Von Malte Werner und Julia Spurzem
Als «Schwarzer Mann» verbreitete Martin N. jahrelang Furcht und Schrecken. Er entführte Jungen aus Schullandheimen und tötete sie. Nun wurde in drei Mordfällen Anklage gegen ihn erhoben. Auch für dutzende Missbrauchsfälle soll er verantwortlich sein.
Gegen den mutmaßlichen Mörder des neunjährigen Dennis K. und zweier weiterer Jungen ist Anklage erhoben worden. Dem 40-jährigen Martin N. wird dreifacher Mord und sexueller Missbrauch in 20 Fällen vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft Stade mit. Wie jetzt bekannt wurde, soll er alle drei Jungen erwürgt haben.
Martin N. wird vorgeworfen, im September 2001 den damals neunjährigen Dennis aus einem Schullandheim in Wulsbüttel entführt und getötet zu haben. Der als Serientäter «Schwarzer Mann» identifizierte und Mitte April festgenommene ehemalige Betreuer hat gestanden, den Jungen aus Osterholz-Scharmbeck getötet zu haben. Auch den Mord an dem damals 13-jährigen Stefan J. im Jahr 1992 und dem achtjährigen Dennis R. im Jahr 1995 gab er zu. Zudem räumte er etwa 40 Missbrauchsfälle ein. Von denen seien jedoch knapp die Hälfte bereits verjährt.
Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der 40-Jährige Dennis K. bereits im Schullandheim getötet. Stefan J. habe er unmittelbar nach dem Missbrauch getötet, sagte Staatsanwalt Kai Thomas Breas. Mit Dennis R. hingegen habe er 1995, nachdem er ihn aus dem Zeltlager entführt hatte, einige Tage zusammen verbracht.
Dem Täter droht lebenslange Freiheitsstrafe
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeschuldigten Heimtücke und niedrige Beweggründe vor. Darüber hinaus geht die Anklagebehörde davon aus, dass er die Kinder tötete, um die Sexualstraftaten zu verdecken. Ihm droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stade muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und den Beginn einer etwaigen Hauptverhandlung entscheiden. Laut Breas ist es wahrscheinlich, dass der Prozess gegen Martin N. im Oktober beginnt. Er kommt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch für Morde an Kindern in Frankreich und den Niederlanden als Täter in Frage. Allerdings lägen keine Erkenntnisse vor, um Martin N. auch dieser Taten zu überführen.
Über die Frage der Schuldfähigkeit beziehungsweise der verminderten Schuldfähigkeit des Mannes hat die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die «Soko Dennis» hat zudem vor einigen Wochen eine weltweite Interpolanfrage gestartet, deren Ergebnis allerdings noch aussteht. Ob dadurch weitere Straftaten aufgeklärt werden können, sei noch nicht abzusehen, hieß es.
kra/san/news.de/dapd