, auffällige Jacke auszuziehen. Wie lange es gedauert habe, bis alles vorbei war, könne sie nicht sagen, erzählt Elise.

Eine weitere Jugendliche, Emilie Bersaas, floh in ein Gebäude, als sie die Schüsse hört. «Ich lag zwei Stunden unter einem Bett, bis die Polizei das Fenster einschlug», erzählt sie. «Es ist immer noch alles so unwirklich, besonders hier in Norwegen. Das ist etwas, das hier einfach nicht passieren kann.»

Niclas Tokerud blieb während der Schießerei mit seiner Schwester per SMS in Kontakt. «Es hat Schüsse gegeben. Ich habe Angst! Aber ich verstecke mich und es geht mir gut. Ich liebe dich», habe ihr kleiner Bruder geschrieben, erzählt die 24-jährige Nadia Tokerud. Als er nach dem Massaker das Boot bestieg, das ihn von der Insel wegbrachte, schrieb er ihr noch einmal: «Ich bin in Sicherheit.»

Anschlag in Norwegen
Bilder der Zerstörung
Video: dapd

Alle aktuellen Informationen zu den Anschlägen in Norwegen finden Sie hier.

Massaker in Norwegen
So barbarisch ging der Täter vor
Video: dapd
Massaker in Norwegen
Das perfide Spiel von Anders Breivik
Video: news.de

sua/news.de/dapd
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Bestätigt
  • Kommentar 4
  • 25.07.2011 20:08
 Antwort auf Kommentar 3

Bestätigt!

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  • Adolar
  • Kommentar 3
  • 23.07.2011 21:19
 Antwort auf Kommentar 1

Ha,ha,ha, endlich haben wir die wirklich Schuldigen: "Medienberichten zufolge ist er Mitglied der Johannes-Freimaurerloge St. Olaus T.D Tre Søiler, in der er den dritten (von zehn) Graden erworben hat." (http://de.wikipedia.org/wiki/Anders_Behring_Breivik)! Der war ja bei keiner rechten Verbindung sondern Freimaurer, ja was sagt man denn dazu? Egal, Hauptsach' ein irrer Verbrecher wird erst einmal als rechtsradikal bezeichnet,da sind die "Experten" schnell damit zur Hand!

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  • mattenb
  • Kommentar 2
  • 23.07.2011 19:42
 

Dass es ein rechtsgerichteter Einzeltäter gewesen sein soll, wird so einigen Islamhassern nicht in den Kram passen. Wäre doch in ihren Augen zu ´schön´ gewesen, wenn die "Ungläubigen" wieder gegen unsere freiheitlich-christliche Gesellschaft gebombt hätte. Dass die rechte Bedrohung virulent ist, wird uns nun in Norwegen wieder einmal drastisch vor Augen geführt. Als Konsequenz aus dieser Irrsinnstat kann nur gezogen werden: Wachsamkeit auch auf dem rechten Auge!

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  • ART
  • Kommentar 1
  • 23.07.2011 19:35
 

Man muß erst lange suchen,ehe man etwas findet.Müssem erst die "rechtsrandigen Schreiberhilfen"mit diesen Tatsachen vertrautgemacht werden?Dieser Anschlag ist auch das Ergebnis all der tausendfachen widerlichen Wiederholungen rechtsrandigen Ausländerhasses! Das schlichte olivenartige Schmutzgeseiere gegen Ali Baba und tausend und eine Nacht haben das tausendjährige Reich in voller Blüte entladen,Bombe in Oslo und über 80 Kinder erschossen,waren auf einer Ferieninsel,die die norwegischen Sozialdemokraten ausgerichtet hatten. Die Eltern der toten Kinder...

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