Sa., 26.05.12

Soziale Netzwerke 18.07.2011 Purer Sozialstress auf allen Kanälen

Ulrike Bertus (Foto)
News.de-Redakteurin Ulrike Bertus Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Facebook, MeinVZ und nun auch noch Google+: Die Sozialen Netzwerke halten uns gefangen und verlangen ständig nach Input. Eine Menge Arbeit stecken wir da hinein. Arbeit, die umsonst ist, denn im nächsten Netzwerk geht es wieder von vorne los.

Irgendwo, in den Tiefen des Internets, muss es noch liegen: ein altes Myspace-Profil. Mit einem merkwürdigen Namen, mit einem noch seltsameren Profilbild (und das Design der Seite: grenzwertig.) Ab und zu kommt noch eine Email: «Nutzer Darkshadow666 hat Ihr Profil angesehen» steht dann da. Darkshadow666? Nie gehört.

 Seit rund zehn Jahren gibt es Soziale Netzwerke, mit denen wir unsere Zeit im Internet verbringen, vielleicht auch: verplempern. Myspace, StudiVZ, MeinVZ, Facebook und nun Google+. Eigentlich bräuchte der Tag 36 Stunden, um sich um sein Leben im Internet zu kümmern, um dafür zu sorgen, dass nicht überall einfach nur die Twitter-Nachrichten (noch eine digitale Identität!) einlaufen oder der neueste – natürlich ungemein witzige und tiefgründige – Eintrag älter als zwölf Stunden ist.

Sich da auszuklinken ist nicht leicht. Dem «Lange nicht mehr von Dir gehört» ist mittlerweile ein «Lange nichts mehr von Dir gelesen» gewichen. Änderungen im Privaten müssen sofort geteilt werden: «Vergeben an... Darkshadow666». Den Freunden gefällt´s, dem Ex-Freund nicht, was er in einem wortgewaltigen Kommentar unter der Profiländerung auch gleich allen 581 Freunden mitteilt.

Ein letztes digitales Zucken mit der linken Maustaste: Gefällt mir

Mittlerweile haben wir neben dem Stress bei der Arbeit und dem Freizeitstress so auch noch den Internetstress. Bei Farmville muss der Weizen gegossen und bei Google+ die Entwicklung der persönlichen Zirkel mitverfolgt werden. Wir sehen nach, wer unsere Kommentare kommentiert und wie häufig jemand auf «Gefällt mir» geklickt hat. Im Internet hält sich jeder für wichtig, glaubt jeder, dass die Wahl der Socken auch die Mitmenschen interessiert – weil der «Gefällt mir»-Button doch so leicht gedrückt ist. Nicht immer aus Interesse, manchmal aus Mitleid oder aus dem Gefühl heraus, dass man ein digitales Lebenszeichen von sich geben muss, ein letztes Zucken an der linken Maustaste.

Google+
Googles Facebook
Video: Youtube

Eine ganze Menge Arbeit ist das. Vor allem, weil wir mit dem nächsten Sozialen Netzwerk all diese Arbeit zurücklassen werden, wir von vorne anfangen, die Pinnwand zu füllen. Und irgendwann auch von dort wieder weggehen. Vielleicht zum nächsten «großen Internetding» - oder ganz weg vom digitalen Sozialstress.

kwö/news.de
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