Sa., 26.05.12

Tierschutz 14.07.2011 Biss zur Hai-Liebe

Hai (Foto)
Emma, der Hai. Bild: Cameo/Paul Spielvogel

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Vor den Bahamas traf die Tigerhaidame Emma den Menschen Folkart Schweizer. Trotz einer unsanften Begegnung mit Emmas Zähnen gründete der Taucher einen Verein - mittlerweile hat der Hai seine eigene Facebookseite und hunderte Fans. Doch der Hintergrund ist traurig.

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Emma schwamm an ihren Lieblingsplätzen auf den Bahamas herum, als sie einen Mann sah. Im Neoprenanzug tauchte Folkart Schweizer, und Emma, ganz elegante Haidame, wagte einen Probebiss. Nur ein wenig zwickte sie in den gummiartigen Anzug, um zu sehen, ob das vor ihrer Nase ein Leckerbissen sei - oder völlig unappetitlich.

Das ist einige Jahre her. Raphaela Maurer erzählt diese Geschichte und lacht. «Er hatte aber nicht einmal blaue Flecken», sagt sie. Für die Münchner PR-Agentur Comeo betreut sie Folkart Schweizers Verein. Der Hobbytaucher war nach dem Biss durch Tigerhaidame Emma nämlich nicht abgeschreckt von den Tieren. Im Gegenteil: Er gründete Rette den Hai, um darauf aufmerksam zu machen, dass Haie gefährdet sind: «Die Tiere sind viel gefährdeter als sie gefährlich sind», sagt Raphaela Maurer. Emma ist nun das Aushängeschild - mit eigenem Facebook-Account.

Auf den Hai zugehen, nicht flüchten

563 Anhänger hat die Tigerhaidame, die mittlerweile auch auf Bechern abgedruckt ist - als Comic-Hai. Alles, um den Hai populärer zu machen. Denn die meisten Menschen haben Angst vor den Tieren. Der Film Der weiße Hai hat da nicht unbedingt geholfen. Das Tier mit den spitzen Zähnen und den Fetzen vom verspeisten Oberschenkel verpasste Emma und ihren Artgenossen ein Bad-Boy-Image, Medien heizen die Angst immer wieder an. Dabei ist die Chance, dass uns ein Hai beißt, geringer, als sechs Richtige im Lotto oder von einem Blitz getroffen zu werden. 

Auch Raphaela Maurer nennt die Angst vor den Haien falsch. Natürlich seien sie Raubtiere, die jagen. Aber so aggressiv, wie es oftmals in Reportagen gezeigt wird, sind sie nicht. Der Probebiss, mit dem Emma 2007 an Folkart Schweizer knabberte, zeigt das.

Die Haiübergriffe hätten auch viel mit dem falschen Verhalten der Menschen zu tun. «Wer einen Hai sieht, der sollte nicht flüchten. Damit kommt man in den Verdacht, Beute zu sein.» Stattdessen solle man auf das Tier zukommen. «Dazu braucht man Mut», sagt Raphaela Maurer: «Aber welche Beute rennt schon auf seinen Feind zu?»

Hai-Leid für einen Teller Suppe

Rund 500 Haiarten gibt es auf der Welt. Kleine, große, in allen Meeren. Ein Drittel bis die Hälfte der Tiere ist vom Aussterben bedroht. Nicht nur, weil sie einen schlechten Ruf haben, sondern auch, weil sie in einigen Ländern einen ausgesprochen guten Ruf haben: als Delikatesse. Für eine Haifischflossensuppe werden die Tiere gejagt, Fischer schneiden ihnen die Rückenflosse ab und werfen sie lebend zurück ins Meer. Aber ohne die Flosse können sich die Haie nicht bewegen, bekommen keine Luft. Sie ersticken.

Emma, die Tigerhaidame, ist deshalb das Gesicht des Haischutz-Vereins geworden. Sie hat Glück: Die Bahamas haben gerade eben erst ein Abkommen unterzeichnet, das die Tiere schützen soll. Aber Emma soll über die Grenzen hinaus das Bewusstsein für die gefährdeten Haie schärfen. Denn auch in Deutschland essen wir ihre Artgenossen: die Schillerlocken auf dem Brötchen vom Markt beispielsweise. Der Dornhai, aus dem die Locken bestehen, steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In England wurde der rund einen Meter lange Hai früher zu Fish 'n' Chips verarbeitet, wird aber nicht mehr verwendet.

Experten warnen davor, die Tiere weiter zu gefährden. Denn Haie sind nicht nur Raubtiere, sie sind auch die Polizei des Meeres. Sie stehen ganz oben in der Nahrungskette und fressen kranke Tiere, halten ganze Tierpopulationen gesund und das Meer im Gleichgewicht. Ein guter Grund, Haie zu mögen. Emma wird es freuen.

iwi/news.de
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