Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Auf der Rampe zum Ex-Güterbahnhof in Duisburg starben 21 Menschen. Kurz nach der Massenpanik verkaufte der Besitzer das Gelände. Dort soll nun ein Möbelhaus entstehen. Die Opfer sind wütend, denn sie wollen es als Erinnerungsstätte behalten.
Ein großer Schotterplatz, in der Mitte die Gebäude des alten Güterbahnhofs. Westlich begrenzt von der A59, östlich von den Gleisen, die den Duisburger Hauptbahnhof mit dem Rest der Welt verbinden. Das ist der Ort, an dem die Loveparade 2010 stattfand, die größte Technoparty der Welt. Der Ort, der nur über eine schmale Rampe zu erreichen war. Ein Nadelöhr, durch das sich Hunderttausende drängten, in dem es zu einer Massenpanik kam, bei der 21 Menschen starben.
Das Gelände ist inzwischen genauso bekannt, wie die Loveparade selbst - in hunderten Fernsehbildern, in Dokumentationen und auf tausenden Fotos machten Schotterplatz, Tunnel und Rampe ihre Welttournee. Und mit ihnen die Stadt Duisburg, die sich von der Loveparade doch Popularität, Ruhm und einen Imagegewinn erhofft hatte. Doch nach den schrecklichen Ereignissen sind der Alte Güterbahnhof und die Stadt Duisburg in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch eines: ein Ort des Schreckens.
Für die Angehörigen der Opfer, für diejenigen, die mitten im Gedränge standen und auch für viele unbeteiligte Duisburger ist das Gelände am Güterbahnhof aber nicht nur ein Ort des Schreckens, sondern auch der Erinnerung und des Gedenkens. Ein wichtiger Ort.
Deshalb wollten Vertreter der Opfer genau hierhin ein Mahnmal setzen. Spenden wurden gesammelt, Vereine, Bürgerinitiativen und verschiedene Unternehmen unterstützten den Bau. 44 Künstler reichten Vorschläge für ein Denkmal ein, am Ende fiel die Entscheidung auf den Entwurf des Duisburger Künstlers Gerhard Losemann. Er symbolisiert mit 21 vor eine Wand umstürzenden Vierkantrohren aus Stahl die Todesopfer, deren Namen auf einer Glasplatte verzeichnet sind. Groß steht auf der Stahlwand das Datum der Loveparade: 24. Juli 2010.
Das Mahnmal steht woanders
Das Mahnmal wurde Ende Juni eingeweiht, doch es steht nicht dort, wo die 21 Besucher der Loveparade starben, sondern in einem kleinen Park ein paar hundert Meter weiter. Die Mehrzahl der Betroffenen und Angehörigen hätten sich die Rampe, die zum Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs führt, als Standort des Mahnmals gewünscht. Dort trafen tausende von Menschen aus dem östlichen und dem westlichen Teil des Karl-Lehr-Tunnels aufeinander, vom Gelände drängten Menschen, die das Gelände wieder verlassen wollten - die Enge führte zur Massenpanik und Toten.
Doch an dieser Stelle konnte die Stadtverwaltung das Denkmal nicht genehmigen, denn ihr gehört das Gelände nicht. Der Schotterplatz inklusive Güterbahnhofsgebäude wurde wenige Tage nach der Loveparade von den damaligen Besitzern, der Immobiliengesellschaft Aurelis, verkauft. Hier sollte eine Möbelhaus der Marke Höffner entstehen, was bei den Opferverbänden für Wut sorgt. Möbel kaufen am Ort des Schreckens, könne sie sich nicht vorstellen. Also wehren sie sich gegen den geplanten Bau des Möbelhauses und eines riesigen Parkplatzes. Im Mai überreichten Opfer-Initiativen eine Appell mit dem Titel «Den Ort des Leidens nicht zerstören...» an die Stadt und den grünen Stadtdirektor Peter Greulich, der nun versucht, Einfluss auf die privaten Investoren zu gewinnen.
Kompromiss scheint möglich
«Der Ort soll so bleiben wie er ist, damit wir dort unserer Toten gedenken können», sagt Klaus-Peter Mogendorf, dessen Sohn Eike bei der Panik ums Leben kam. Vielleicht wird diesem Wunsch doch entsprochen. Anfangs hieß es in den Bebauungsplänen noch: «Der Originalort des Unglücks ist nicht erhaltbar». Die Tunnelstrecke und die bestehende Rampe seien mit dem Gesamtkonzept der Planung nicht vereinbar. Dieser Text ist jetzt gestrichen. Und es scheint, als gebe es auch auf Seiten des Investors Spielraum für Kompromisse.
Die Stadt tritt für eine einvernehmliche Lösung zwischen dem Investor und den Opferverbänden ein. «Es wird eine würdige und transparente Lösung geben», so Duisburgs Stadtdirektor und kommissarischer Planungsdezernent Peter Greulich. Es sei denkbar, «die Treppe als Kernstück des Unglücksortes zu erhalten». Fakten wurden allerdings noch nicht geschaffen, denn die Stadt hat wenig Einfluss auf den Bebauungsplan. Einsicht muss von Seite des Investors kommen.
Opfer und Angehörige haben eine klare Meinung zu dem Thema: «Der Ort soll erhalten bleiben, ich brauche ihn, um zu gedenken, um zu verarbeiten», sagt Kerstin Mückshoff, eine Besucherin der Loveparade, die mitten im Gedränge stürzte und nur mit Glück überlebte. So sieht es auch Uwe Rieske, der als Landespfarrer die Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland leitet. Die Mutter eines Todesopfers habe ihm gesagt: «Hier bin ich meiner Tochter näher als an ihrem Grab.»
Während überall zum Jahrestag des Unglücks gedacht wird, rollen am nördlichen Ende des Güterbahnhofs, weit entfernt von der Rampe, bereits die Bagger.
Wenn man bedenkt wie viele Tote es in Deutschland im Krieg gab, dürfte es heute keine Einkaufsläden geben. Und meckert auf den kleinen berniboy
jetzt antwortenKommentar meldenHebt euch die Fotos auf und schaut sie euch jedes Jahr an. Ja ja und nochmals ja, es ist Traurig sehr Traurig.Müssen aber immer gleich Denkmähler Gedenkstätten Mahnmale ect.aufgestellt werden,ich glaube von soetwas haben wir in D.schon genügend.Für alles und jedes gibt es Gruppen um solche Anträge zu stellen.
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