Sa., 26.05.12

Tierwelt 22.07.2011 Hat Flipper magische Kräfte?

Delfin (Foto)
Delfine sind nicht nur sehr intelligent, sie haben auch Selbstheilungskräfte. Bild: dpa

Der Hai-Biss ist tief, aber dem Delfin macht es gar nichts aus: Flipper und seine Artgenossen können sich selbst heilen. Wie genau das funktioniert, wissen Wissenschaftler zwar noch nicht, sie hoffen aber, so Menschen mit Schmerzen helfen zu können.

Der Biss ist tief. Bis in die unteren Hautschichten haben sich die Zähne des Hais gebohrt, als er den Delfin angriff. Wissenschaftler haben nun herausgefunden: Den Delfinen macht solch eine schwere Verletzung viel weniger aus, als man es bisher für möglich gehalten hat. Für den Menschen wäre solch ein Biss tödlich, der Delfin heilt sich selbst.

Die Tiere erholen sich erstaunlich schnell, wenn sie von einem Hai gebissen werden: Sie fühlen scheinbar keine Schmerzen, verbluten nicht, sind resistent gegen Infektionen und können große Körperflächen regenerieren. Deshalb hat ein US-amerikanischer Forscher weltweit Untersuchungsergebnisse über dieses Phänomen zusammengetragen und im Journal of Investigative Dermatology veröffentlicht. Als Ergebnis seiner Arbeit erwartet er sich künftig eine ganze Reihe von
Medikamenten, die beim Menschen zum Einsatz kommen können. Selbstheilende Kräfte könnten in vielen Bereichen zum Einsatz kommen - und oftmals Leben retten.

Delfine untersucht, Experten befragt

 «Vieles über den Heilungsprozess bei Delfinen ist bisher ganz schlecht dokumentiert», fasst Michael Zasloff seinen Überblick zusammen. Der Wissenschaftler vom Georgetown University Medical Center (GUMC) hat sich aufgrund erstaunlicher Beobachtungen den Meeressäugetieren zugewandt: «Wie können bei Delfinen selbst tiefe, klaffende Wunden so weit heilen, dass ihre Körperstruktur hinterher wieder hergestellt ist?»

Michael Zasloff hat auch schon ein paar Erklärungen für das Phänomen gefunden. Einen Grund sieht er im Tauchreflex der Tiere. Wenn die Delfine abtauchen, wird Blut von der Peripherie mehr in das Innere des Körpers verlagert. Ein ähnlicher Reflex bei einer Verwundung hätte zur Folge, dass die Tiere nicht viel Blut verlieren.

Bis das Wissen um Flipper den Menschen nutzt, dauert es noch Jahre

Ein weiterer Grund könnte die Speckschicht unter der Haut der Delfine sein, in der sich häufig Giftstoffe ansammeln. Wissenschaftler gehen davon aus, dass hier körpereigene Substanzen wirken, die antibiotische oder sogar generelle Abwehrfunktion gegen Mikroben haben. Auch für die Fähigkeit, schnell neues Gewebe zu bilden, sieht er eine Ansatz: «Die Regeneration ist mit der Fähigkeit von Föten im Mutterleib vergleichbar, die sich selbst heilen können.»

Allerdings ist sich Michael Zasloff klar, dass eine genauere Erforschung all dieser Phänomene nötig sein wird - mit einem Zeitaufwand von vielen Jahren. Am Ende hofft er aber, dass die Ergebnisse seine Kollegen stimulieren, neue Medikamente zu finden, die beispielsweise zur Wundheilung oder gegen Schmerzen eingesetzt werden können. Dann hätten wir von Flipper eine ganze Menge gelernt.

wsa/beu/rzf/news.de/
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Antonietta
  • Kommentar 1
  • 23.09.2011 13:20
 

Jeden Tag sterben Wale und Delfine durch Schiffskollisionen, zunehmenden Unterwasserlärm, Ölkatastrophen, als Beifang in Fischernetzen und in manchen Fällen sogar an Nahrungsknappheit. Der Klimawandel könnte die Situation noch verschlimmern. 64% der Weltmeere und ein Großteil der Lebensräume von Walen und Delfinen liegen auf hoher See - außerhalb des Rechtsbereiches von Einzelstaaten. Doch hier gibt es nur sehr wenige Schutzgebiete – nämlich 5.

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