Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Erfolg im Job und Privatleben hat viel mit sozialer Kompetenz und der Fähigkeit zu tun, richtig zuhören zu können. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst einfühlsam zu sein.
Was bei der Kunst des Zuhörens als richtig erachtet wird, hängt immer von Ihrem Ziel, dem Gesprächspartner und dem Thema ab. Um das eigene Zuhörverhalten und das der Kollegen und Chefs zu verstehen, ist es hilfreich, die vier Arten des Zuhörens zu kennen, im Gespräch wiederzuerkennen und anwenden zu können.
Das Pseudo-Zuhören
Hier geht es nicht darum, den Standpunkt des Gegenübers inhaltlich oder emotional zu begreifen, sondern nur darum, möglichst schnell selbst zu Wort zu kommen. Bei dieser niedrigsten Form des Zuhörens hat der Sprecher gelernt, dass er Verständnis vortäuschen muss, um den anderen mundtot zu machen.
Dies basiert auf der Annahme, dass der Gesprächspartner so lange neue Argumente anführen wird, bis er das Gefühl hat, dass das Gesagte nachvollzogen und bestenfalls akzeptiert oder gar angenommen wurde. Das ist psychologisch nachgewiesen. Der Pseudo-Zuhörer nutzt diese Erkenntnis aber aus, um sein Ziel so schnell wie möglich und ohne Rücksicht auf Verluste zu erreichen.
Mit Ich-verstehe-Floskeln und zustimmendem Kopfnicken signalisiert er aufdringlich, das Gesagte wäre angekommen und es an der Zeit, nun selbst zu Wort zu kommen. Nonverbal verrät sich der Pseudo-Zuhörer durch leichtes Vorbeugen, Aufrichten und unbewusstes Lufteinholen, um zum Unterbrechen anzusetzen. Bei dieser Form des Zuhörens reden Menschen klar aneinander vorbei.
Vorteil: Pseudo-Zuhörer kommen schnell und ohne viel geistigen Aufwand zu Wort.
Nachteil: Respektlos. So werden Sie mit Ihrem Gesprächspartner keinen Kompromiss finden können.
Das aufnehmende Zuhören
Aufnehmendes Zuhören zeichnet sich durch respektvolles Schweigen aus. Der Zuhörer schaut dem Sprechenden dabei konzentriert in die Augen, neigt sich leicht zum Gesprächspartner hin und geht gedanklich mit. Entweder haben Sie es hier mit jemanden zu tun, der Ihnen bewusst Raum gibt, Ihre Gedanken in aller Ruhe zu artikulieren, oder Ihr Gegenüber hat zum Gesagten keine Meinung. Sie können sich aber sicher sein, dass der aufnehmende Zuhörer zumindest annimmt, was sie äußern und vermutlich darüber nachdenken wird.
Vorteil: Der Sprecher hat Zeit, seine Argumente zu begründen und zu untermauern und fühlt sich respektiert.
Nachteil: Der aufnehmende Zuhörer signalisiert sein Verständnis nicht. Er könnte auch innerlich abschweifen oder Missverständnisse könnten vorliegen.
Das umschreibende Zuhören
Bei der dritten Stufe des professionellen Zuhörens wiederholt der Gesprächspartner das Gehörte mit eigenen Worten. Durch sein Umschreiben signalisiert er Aufmerksamkeit und das Bemühen um tieferes Verständnis. Der Sprecher hat so eine Rückmeldung, ob das Gesagte richtig ankam und erfasst wurde.
Verständnisprobleme tun sich so frühzeitig auf und Missverständnisse werden vermieden. Jedoch bleibt es beim umschreibenden Zuhören bei einer inhaltlichen Wiedergabe. Die eigene Meinung, Wertungen, Nachfragen und Ratschläge gehören noch nicht zu dieser Form des Zuhörens.
Durch die Konzentration auf die Kernaussagen des Sprechers und ihre nochmalige Ausformulierung in eigenen Worten werden die Gedanken des Gesprächspartners auf den Punkt gebracht und die Unterhaltung wird effektiver und effizienter.
Vorteil: Der umschreibende Zuhörer beweist, dass er den Gesprächspartner inhaltlich verstanden hat. Er bleibt dabei neutral und emotionslos.
Nachteil: Er muss sich disziplinieren, die eigene Meinung zurückzuhalten.
Das aktive Zuhören
Die Königsdisziplin des Zuhörens ist das aktive Zuhören. Es unterscheidet sich vom umschreibenden Zuhören dadurch, dass nicht nur die Inhalte der Rede des Sprechers gespiegelt werden, sondern auch dessen Emotionen erfasst werden. Es geht also darum, das Gehörte sowohl auf der Sachebene wiedergeben zu können als auch zu erkennen und anzusprechen, wie sich der Gesprächspartner bezüglich der Information fühlt, die er gibt.
Dabei gilt es auch Körpersprache und Mitschwingendes herauszulesen. Diese Form des Zuhörens führt zu inhaltlichem Verständnis und einer vertrauensvollen Beziehung, die wiederum natürlich auch Kompromissbereitschaft fördert. Somit haben wir beim aktiven Zuhören eine Win-Win-Situation.
Vorteil: Vertrauen schafft Verständnis.
Nachteil: Es wird emotional. Das kann die Effizienz von Business-Gesprächen schmälern.
Lesetipp: Soft Skills für Young Professionals: Alles, was Sie für Ihre Karriere brauchen, Andre Moritz und Felix Rimbach, Gabal, 600 Seiten, 29,90 Euro.
Emotionale intelligenz - Gefühle richtig deuten und nutzen, Hans-Michael Klein und Christina Robke, Cornelsen, 128 Seiten, 6,95 Euro.
ham/som/news.de