Sa., 26.05.12

Anschläge in Norwegen 22.07.2011 Zahl der Todesopfer steigt auf 91

Rauchsäule über Oslo (Foto)
Nach den Bombenanschlägen steigt über Oslo Rauch auf. Bild: dapd

Die Zahl der Toten nach den Anschlägen in Norwegen wird inzwischen auf 91 beziffert. Erst erschütterte eine Bombenexplosion das Regierungsviertel in Oslo, dann schoss ein Attentäter in einem Jugendcamp der Sozialdemokraten um sich.

Blutige Terroranschläge mit schätzungsweise 91 Toten in Norwegen: Bei einer Bombenexplosion im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo kamen am Freitag mindestens sieben Menschen ums Leben. Wenige Stunden später erschoss ein als Polizist verkleideter Mann in einem sozialdemokratischen Jugend-Ferienlager 84 Menschen. Bei den Anschlägen wurden zudem zahlreiche Menschen verletzt. Die Polizei nahm einen Norweger fest, der nach Ansicht der Ermittler sowohl für die Schüsse in dem Feriencamp als auch für den Bombenanschlag verantwortlich sein könnte. Unklar war, ob es ein Einzeltäter war.

Die Polizei vermutet die Drahtzieher der Anschläge im Inland und hatte zunächst keine Hinweise auf Verbindungen zum internationalen Terrorismus. Wahrscheinlicher sei eine lokale Variante, die sich gegen das politische System wende, meldete die Nachrichtenagentur NTB. Die internationale Gemeinschaft zeigte sich erschüttert, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama verurteilten die Tat.

Nach Angaben der Polizei hingen beide Attacken miteinander zusammen. Die Wucht der Detonation im Zentrum Oslos verwüstete mehrere Gebäude, darunter den Sitz von Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Der Regierungschef wurde jedoch nicht verletzt. Aus Sicherheitsgründen wurde sein Aufenthaltsort nach dem Anschlag zunächst geheim gehalten. Bislang war Norwegen von Terroranschlägen verschont geblieben.

Wenige Stunden nach dem Attentat in Oslo kam es zu dem Blutbad auf der Insel Utøya, die in einem See nahe der Hauptstadt liegt. Bei dem fünftägigen Camp sollte auch Ministerpräsident Stoltenberg einen Gastauftritt haben. Laut Stoltenberg waren auch alle anderen Regierungsmitglieder wohlauf.

Täter wird vernommen

Zu den möglichen Motiven des festgenommene Norwegers stand noch nichts fest. Einem Medienbericht zufolge gehört der 32-Jährige möglicherweise der rechten Szene an. Der Mann wurde verhört. Er soll vor den Schüssen auf der Insel in Oslo gesehen worden sein. Es sei noch nicht sicher, welche Waffen er benutzt oder ob er bei den Anschlägen alleine gehandelt habe, sagte Polizist Sverre Sponheim der Nachrichtenagentur NTB.

Am späten Abend trat Stoltenberg vor die Presse und beschwor den Zusammenhalt im Land. Die Bevölkerung solle auf die Polizei hören, das Zentrum von Oslo meiden. Er habe eine Botschaft an die Täter: «Ihr werdet unsere Demokratie und unser Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören.» Niemand könne Norwegen «zum Schweigen schießen», das Land werde nicht aufhören, zu seinen Werten zu stehen.

Die Lage in dem von 560 Mitgliedern der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF besuchten Lager war zuvor als «chaotisch» beschrieben worden. Polizisten einer Anti-Terror-Einheit mit schusssicheren Westen eilten zum Tatort. Laut Medienberichten brach unter den Jugendlichen in dem Lager Panik aus. Mehrere Mädchen und Jungen seien von der Insel aus ins Wasser gesprungen und an Land geschwommen. Die Insel ist rund eine Autostunde von Oslo entfernt.

Terror in Norwegen
Zerstörung nach den Bombenanschlägen
Video: YouTube

Bombenterror in Oslo

Einige Augenzeugen sprachen von einer Autobombe in Oslo, andere von mehreren Explosionen. Die Ermittler bestätigten jedoch lediglich, dass es sich um einen Sprengsatz gehandelt habe. Auch die Zentrale der Boulevardzeitung «VG» wurde durch die Explosion teilweise zerstört und dann evakuiert.

Ministerpräsident Stoltenberg kündigte eine entschlossene Reaktion der Behörden an. «Wir werden alle verfügbaren Kräfte einsetzen, um uns zu schützen.» In der Nacht besuchte Stoltenberg im Ullevål-Krankenhaus der Hauptstadt Verletzte. Zu den Anschlägen sagte er: «Sie werden Norwegen verändern.» Die Antwort des Landes müssten «noch mehr Demokratie und Offenheit» sein.

Norwegens König Harald V. hat die Anschläge als unfassbare Tragödie bezeichnet. Es sei wichtig, dass die Norweger nun zusammenstünden und sich stützten, sagte der König am frühen Samstagmorgen in Oslo.

Auch Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich erschüttert: «Mit Entsetzen habe ich von dem schweren Anschlag im Regierungsviertel von Oslo erfahren», hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung. «Die Hintergründe dieser menschenverachtenden Tat sind zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Klar ist, dass wir alle, die an Demokratie und friedliches Zusammenleben glauben, solchen Terrorismus, womit auch immer er begründet wird, scharf verurteilen müssen.»

US-Präsident Obama rief zu einer stärkeren Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf. «Es ist eine Mahnung, dass die gesamte internationale Gemeinschaft dazu beitragen muss, dass solch ein Terrorakt nicht passiert», sagte Obama in Washington.

Evakuierungen in der Hauptstadt

In Oslo wurde direkt nach den Anschlägen der Hauptbahnhof geräumt. Auch zwei Einkaufszentren sowie die Büros der Medien VG, NTB, Aftenposten und der Fernsehsender TV2 seien evakuiert worden. Dort sei eine verdächtige Tasche gefunden worden. Die Polizei rief auch dazu auf, die Mobiltelefone nicht zu benutzen, weil das Netz überlastet sei.

«Die Leute stehen unter Schock, viele wurden ins Krankenhaus gebracht», sagte der Organist des Osloer Doms, Magne Draagen.

Die Zeitung Dagbladet berichtete online, die Ermittler gingen davon aus, dass das Öl- und Energieministerium (OED) das Ziel des Attentats gewesen sei. «Es sieht aus, als ob es direkt vor unseren Büros passierte», sagt Håkon Smith-Isaksen vom OED.

Gegen 15.30 Uhr hatte ein großer Knall die Bürger Oslos aufgeschreckt. «Das ganze Gebäude wurde erschüttert, wir glaubten, es sei ein Erdbeben», sagte ein NRK-Reporter, der sich neben dem 17 Stockwerke hohen Regierungsgebäude befand. Das Fernsehen zeigte Bilder von einer völlig zerstörten Hausfassade, aus der Rauch aufstieg. Der Boden war mit Glassplittern zerstörter Fensterscheiben und Trümmerteilen übersät.

Mitarbeiter der Tageszeitung Aftenposten berichteten von Opfern, die blutend auf der Straße lagen. Bilder der NRK-Homepage zeigten, wie sich Sanitäter um Verletzte auf dem Bürgersteig kümmerten. Rettungskräfte brachten eine Frau in Sicherheit, deren blondes Haar blutverschmiert war. Passanten beugten sich über Verletzte und leisteten ebenfalls Erste Hilfe.

Die Bilder der Anschläge in der Galerie

cvd/sua/news.de/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ellipirelli
  • Kommentar 1
  • 26.07.2011 23:23
 

Was denn nun? 91 oder 76 Opfer? Was machen die Medien hier für Zahlenspielereien..?

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